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Mythen im Zusammenleben mit dem Hund

Blogbeitrag: Mythen im Zusammenleben mit dem Hund

Obwohl uns der Hund schon über viele Jahrzehnte treu begleitet, wird sein Verhalten vielfach noch immer fehlinterpretiert. Bestimmte Aussagen und Bedeutungen über das Hundeverhalten haben sich hartnäckig bei vielen Hundehaltern eingeprägt. Dies führt leider immer wieder zu Missverständnisse in der Mensch-Hund-Kommunikation.

Wir klären auf, über die häufigsten Mythen im Zusammenleben mit dem Hund und seiner Körpersprache.

Du lernst die Körpersprache deines und anderer Hunde neu zu interpretieren und schärfst mit unseren Informationen deine Beobachtungsgabe gegenüber Hundeverhalten. 

Damit vermeidest du die häufigsten Missverständnisse zwischen Hund und Mensch.
– Für deine harmonische Mensch-Hund-Beziehung. –

Mythos 1: Wedelt der Hund, freut er sich. 

Grundsätzliches

In manchen Situationen stimmt diese Aussage tatsächlich.

Doch grundsätzlich ist das Schwanzwedeln deines Hundes zunächst nur ein Ausdruck seiner Aufregung.
In seiner Aufregung kann der Hund positiv oder negativ gestimmt sein.

Im Hundetraining sprechen wir hier auch von einer hohen Erregung des Hundes.
Damit fällt hierunter jede Form der Erregung. Freude ebenso wie Aggression.

Doch auch ein unterwürfiges Verhalten wird über das Schwanzwedeln zum Ausdruck gebracht.

Es kommt also grundsätzlich auf die Situation an, in der sich dein Hund gerade befindet und wie er sich darin fühlt.
Über seine gesamte Körpersprache, wie Körperhaltung, Mimik und Rutenhaltung, äußert er sich dann in der entsprechenden Situation und signalisiert so, was in ihm vorgeht. 

Es ist also nicht nur die Rutenbewegung oder die Rutenstellung entscheidend. 

Es ist wichtig alle Körperteile des Hundes mit in die Interpretation der Situation einzubeziehen.
Deinen Hund quasi zu „lesen“.
Dazu schau dir an, ob dein Hund angespannt ist.
Sträubt er sein Nackenfell? Wie stehen seine Ohren? Wohin schaut er und wie ist sein Blick?
Wie schnell wedelt er und auf welcher Höhe hält er dabei seine Rute? 

Position der Rute 

Doch bleiben wir bei der Rutenstellung. 

Je nachdem wie hoch der Hund seine Rute hält und in welcher Position, mit welcher Geschwindigkeit er sie bewegt und wie weit sie zur Seite ausschlägt, drückt er darüber seine emotionale Verfassung aus. Also ob er freundlich, aggressiv oder ängstlich ist.

Gleichzeitig bleibt die Rutenstellung und ihre Bewegung auch Teil der Rasse der dein Hund angehört.
Es hängt auch mit seinen individuellen Charakterzügen zusammen oder einer möglichen motorischen Einschränkung, wie dein Hund seine Rute, in einer entspannten, neutralen Situation trägt. 

Die Rute als Stimmungsanzeige 

Starke Angst äußert der Hund, wenn er seinen Schwanz bis unter den Bauch gezogen hat. 

Hält er seine Rute niedrig, drückt er in der Situationen in der Regel Besorgnis oder Unterwürfigkeit aus. 

Trägt der Hund seine Rute eher auf mittlerer Höhe, ist er oftmals entspannt. 

Ist die Rute dagegen nach oben gestreckt, ist der Hund in dieser Situation besonders aufmerksam und wachsam.

Beobachte deinen Hund immer wieder in neutralen Situationen, damit du ein Gefühl für seine „normale“ Rutenstellung bekommst. Denn hier gibt es durchaus rassetypische Unterschiede.
Terrier zum Beispiel tragen ihre Rute häufig steil nach oben aufgerichtet.
Whippets oder Greyhounds dagegen halten ihre Rute meist eher im unteren Bereich. 

Tempo in der Rutenbewegung

Grundsätzlich kann man sagen:
Je schneller der Hund mit seiner Rute wedelt, desto aufgeregter ist er in der Situation. 

Ist der Hund entspannt, sind die Rutenbewegungen eher langsamer und sanft.  

Entscheidend ist aber in der Situation, neben der Rutenhaltung und ihrer Bewegung, immer auch die gesamte Körperhaltung des Hundes.

Erst mit allen einzelnen Elementen, die die Körpersprache eines Hundes ausmacht, ergeben sich die tatsächlichen Rückschlüsse auf die Gemütslage des Hundes. 

Ist seine Aufregung tatsächlich positiv, weil er zum Beispiel, einen bekannten Menschen entdeckt hat, wird seine Rute schnell wedeln. Sein Wedeln ist jetzt weitausholend und seine Hüfte wackelt mit. Man sieht also insgesamt viel Bewegung. Der  Gesichtsausdruck und der Blick des Hundes, sind dabei freundlich und weich. Außerdem hält er seinen Kopf leicht abgesenkt. Er freut sich auf die Begegnung.

Dies kann ein Hund natürlich auch bei einer Hundebegegnung so zeigen.
Etwa wenn dein Hund einen ihm bekannten Hundekumpel trifft. 

Doch in Hundebegegnungen kann der Hund auch angespannt sein.

Auch dies drückt er mit einem Schwanzwedeln aus. Bei hoher Anspannung sind die Rutenbewegungen ebenfalls schnell, doch nicht so weit ausholend. Meist ist die Rute auch höher aufgerichtet. Die Rute kann auch hin und wieder in ihrer Bewegung innehalten. 

Bei besonders hoher Anspannung innerhalb einer Hundebegegnung, ist auch eine steife, hoch aufgerichtete Rute ohne Bewegung ein Indiz, für die angespannte Situation. Teilweise bewegt sich auch nur noch die Rutenspitze sehr schnell.  

Mal links herum, mal rechts herum

Die Kommunikationsfähigkeit von Hunden bietet Wissenschaftlern immer wieder neue Anreize für Forschungsarbeiten. Über das Rute-Wedeln von Hunden, veröffentliche Giorgio Vallortigara und sein italienisches Forschungsteam der Universität von Trento, in der Fachzeitschrift  Current Biology, 2013, eine überaus aufschlussreiche Studie.

Um herauszufinden, wie Hunde auf die unterschiedlichen Wedelbewegungen ihres Gegenübers reagieren, nahmen die Wissenschaftler frontal stehende Hunde mit ihrer Rutenbewegung auf.
Diese zeigten sie per Video, 43 anderen Hunden, unterschiedlicher Rassen, um deren Reaktion darauf zu ergründen. 

Dazu muss man wissen, dass wie beim Menschen auch, Emotionen bei Hunden, in der rechten und linken Gehirnhälfte entstehen.
Dabei werden Handlungen der rechten Körperhälfte, in der linken Gehirnhälfte verarbeitet und umgekehrt. 

So arbeitet beim Hund der eine Rutenbewegung nach rechts zeigt, die linke Hirnhälfte.
Die linke Gehirnhälfte ist zuständig für die positiven Gefühle.
Geht die Rute eher nach links, wird die rechte Gehirnseite aktiv und signalisiert dem Hund,
hier sollte er vorsichtig sein. 

Hunde die ein Video eines Artgenossen sahen, der nach links wedelte, zeigten einen Anstieg des Pulses, teilweise auf das Doppelte, sie wichen zurück und mieden den Blickkontakt zu dem Hund, der ihnen vorgespielt wurde. 

Zeigte das Video stattdessen einen Hund der rechts wedelte, zeigten die „Zuschauer“-Hunde ein eher gelassenes Verhalten.

Körpersprache lesen – missliche Situationen verhindern

Mit diesem Wissen kannst du nun Beißunfälle oder Rangeleien unter Hunden weitestgehend vermeiden.
Denn Annahmen, helfen uns in der Kommunikation des Hundes nicht weiter.
Falsche Annahmen machen den Umgang mit dem Hund direkt gefährlich.

Denn nicht immer ist ein wedelnder Hund auch positiv gestimmt und gut gelaunt. 

Fazit: 

Hunde drücken mit ihrer Rutenbewegung viel mehr aus als positive oder negative Emotionen.
Ihre Stimmung ist eher entspannt, wenn sie die Rute in einer waagerechten Verlängerung zum Rücken tragen.
Ist die Rute leicht aufgerichtet, ist der Hund aufmerksam. 

Trägt der Hund seine Rute hoch über dem Rücken, sind seine Bewegungen dazu eher steif und staksig, ist er in Anspannung. 

Wieder einen ganz anderen Sinn hat es, wenn eine Hündin ihre Rute zur Seite legt. 

Der Sexualzyklus der Hündin läßt sich in 4 Phasen einteilen:
* Proöstrus (Vorbrunst)
* Östrus (Brunst, Standhitze)
* Metöstrus (Nachbrunst)
* Anöstrus (Zeitraum der Zyklusruhe).

Proöstrus und Östrus werden zusammen als Läufigkeit bezeichnet.

Im Östrus ist die Hündin deckbereit, denn hier liegen ihre fruchtbaren Tage.
Ist die Hündin bereit für den Deckakt, sucht sie sich einen festen Stand und drückt ihren Rücken durch. Daher auch der Begriff Standhitze. Jetzt legt sie ihre Rute zur Seite und signalisiert so dem Rüden, daß sie deckbereit ist. 

Mythos 2: Als Welpe hat der Hund einen Welpenschutz. 

Den Begriff „Welpenschutz“ kennt wohl jeder Hundehalter.
Sind Hundehalter mit ihrem Welpen unterwegs, glauben sie vielfach noch, dass erwachsene Hunde instinktiv spüren, dass der junge Hund schutzbedürftig ist und sich in diesem Alter noch Freiheiten herausnehmen darf.
Diese Annahme ist nicht nur falsch und hält sich leider hartnäckig in den Köpfen, sondern kann im Ernstfall für den Welpen auch lebensbedrohlich werden. 

Woher kommt die Aussage, es gäbe einen „Welpenschutz“.

Zunächst beobachteten Forscher das Leben der Wölfe.
Von ihnen, als nahe Verwandte zog man erste Rückschlüsse auf unseren Haushund.

Tatsächlich dürfen sich Wolfswelpen in den ersten 6 – 7 Lebenswochen bei ihren Wolfseltern, also ihrem Rudel und Familienverband, sehr viel herausnehmen und es wird viel toleriert, ohne den Welpen eine Grenze zu setzen.
Denn es geht hier um das Fortbestehen des Rudels. 

Diese scheinbar grenzenlose Geduld mit dem Nachwuchs innerhalb der eigenen Wolfsfamilie wurde als „Welpenschutz“ bezeichnet. 

Einschränkungen, Grenzen und Regeln lernen die Wolfswelpen in ihrem Rudel erst mit der 8. Lebenswoche.

Das bewog zunächst die Forscher dazu, diesen Tatbestand „Welpenschutz“, auf unsere Hundewelpen zu übertragen. 

Richig ist aber:
Ein Welpenschutz existiert auch für unsere Hundewelpen nur im eigenen Rudel.
Also bei der Mutterhündin, den Geschwistern und beim Deckrüden, Onkeln und Tanten, wenn sie zusammenleben. 

Halter und Hund bilden KEIN Rudel, denn sie sind nicht biologisch mit einander verwandt.
Hund und Halter leben in einem sozialen Verband.
Damit ist mit der 8-12 Wochen, wenn der Welpe zu seiner Menschenfamilie zieht, der Schutz innerhalb seines Rudels vorbei. 

Das bedeutet, bei anderen, also fremden Hunden hat dein Welpe KEINEN sogenannten „Welpenschutz“!

Natürlich verstehen sich auch fremde, erwachsene Hunde gut mit manchem Welpen und haben mit ihnen teilweise viel Geduld.
Dies sollte jedoch nicht zu dem Rückschluss führen, dass jeder erwachsene Hund per se, freundlich mit fremden Welpen umgeht.
Aufgedrehte und distanzlose Welpen sind nicht bei allen erwachsenen Hunden gern gesehene Kumpel und so kann es vorkommen, dass der erwachsene Hund, den Welpen attackiert, um ihm seine Grenzen aufzuzeigen.

Hinweis:
Wölfe, würden einen fremden Welpen totbeißen, da er für ihr Rudel und die Weitergabe der eigenen Gene, eine Konkurrenz darstellt. 

Die Konsequenz daraus für dich

Sei daher stets vorsichtig mit welchen Hunden du deinen Welpen zusammen läßt.
Informiere dich vorher bei dem anderen Hundebesitzer, ob sein Hund mit Welpen bereits Erfahrungen gemacht hat und mit ihren zurecht kommt. Ist dies nicht der Fall oder ist die Antwort: „Wir können es ja mal ausprobieren.
Der hat ja noch Welpenschutz!“
Lasse diesen Hundekontakt nicht zu. 

Für deinen Welpen sollte es möglichst viele freundliche Hundebegegnungen geben, deren positive Eindrücke er im Gehirn abspeichert. Daher achte hier besonders auf sozialverträgliche Althunde, bei denen er gute Erfahrungen machen kann.

Mit Althund ist hier keinesfalls der gebrechliche Senior gemeint! 

Gerade Hunde die gebrechlich sind und vielleicht Schmerzen haben, sind von Welpen oft schnell genervt und manchmal auch überfordert
Daher lasse deinen Welpen an der Leine, halte ihn nah bei dir und kläre vorher mit dem anderen Hundebesitzer,
ob die Kontaktaufnahme deines Welpen in Ordnung ist. 

Außerdem ist eine Zweierbegegnungen für dich immer besser zu regulieren, als wenn dein Welpe gleich eine Begegnung mit zwei, drei oder noch mehr Hunden macht, die nur in Aufregung und Wildheit mündet, als sich mit dem Gegenüber wirklich auseinander zu setzen und sich in Ruhe kennenzulernen. 

Mythos 3: Gähnt der Hund, ist er müde. 

Lange Zeit galt es als erwiesen, dass wir Menschen gähnen, weil wir müde sind, uns langweilig ist oder wir etwas als sehr eintönig empfinden.

Diese Annahme ist von der Forschung längst überholt. 

Denn wir gähnen auch, wenn wir Stress haben oder uns stark konzentrieren müssen. 

Die Theorie, dass gähnen nur durch einsetzende Müdigkeit ausgelöst wird, hat dazu geführt, dass auch beim Hund angenommen wurde, er gähnt, weil er müde ist.
Hunde gähnen zwar auch weil sie müde sind, aber es gibt auch andere Gründe, warum ein Hund gähnt.
Hier ist es wichtig, auf die Situationen zu achten, in denen dein Hund gähnt.
Denn je nachdem wie und wann dein Hund gähnt, kann dies ganz unterschiedliche Dinge bedeuten. 

Das Gähnen 

Zunächst ist das Gähnen, ob beim Menschen oder beim Hund ein Reflex.
Ein Reflex ist eine immer gleiche Reaktion des Organismus auf einen bestimmten Reiz.
Der Mensch gähnt also, etwa weil er müde ist. Der Reflex wird unwillkürlich, rasch und immer gleich ausgeführt. 

Beim Gähnen machst du einen tiefen Atemzug und öffnest dabei weit deinen Mund.
Das Gähnen endet mit dem Ausatmen, wobei du deinen Mund wieder schließt. 

Dein Hund macht es genauso.

Weil der ganze Vorgang des Gähnens unwillkürlich abläuft, hat weder der Hund, noch der Mensch eine Möglichkeit das Gähnen zu kontrollieren. 

Selbst wenn wir ein Gähnen unterdrücken wollen und versuchen den Mund zu schließen, können wir den Vorgang des Gähnens nicht unterbrechen. 

Warum wir gähnen

Eine Erklärung für unser Gähnen könnte sein, dass durch den tiefen Atemzug beim Gähnen viel Sauerstoff in unseren Organismus gelangt.

Beim Lernen und unter Stress benötigen unsere Nervenzellen mehr Sauerstoff, um komplexe Aufgaben zu lösen.

Ein anderer Erklärungsansatz liegt in der Annahme, dass vermehrtes Gähnen, durch die Aufnahme von frischer, kühler Luft, dazu dient, unser Gehirn zu kühlen.
Denn Forscher haben nachgewiesen, dass wir vermehrt gähnen, wenn unsere Gehirntemperatur erhöht ist. 

Denn auch wenn sich die Temperatur im Gehirn nur geringfügig erhöht, ist seine Leistungsfähigkeit beeinträchtigt.
Gähnt der Mensch, sinkt die Bluttemperatur und das Gehirn wird gekühlt. 

Beide These passen auch zu der Vermutung, dass wir gähnen, um weiterhin aufmerksam und wach zu bleiben. Damit würde ein Gähnen auch der Erholung dienen, um sich auf die nächste Herausforderung vorzubereiten. 

Wirklich abschließend ist das Phänomen „Gähnen“ beim Menschen noch nicht geklärt. Vermutlich, weil es keine gravierende Bedeutung für die Medizin hat. 

Warum dein Hund gähnt

In welcher Situation das Gähnen beim Hund welche Bedeutung für ihn hat, ist stark vom jeweiligen Kontext abhängig. 

Diese Situationen wollen wir uns nun im Einzelnen ansehen. 

  1. Dein Hund gähnt, weil er müde ist

Der offensichtlichste Grund, warum dein Hund gähnt, kann tatsächlich Müdigkeit sein.

Auch für Hunde gibt es im Laufe des Tages anstrengende Phasen.

Was deinen Hund fordert:

  • dein Hund läuft viel in der Wohnung umher
  • du hattest Besuch
  • es sind Ferien und die Kinder sind zu Hause
  • ihr wart auf der Hundewiese
  • die Gassirunde war länger als gewöhnlich
    – besonderer Ausflug
    – Wanderung
  • du hast mit ihm trainiert oder ihr wart in der Hundeschule
  • ihr habt zusammen Sport gemacht, wart joggen, zum Carnicross, Aggility oder Schwimmen
  • die Außentemperaturen sind hoch
  • Besuch von Tierarzt, Tierheilpraktiker, Tierphysiotherapie etc. 
  • Treffen von Hundekumpeln
  • du hast mit ihm selten besuchte Orte aufgesucht:
    – Tierpark
    – Wildgehege
    – Stadtgang
  • dein Hund ist krank

Sicher fallen dir noch andere Aktivitäten ein, nach denen dein Hund gähnt und sich zusammenrollt, um zu schlafen.

Jetzt bedeutet sein Gähnen tatsächlich: „Ich bin erschöpft und möchte meine Ruhe!“

Außerdem gähnen Hunde natürlich auch beim Wachwerden.
Meist recken und strecken sie sich dann noch dazu.
Hier war dein Hund lange Zeit nicht aktiv, durch ein Gähnen aktiviert er seinen Körper wieder mit einer großen Portion Sauerstoff.
Gleichzeitig dehnt er beim Gähnen seine Gesichtsmuskeln, entspannt sie darüber und regt die Durchblutung an.

  1. Dein Hund gähnt, weil er in einem emotionalen Zwiespalt ist

Das Gähnen wird vom Hund vielfach als Übersprungshandlung gezeigt. Die Übersprungshandlung ist eine Maßnahme, die nicht zielgerichtet ist. Dein Hund gähnt in dieser Situation nicht weil er müde ist oder weil er Sauerstoff braucht.
Hier verschafft er sich durch ein Gähnen eine kleine „Denkpause“.
Das Gähnen geschieht hier aus der Unsicherheit heraus.

In welchen Situationen braucht dein Hund vielleicht eine „Denkpause“?

  • Er müßte eine Entscheidung treffen, ist damit aber überfordert.
  • In Situationen, in denen er nicht weiß wie er sich verhalten soll.
  • Er hat nicht verstanden, was von ihm erwartet wird.
    Etwa im Hundetraining.
  • Er müßte reagieren, weiß aber nicht wie.
  • Er ist in einer, vielleicht neuen, Situation unsicher.
  • Ihn verunsichern Dinge und er weiß nicht wie er mit ihnen umgehen soll.

Mit einem Gähnen, zögert dein Hund also seine Entscheidung einen Moment hinaus und verschafft sich scheinbar etwas Zeit zum Nachdenken. 

In solchen Situationen gehören auch ein Kratzen oder das Schütteln des Hundes, zu den sogenannten Übersprungshandlungen. 

Gleichzeitig spielt hier auch hinein, dass der Hund sich häufig gleichzeitig mit seinem Gähnen beruhigt. 

Dazu kommen wir jetzt. 

  1. Dein Hund gähnt, weil er sich selbst oder sein Gegenüber beruhigen möchte

Über das Gähnen entspannt der Hund nicht nur seine Gesichtsmuskel und wirkt danach gleich etwas gelöster, sondern mit dem Gähnen entspannt er auch seinen Körper insgesamt etwas. Er beruhigt sich also über ein herzhaftes Gähnen selbst und schraubt so seine Aufregung wieder etwas herunter. 

Über ein Gähnen kann der Hund aber auch seinem Gegenüber zeigen wollen, dass es ihm im Moment zu viel ist und er etwa in einem gemeinsamen Spiel, ruhiger werden soll.
Dazu kommt zum eigentlichen Gähnen noch, dass der Kopf zur Seite weggedreht wird und vielleicht leckt sich der Hund auch über sein Maul (Licking Intension).

  1. Dein Hund gähnt in stressigen Situationen

Stressige Alltagssituationen können ebenfalls ein Grund sein, warum dein Hund gähnt.
Wie schon besprochen gibt ein Gähnen neue Energie, aber es entspannt und beruhigt auch gleichzeitig. 

Gerade in Hundebegegnungen gerät der ein oder andere Hund unter Stress, etwa weil der andere, fremde Hund ihm sehr nahe kommt. Hier fühlt er sich möglicherweise überfordert oder empfindet die Situation schlicht als unangenehm. 

Gleiches gilt auch für Situationen, in denen der Hund durch den Menschen eingeschränkt wird.
Etwa beim Anziehen des Geschirrs, bevor es auf die Gassirunde geht.
Das kann zum einen an einem möglichen schlechten Sitz des Geschirrs liegen oder es ist schlicht unbequem. Auslandshunde sind vielfach nicht an ein Geschirr gewöhnt und tun sich zunächst schwer mit etwas, was über den Kopf gezogen werden muss. 

Muss der Hund zum Anziehen des Geschirrs noch die Vorderbeine einzeln anheben, um hineinzukommen, macht es das mangelnde Gleichgewicht für den Hund schon zur echten Herausforderung.

Hier muss zunächst sehr kleinschrittig mit dem Hund geübt werden,
um das Anziehen des Geschirrs kennenzulernen und schließlich zu akzeptieren.
Achte beim Anlegen des Geschirrs besonders auch auf die übrige Körperhaltung und weitere Kommunikatonssignale deines Hundes.

Macht er sich klein, schaut er weg und gähnt, blinzelt dein Hund vielleicht und will dir ausweichen oder leckt sich über das Maul?
All das sind weitere Anzeichen dafür, dass diese Situation für ihn Stress auslöst. 

Hier gilt es diese Situationen sehr positiv mit dem Hund zu üben und ihn gleichzeitig dabei zu entspannen,
damit er sie nicht mehr als beängstigend empfindet. 

Auf der anderen Seite, solltet du häufiges Gähnen deines Hundes in Situationen immer sehr ernst nehmen.
Zeigt er ständiges Stressgähnen, stellt diese Situation für deinen Hund eine große Herausforderung dar.
Hier ist es zunächst wichtig, die Situation mit deinem Hund umgehend zu verlassen bzw. sie für in so zu verbessern, daß der Stress für ihn nachläßt. Anschließend überlege wo genau das Probleme für deinen Hund lag und wie du die Umstände verändern kannst, um ihn nicht länger diesem Stress auszusetzen.  

Wenn ich dich dabei unterstützen darf, dann schreibe mir gerne eine Mail oder nehme mit mir telefonsich Kontakt auf.

  1. Dein Hund gähnt auch wenn er Schmerzen hat

Bei Seniorhunden hat man meist mehr im Blick, dass sie eine schmerzhafte Arthrose haben können und durch ihr Alter körperlich manchmal eingeschränkt sind. 

Doch auch eine Verletzung, kann deinen Hund gähnen lassen, etwa wenn sie durch eine Bewegung plötzlich schmerzt.

Gleiches gilt auch für Berührungen an einem schmerzenden Bereich. Auch hier kann der Hund über ein Gähnen signalisieren, dass er Schmerzen hat. 

Oft sind es diese Kleinigkeiten, die dich aufhorchen lassen sollten.
Denn hier hat sich das Verhalten deines Hundes verändern.
Er regiert auf Berührungen anders als sonst. 

Damit du ein solches, gesundheitliches Problem nicht übersiehst, lege ich dir den Blogbeitrag: Das Hundetagebuch – eine Folge, rund um die Gesundheit deines Hundes“, sehr ans Herz. In diesem Beitrag geht es um gesundheitliche Veränderungen beim Hund und wie du sie schnell erkennst. Denn Hunde sind großartige Verschleierungskünstler. 

Wenn dann gesundheitliche Einschränkungen auffallen, ist schon vieles passiert.
Mit dem kostenlosen Handout zum Beitrag, das du dir zusätzlich auf unserer Webseite herunterladen kannst, erkennst du Veränderungen bei deinem Hund sehr schnell und genau, damit du dann sofort die richtigen Schritte unternehmen kannst. 

Die entsprechende Podcast-Folge, findest du hier: 

  1. Emotionale Nähe steckt an

Nicht nur unter Menschen ist vielfach ein kollektives Gähnen zu beobachten.
Forscher fanden heraus, dass Tiere die sich besonders nahe stehen, sich vom anderen ebenfalls zum Gähnen anstecken lassen. 

Auch der Hund und sein Besitzer können sich gegenseitig zu einem Gähnen anstecken.
Viel häufiger, als dass ein fremder Mensch bei einem Hund ein „Mit-Gähnen“ auslösen kann.

Forscher machen dafür Spiegelneuronen verantwortlich.
Spiegelneuronen sind bestimmte Gehirnsturkturen, die die Geisteszustände des Gegenübers abbilden.
Über die Spiegelneuronen ist es möglich, sich in ein anderes Lebewesen hineinzufühlen und zu erkennen, wie es dem anderen geht. 

Ein Forscherteam der Universität Tokio fand in einer Studie heraus, dass wenn der Hundebesitzer gähnt, der eigene Hund ebenfalls mit einem Gähnen reagiert. Doch nicht wie anfangs vermutet als eine Art Stressreaktion, sondern vielmehr, weil er eine mitfühlende Reaktion zeigt. 

Da Hunde sich gerade von ihren Bezugspersonen öfter vom Gähnen anstecken ließen, als von fremden Testpersonen, schlossen die Forscher hier auf den Grad der emotionalen Nähe zwischen den beiden. 

Spricht man von emotionaler Nähe beim Menschen, dann meint man ein gutes Gefühl füreinander und eine innige Beziehung, die Worte oftmals überflüssig macht.

Bei der Beziehung zwischen Mensch und Hund könnte emotionale Nähe ein Zeichen für eine gute Bindung sein. Hier sind sich Hund und Mensch so nah, dass sie eine Beziehung pflegen, voller Vertrauen und Wertschätzung.

Mythos 4: Hunde, die bellen, beißen nicht! 

Diesen Ausspruch hast du sicherlich auch schon gehört. 

Diese Aussage wurde immer dann getroffen, wenn jemand in seiner Wut oder seinem Zorn etwas ankündigte, was er jemandem alles antun wird, es aber nie in die Tat umsetzte.

Dieses geflügelte Wort „Hunde, die bellen, beißen nicht!“, sollte einmal mehr unterstreichen, dass wer jemandem ernsthaft schaden wolle, dies nicht vorher ankündigt.

Im übertragenen Sinn heißt dies also so viel wie:
Menschen, die aggressiv herumschreien, sind in Wirklichkeit ungefährlich. Oder eine Person die einer anderen Fürchterliches androht, wird es nicht verwirklichen. 

Damals – Woher stammt dieser Spruch?

Der römische Historiker Quintus Curtius Rufus, hat vermutlich im 1. Jahrhundert nach Christus, in seiner Geschichte über Alexander des Großen, diesen Satz geprägt.
Hier schrieb er aus eigener Erfahrung: „Ein ängstlicher Hund bellt stärker, als er beißt“.

Quintus Curtius Rufus beschrieb hier die Erfahrung, dass Hunde die bellen, ihren Gegner damit zu beeindrucken versuchen, um sie zu vertreiben oder auf Abstand zu halten, aber nicht zubissen. 

Doch was als Drohung vom Hund gemeint ist, sollte man durchaus ernstnehmen. Denn sonst kann es sehr wohl sein, dass der Hund zubeißt.

Auch wenn der Hund nicht beides kann, Bellen und Beißen.
So kann auf ein Bellen durchaus ein Biß folgen. 

Heute – das Fünkchen Wahrheit 

Seit damals hat sich dieses Sprichwort zu: „Hunde, die bellen, beißen nicht!“ verändert. 

Eric Ziemen, schreibt dazu in seinem Buch „Der Hund“:
„Das Sprichwort nimmt die Alltagserfahrung auf, daß Caniden vor Ernstkämpfen keinerlei warnende Anzeichen zeigen. Wenn sie dagegen Verhaltensweisen aus ihrem arteigenen Droh- und Deeskalationsrepertoire einsetzen, kommt es fast nie zu ernsthaften Kämpfen.“

Natürlich kann auch ein bellender Hund seine Zähne einsetzen.

Aber damit ein Hund, der gut sozialisiert und erzogen ist zubeißt, müssen schon viele seiner Drohungen und Ankündigungen, vorher missachtet worden sein. Grundsätzlich wird dann aber auch der gutmütigste Hund irgendwann zubeißen. 

Daher sollte man mit dieser angeblichen Lebensregel „Hunde, die bellen, beißen nicht!“ sehr vorsichtig sein. 

Gründe für das Bellen des Hundes

Wir haben uns schon sehr intensiv mit dem Bellen beim Hund auseinander gesetzt. 

Die entsprechenden Blogbeiträge findest du hier. 

Für die entsprechenden Podcast-Folgen klicke bitte hier: 

Die möglichen Gründe, warum ein Hund bellt, sind vielfältig.

Gründe für ein Bellen können sein:

  • Aufregung
    – etwa bei der Begrüßung von dir oder anderen Hunden
  • als Spielaufforderung oder im Spiel
  • Frust
  • Langeweile
  • Revierverteidigung
  • Einforderung von Aufmerksamkeit
  • Überforderung
  • Stress
  • Angst und Unsicherheit
  • Wut und Aggression
  • Schmerz bzw. gesundheitliches Unwohlsein

Es wird deutlich, dass Bellen sowohl eine positive, als auch eine negative Motivation haben kann. 

Um nun tatsächlich einzuschätzen, ob ein Hund der bellt, auch bereit ist zuzubeißen, müssen wir wieder seine gesamte Körpersprache und die jeweilige Situation in der das Bellen auftritt, mit einbeziehen. 

Zunächst ist ein Bellen immer ein Hinweis von vielen anderen, wie es dem Hund geht.
Um jetzt zu ergründen, ob der Hund aufgeregt ist, Aufmerksamkeit haben möchte oder endlich jemanden begrüßen will, muss man die gesamte Situation interpretieren. 

Gleichzeitig kommt es auch auf die Geschwindigkeit des Bellens an und auf dessen Tonhöhe. 

Je nach Situation und der Körpersprache des Hundes, kann es auch die letzte Warnung vor seinem Angriff und Biss sein. 

Die wichtige Körpersprache des Hundes

Grundsätzlich gilt es in jeder Situation auf die Körpersprache des Hundes zu achten, um zu erkennen, wie er sich fühlt. 

Ist dein Hund in einer entspannten Körperhaltung und seine Rute wedelt locker, hat er seine Ohren vielleicht aufgestellt, ist er auch beim Bellen, in einer positiven Motivation.
Vielleicht möchte er mit einem anderen Hund Kontakt aufnehmen, will dich auf etwas aufmerksam machen oder ist sogar in Spiellaune.

Ist die Körperhaltung deines Hundes eher angespannt, steht er starr und ohne Bewegung dar, zeugt sein Bellen eher von einer negativen Motivation. Hier ist es ratsam immer eher auf Abstand zum Hund zu gehen. 

Bist du in eine solche Situation geraten, schaue den Hund nicht direkt an. Der direkte Blick ist für den Hund oft eine zusätzliche Provokation bzw. könnte er den Blick als bedrohlich auffassen. 

Bleibe ruhig stehen und schaue an ihm vorbei oder wenn, du das nicht schaffst, auf den Körper des bellenden Hundes oder auf seinen Schwanz.

Damit waren dies jetzt zunächst die ersten vier Mythen, in die wir Licht zum Thema Hundeverhalten, Körpersprache und damit in die Hundekommunikation, gebracht haben.
Da es noch einige mehr gibt, setzen wir diese Reihe weiter fort. 

Empfehle uns gerne weiter, bleib gesund und liebe Grüße

deine Stephanie

 

Dieser Blogbeitrag wurde veröffentlicht am 13. Juli 2021.


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Wie? Klicke HIER:
Folge 072 Mythen im Zusammenleben mit dem Hund Teil 1

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Quellen: 

Bücher: 

Studien: 

  • Familiarity Bias and Physiological Responses in Contagious Yawning by Dogs Support Link to Empathy
    von Teresa Romero, Akitsugu Konno und Toshikazu Hasegawa
    vom 7. August 2013
    https://doi.org/10.1371/journal.pone.0071365

 

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