Frau fühlt den Puls ihrer Boxerhündin am Oberschenkel und schaut dabei auf ihre Uhr

Erste Hilfe beim Hund: Puls, Atmung und Vitalwerte

INHALTSVERZEICHNIS

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein erwachsener Hund hat in Ruhe einen normalen Puls von 70 bis 120 Schlägen pro Minute, eine Atemfrequenz von 18 bis 34 Zügen pro Minute und eine Körpertemperatur von 37,5 bis 39,2 °C. Je kleiner der Hund, desto höher ist meist der Wert.
  • Wichtiger als jede Tabelle sind die Werte, die dein Hund sonst hat. Miss sie an guten Tagen, dann erkennst du Veränderungen.
  • Ein Herzschlag, der beim Einatmen schneller und beim Ausatmen langsamer wird, ist bei Hunden normal.
  • Seit August 2026 gibt es erstmals eine wissenschaftliche Leitlinie zu Sofortmaßnahmen bei Hunden und Katzen. Einiges, was jahrelang galt, ist damit überholt, zum Beispiel bei der Wiederbelebung, beim Kühlen und beim Abbinden.
  • Bei Atemnot, Bewusstlosigkeit, starker Blutung, Krampfanfall oder Verdacht auf Magendrehung solltest du nicht lange zögern, sondern sofort losfahren.

Vielleicht hast du es schon einmal versucht: Dein Hund liegt entspannt auf der Seite, du legst zwei Finger an sein Hinterbein und suchst. Du drückst ein wenig fester, dann wieder sanfter und spürst nichts. Oder du spürst etwas, das mal schneller und mal langsamer klopft, und fragst dich, ob das so in Ordnung ist.

Genau an dieser Stelle ist es von Vorteil, die Werte deines Vierbeiners zu kennen, bevor es ernst wird. Wer weiß, wie sein Hund an guten Tagen Luft holt, wie schnell sein Herz schlägt und wie sich sein Zahnfleisch anfühlt, merkt viel schneller, wenn etwas nicht stimmt, und bleibt im Ernstfall ruhiger.

In diesem Artikel zeige ich dir, welche Werte normal sind, wie du sie misst, wann ein Wert dich beunruhigen sollte und wie du in den häufigsten Notfällen Hilfe leisten kannst, bis dein Hund in der Tierarztpraxis ist. Alle Sofortmaßnahmen habe ich mit den neuen Leitlinien der RECOVER-Initiative abgeglichen, die im August 2026 erschienen sind (Mandell et al., 2026).

Die wichtigsten Vitalwerte des Hundes und ihre Normalwerte

Sie zeigen dir, wie es um Kreislauf, Lunge und Wärmehaushalt steht. Für einen erwachsenen Hund in Ruhe gelten diese Werte (MSD Manual):

Wert Erwachsener Hund in Ruhe Worauf du achtest
Herzfrequenz (Pulsschlag) 70 bis 120 Schläge pro Minute kleine Hunde eher im oberen, große eher im unteren Bereich
Atemzüge (Atemfrequenz) 18 bis 34 Atemzüge pro Minute in Ruhe im Schlaf meist deutlich weniger als 30
Körpertemperatur 37,5 bis 39,2 °C im After gemessen, nach Bewegung etwas höher
Zahnfleisch rosa, feucht und glänzend nach Fingerdruck in höchstens zwei Sekunden wieder in der normalen Farbe

Vielleicht wunderst du dich, warum andere Seiten andere Zahlen nennen. Das liegt nicht an Fehlern, sondern daran, dass die Quellen unterschiedliche Hunderassen gemessen haben. Die Universitätsklinik der Vetmeduni Wien nennt zum Beispiel für große Hunde 80 bis 100 und für kleine Hunde 100 bis 120 Herzschläge (Vetmeduni Wien, 2023). Da die normale Herzfrequenz eines Hundes je nach Größe, Rasse und Alter variiert, dient die Tabelle als Orientierung. Was wirklich zählt, ist der Vergleich mit dem, was bei deinem eigenen Hund üblich ist.

Damit du die Werte deines Hundes festhalten kannst, habe ich dir ein Blatt zum Ausdrucken erstellt: Die Vitalwerte deines Hundes (PDF) mit allen Normalwerten und einem Protokoll für deine eigenen Messungen.

Wie hoch ist der normale Puls beim Hund?

Bei einem erwachsenen Hund schlägt das Herz im Ruhezustand 70 bis 120 Mal in der Minute (MSD Manual). Ein Wert von 100 ist für die meisten Hunde also völlig normal, für einen großen, entspannt schlafenden Hund aber eher hoch.

Warum der Herzschlag bei Zwerghunden schneller ist

Je kleiner ein Tier ist, desto schneller arbeitet sein Herz. Das gilt für alle Säugetiere und auch innerhalb der Hunderassen (Merck Manual). Ein Chihuahua liegt in Ruhe eher im oberen Bereich der Spanne, ein Leonberger eher im unteren.

Wie viele Herzschläge pro Minute hat ein Welpe?

Bei neugeborenen Welpen arbeitet das Herz viel schneller als bei erwachsenen Hunden: in den ersten Lebenstagen etwa 200 Mal in der Minute (Royal Canin Academy). Mit dem Wachstum sinkt dieser Wert langsam. Für ältere Welpen gibt es keine verlässliche feste Spanne. Hier hilft vor allem der Vergleich mit den eigenen Messungen deines Welpen.

Wie misst man den Puls richtig?

Am besten misst du an der Oberschenkelarterie, wenn dein Hund entspannt auf der Seite liegt.

  • Den Pulsschlag kannst du an der Innenseite des Oberschenkels fühlen, etwa in der Mitte, wo sich eine kleine Rinne zwischen den Muskeln befindet. Leg Zeige- und Mittelfinger darauf, um die Arterie zu ertasten. Verwende nicht den Daumen, denn darin spürst du deinen eigenen Pulsschlag.
  • Drücke nur leicht. Wenn du zu fest drückst, drückst du die Arterie zu.
  • Zähle 15 Sekunden lang die Schläge und multipliziere das Ergebnis mit vier. Das ist die Anzahl der Herzschläge pro Minute.

Wenn du die Stelle nicht findest, lege die Hand auf den Brustkorb des Hundes, links direkt hinter dem Ellbogen. Dort spürst du das Herz selbst.

Mach dir keine Sorgen, wenn es beim ersten Mal nicht klappt. Das geht fast allen so. Übe in ruhigen Momenten erst im Liegen und später auch im Stehen und belohne deinen Hund dafür. Nach ein paar Tagen wirst du die Stelle sicher finden, und dein Hund wird die Berührung kennen.

Ist ein unregelmäßiger oder niedriger Puls normal?

Ein physiologischer Rhythmus

Wenn du zum ersten Mal genau zählst, fällt dir vielleicht auf, dass der Rhythmus nicht gleichmäßig ist. Beim Einatmen wird er etwas schneller, beim Ausatmen langsamer, manchmal mit einer kleinen Pause. Das erschreckt viele, ist bei Hunden aber ein normaler Befund. Diese Schwankungen sind ein ganz normaler Vorgang im Körper und werden von Tierärzten als Sinusarrhythmie bezeichnet (Merck Manual). Bei Aufregung oder Bewegung verschwindet sie, da das Herz dann gleichmäßig schneller arbeitet. Im Schlaf und in tiefer Entspannung ist der Pulsschlag entsprechend langsamer.

Eine niedrige Herzfrequenz in Ruhe ist deshalb bei einem munteren Hund meist kein Grund zur Sorge. Anders ist es, wenn die Herzfrequenz deutlich unter dem üblichen Wert liegt und der Hund dazu schlapp ist, wackelt, schnell müde wird oder sogar umfällt.

Was ein dauerhaft zu schneller oder zu langsamer Puls bedeuten kann

Schlägt das Herz in Ruhe dauerhaft schneller als üblich, kann das auf ein Gesundheitsproblem hinweisen. Mögliche Ursachen sind Schmerzen, Fieber, Stress, Flüssigkeitsmangel, Blutverlust, Blutarmut oder eine Herzerkrankung. Schlägt das Herz dagegen dauerhaft zu langsam, kann dies auf eine Störung der elektrischen Aktivität des Herzens, eine Unterfunktion der Schilddrüse oder Ursachen wie Elektrolytstörungen, etwa bei einer Erkrankung der Nebenniere, hinweisen. Welche Ursache dahintersteckt, kann nur eine Untersuchung klären, denn derselbe Wert kann je nach Ursache ganz verschiedene Gründe haben. Diagnose und Behandlung übernimmt deine Praxis.

Wann du mit auffälligen Werten zum Tierarzt gehst

Ruf deine Praxis an, wenn der Pulsschlag bei mehreren Messungen in Ruhe deutlich von den üblichen Werten deines Hundes abweicht oder wenn er langsamer ist als sonst und dein Hund dazu schwach wirkt. Um die Funktion des Herzens zu beurteilen, hört der Tierarzt das Herz ab und schreibt ein EKG. Oft werden außerdem ein Röntgenbild des Brustkorbs oder ein Herzultraschall durchgeführt. Manchmal hilft auch eine Blutuntersuchung, da Elektrolyte und Schilddrüse den Herzschlag beeinflussen.

Sofort los musst du, wenn dein Hund kollabiert, nicht mehr richtig ansprechbar ist oder schwer atmet.

Atmung und Atemfrequenz

In Ruhe macht ein erwachsener Hund 18 bis 34 Atemzüge pro Minute (MSD Manual). Am verlässlichsten zählst du jedoch, wenn er tief schläft. Wenn er wach und neugierig ist oder vom Spaziergang kommt, holt er schneller Luft.

So gehst du vor: Achte auf die Bewegung des Brustkorbes. Einmal Heben und Senken zählt als ein Atemzug. Zähle eine volle Minute lang oder 30 Sekunden lang und multipliziere das Ergebnis mit zwei.

In einer Studie haben Halter die Atemzüge ihrer 114 gesunden Hunde im Schlaf zu Hause gezählt. Im Mittel waren es 13, und kein Hund kam im Durchschnitt über 23 (Rishniw et al., 2012). Liegt dein Hund im Schlaf immer wieder bei mehr als 30 Atemzügen pro Minute, ruf deine Praxis an. Bei herzkranken Hunden lassen Tierärzte genau diese Zählung zu Hause durchführen, da ein Anstieg gegenüber dem individuellen Ausgangswert früh auf eine Verschlechterung hinweist (Keene et al., 2019).

Hecheln zählt nicht mit. Es dient der Abkühlung und ist bei Wärme, Anstrengung und Aufregung normal.

Anzeichen von Atemnot

Echte Luftnot sieht anders aus als schnelle Atmung. Ein Hund, der schwer Luft bekommt, steht oder liegt mit gestrecktem Hals und abgespreizten Ellbogen. Er nimmt den Bauch zu Hilfe, zieht die Lefzen zurück und hat oft ein Geräusch bei jedem Atemzug. Manchmal ist auch eine blaue oder graue Zunge zu sehen. Er will sich meist nicht hinlegen. Dann fährst du sofort los. Leg deinen Hund dabei nicht auf die Seite, sondern lass ihn auf der Brust liegen oder stehen, wie es ihm am leichtesten fällt. Die Leitlinie empfiehlt genau diese Haltung, da sie hilft, die Atmung zu erleichtern. Die Seitenlage wird bei Luftnot nur selten als passend genannt (Mandell et al., 2026).

Körpertemperatur messen

Beim erwachsenen Tier liegt die normale Körpertemperatur zwischen 37,5 und 39,2 °C (MSD Manual). Gemessen wird im After mit einem digitalen Fieberthermometer. Etwas Vaseline oder Creme an der Spitze macht es angenehmer. Schiebe das Thermometer leicht schräg ein, damit es an der Darmwand anliegt, und halte deinen Hund dabei hinten fest, damit er sich nicht plötzlich hinsetzt. Nach Toben und Aufregung liegt der Wert etwas höher, deshalb misst du am besten in Ruhe.

Heiße Ohren oder eine warme Nase sagen wenig über die Temperatur aus. Wenn du wissen willst, ob dein Hund Fieber hat, hilft nur das Thermometer.

Schleimhäute und Rückfüllzeit

Frau drückt mit dem Finger auf das Zahnfleisch ihrer Boxerhündin, um die Rückfüllungszeit zu prüfen

Das Zahnfleisch zeigt dir, wie gut der Kreislauf deines Hundes arbeitet. Heb dazu die Lefze an und schaue auf eine nicht dunkel gefärbte Stelle. Normales Zahnfleisch ist rosa, feucht und glänzend.

Um die Rückfüllungszeit zu ermitteln, legst du einen Finger auf die Schleimhaut über einem Zahn und drückst kurz. Die Stelle wird hell. In weniger als 2 Sekunden sollte sie wieder rosa sein. Dauert es länger, gelangt nicht genug Blut in die feinen Gefäße, und das kann ein Hinweis auf ein Kreislaufproblem sein. Prüfe immer an derselben Stelle, damit du die Ergebnisse vergleichen kannst (Vetmeduni Wien, 2023).

Schleimhautfarbe Möglicher Hinweis Was du tust
blass bis weiß Blutverlust, Schock, Blutarmut sofort los
blau oder grau zu wenig Sauerstoff sofort los
gelblich, auch im Weiß der Augen Gallenfarbstoff, etwa bei Leber- oder Bluterkrankungen noch am selben Tag anrufen
stark gerötet Entzündung oder Überhitzung bei Schwäche oder nach Hitze sofort los

Wann ist es ein Notfall?

Diese Zeichen sind kein Fall für Abwarten, sondern für den tierärztlichen Notdienst, und zwar sofort:

  • schwere Luftnot, graue oder blaue Zunge
  • Bewusstlosigkeit, Zusammenbruch, Taumeln
  • blasse oder weiße Schleimhäute
  • starke Blutung
  • Krampfanfall, der länger als fünf Minuten dauert, oder mehrere Anfälle hintereinander
  • erfolgloses Würgen mit aufgeblähtem Bauch und Unruhe
  • Unfall oder Sturz, auch wenn du keine Verletzung siehst
  • Gift oder Medikamente gefressen, auch wenn dein Hund noch munter wirkt
  • Hitzschlag
  • dein Hund presst und kann keinen Urin absetzen
  • plötzliche Lähmung der Beine
  • blutiges Erbrechen, Durchfall mit viel Blut oder Erbrechen, bei dem dein Hund nichts mehr bei sich behält

Die Universitätsklinik in Wien nennt dieselben Zeichen (Vetmeduni Wien, 2023). Und noch etwas ist wichtig: Verzögere die Fahrt nicht, um vorher alle Werte zu messen. Die Messung ist für ruhige Tage und die Zeit unterwegs gedacht, wenn jemand anderes fährt.

Die ersten Minuten sind entscheidend, wenn etwas passiert ist

Infografik mit fünf Karten zur Ersten Hilfe beim Hund: bei fehlender Atmung 30 Mal drücken und 2 Mal beatmen, Hitzschlag fließend an Rumpf und Bauch kühlen, Verbrennung mindestens 20 Minuten kühlen, beim Ersticken bis zu 5 Schläge auf den Rücken, bei starker Blutung bleibt die Abbindung bis zur Praxis

Auch ein sonst lieber Hund kann beißen, wenn er Schmerzen oder Angst hat. Deshalb kommt zuerst deine eigene Sicherheit, und das gilt für jede Maßnahme in diesem Artikel. Die Leitlinie sagt es bei jedem einzelnen Schritt: Ist das Risiko für dich zu hoch, lässt du es bleiben und fährst (Mandell et al., 2026).

  • Sichere die Stelle. Bring dich, andere und deinen Hund aus der Gefahrenzone, zum Beispiel von der Straße.
  • Näher dich ruhig. Sprich leise, bewege dich langsam und lass die Person, die dein Hund am besten kennt, bei ihm bleiben.
  • Sichere deinen Hund. Ein Maulkorb oder eine Maulschlaufe bieten dir Schutz, jedoch nicht bei Bewusstlosigkeit, Luftnot, Hitzschlag, Erbrechen oder Verletzungen am Fang. In diesen Fällen muss er frei Luft holen können.
  • Ruf die Praxis an, bevor du losfährst. Sag, wer du bist, um welchen Hund es geht, was passiert ist und wie es ihm jetzt geht. So kann das Team vor Ort alles vorbereiten.

Alle Telefonnummern, Angaben zu deinem Hund und Stichworte fürs Telefonat findest du auf meinem Notfallblatt für deinen Hund (PDF). Fülle es aus, solange es deinem Hund gut geht.

Bewusstlos und ohne normale Atemzüge: Wiederbelebung

Prüfe zuerst, ob dein Hund reagiert, wenn du ihn ansprichst und berührst. Reagiert er nicht und atmet er nicht normal, beginnst du innerhalb von zehn Sekunden mit der Herzdruckmassage. Du suchst nicht erst lange nach dem Pulsschlag und machst auch nicht zuerst die Atemwege frei. Das ist die wichtigste Änderung gegenüber den früher gelehrten Methoden (Mandell et al., 2026).

  • Rufe am besten über die Freisprechfunktion Hilfe, damit deine Hände frei bleiben.
  • Drücke 30 Mal kräftig auf die Brust, und zwar schnell und mit einer Frequenz von 100 bis 120 Mal in der Minute. Das entspricht in etwa dem Tempo von „Stayin‘ Alive“.
  • Gib zweimal Luft: Halte das Maul mit der Hand geschlossen, Kopf und Hals sollten in einer Linie mit dem Rücken liegen, und puste zweimal in die Nase, bis sich die Brust hebt. Für beide Atemzüge brauchst du nicht länger als fünf Sekunden.
  • Wechsel dich ab: 30 Mal drücken und zweimal beatmen, bis dein Hund wieder selbst Luft holt oder du in der Praxis bist. Wenn jemand dabei ist, der fahren kann, machst du im Auto weiter, sofern das sicher möglich ist.

Wenn dir die Beatmung zu riskant ist, zum Beispiel, weil dein Hund Gift aufgenommen hat, dann drückst du nur, ohne zu beatmen. Die Herzdruckmassage allein ist besser als gar nichts zu tun.

Wo genau du drückst, hängt von der Größe des Hundes und seinem Körperbau ab (Burkitt-Creedon et al., 2024):

  • Bei den meisten Hunden in Seitenlage legst du beide Hände übereinander auf die breiteste Stelle der Brust und drückst mit gestreckten Armen etwa ein Drittel bis die Hälfte der Brustkorbbreite ein.
  • Bei Hunden mit schmaler, tiefer Brust, wie Windhunden, drückst du direkt über dem Herzen, also hinter dem Ellbogen.
  • Bei Zwerghunden und Welpen umfasst du die Brust mit einer Hand und drückst mit Daumen und Fingern.

Wenn bei einem Menschen die Wiederbelebung durch Umstehende erfolgt, verdoppelt bis verdreifacht sich seine Überlebenschance, wie Studien an rund einer Million Menschen zeigen. Für Hunde gibt es solche Studien noch nicht, die Empfehlung wurde aus der Humanmedizin übertragen (Thawley et al., 2026). Übe die Herzdruckmassage nie an deinem wachen Hund. Das kann ihn verletzen. Ein Erste-Hilfe-Kurs für Hundehalter mit einer Übungspuppe ist der bessere Weg.

Stabile Seitenlage beim Hund: Wann ist sie richtig und wann nicht?

Ist dein Hund bewusstlos, aber er atmet normal, legst du ihn auf die Seite. Eine bestimmte Seite schreibt die Leitlinie nicht vor. Strecke den Kopf und den Hals gerade in Verlängerung des Rückens, öffne das Maul vorsichtig und entferne Erbrochenes, wenn du es ohne Gefahr erreichen kannst. Leg ihn möglichst auf eine Decke, damit er nicht auskühlt, und beobachte, ob er gleichmäßig Luft holt.

Früher hieß es oft, man solle bei Schock das Hinterteil hochlagern, den Kopf überstrecken und die Zunge herausziehen. Dafür gibt es jedoch keinen Beleg. Wenn dein Hund schwer Luft bekommt, ist die Seitenlage sogar falsch: Er bleibt auf der Brust liegen.

Dein Hund erstickt oder hat etwas verschluckt

Hustet und würgt dein Hund, bekommt aber Luft, lass ihn husten und fahre in die Praxis. Greif einem wachen Hund nicht ins Maul. Du kannst den Gegenstand tiefer schieben und wirst dabei leicht gebissen.

Bekommt er kaum oder gar keine Luft mehr, gilt laut Leitlinie folgende Reihenfolge (Mandell et al., 2026):

  • Bis zu fünf kräftige Rückenschläge mit der flachen Hand auf den oberen Rücken, direkt hinter den Schulterblättern, neben der Wirbelsäule.
  • Hilft das nicht, bringe den Kopf tiefer als den Körper, indem du beispielsweise einen Zwerghund an den Hinterläufen anhebst, und klopfe weiter kräftig auf den Rücken.
  • Danach kannst du versuchen, kräftigen Druck auf den Bauch direkt hinter den Rippen oder auf die Brust auszuüben. Bei kleinen und sehr schlanken Hunden ist Vorsicht geboten, da dies zu Verletzungen führen kann.

Wird dein Hund bewusstlos, beginnst du mit der Wiederbelebung: 30 Mal drücken, dann ins Maul schauen und einen sichtbaren Gegenstand innerhalb von zehn Sekunden herausnehmen. Wenn du blind tastest, schiebst du ihn tiefer. Danach zweimal beatmen und weitermachen. Jeder Hund, der so Hilfe gebraucht hat, muss anschließend sofort in die Praxis gebracht werden.

Steckt dagegen ein Stück Holz oder ein Knochen zwischen den Backenzähnen, kratzt der Hund mit der Pfote am Maul und speichelt, bekommt aber gut Luft, ist das kein Ersticken. Dann fährst du in die Praxis, wo der Gegenstand sicher entfernt wird.

Wenn du im Maul nichts findest, dein Hund aber würgt und hustet und sonst munter ist, kann auch Zwingerhusten dahinterstecken. Woran du den Unterschied erkennst, erfährst du in meinem Artikel über Zwingerhusten.

Starke Blutungen und Wunden

Starke Blutung

Bei starken Blutungen drückst du zuerst mit einer Kompresse, einem sauberen Tuch oder notfalls der Hand fest auf die Wunde und wickelst eine Binde fest darum. Dieser Druckverband bleibt bis zur Ankunft in der Praxis dran. Blutet es durch, legst du eine weitere Lage darüber, statt den ersten Verband abzunehmen.

Blutet ein Bein oder die Rute trotz Druckverband lebensbedrohlich weiter, darfst du laut Leitlinie abbinden (Mandell et al., 2026):

  • oberhalb der Wunde, also zwischen Wunde und Körper,
  • mit etwas Breitem (mindestens 5 cm), zum Beispiel einem Schal oder einer Krawatte,
  • nur so fest, bis die Blutung deutlich nachlässt.

Die Abbindung bleibt dran, bis die Praxis sie abnimmt. Die alte Regel, dass man nur zehn Minuten abbinden dürfe oder regelmäßig lockern müsse, gilt nicht mehr. Am Kopf, am Hals und am Rumpf wird nie abgebunden. Und das Drücken auf das zuführende Blutgefäß mit den Fingern hilft nach der Leitlinie wahrscheinlich nicht.

Bisswunden

Eine Bisswunde sieht von außen oft harmlos aus. Unter der Haut können jedoch Muskeln verletzt sein, und Keime können tief ins Gewebe gelangt sein. Bei zierlichen Hunden kann ein Biss in den Brustkorb sogar die Lunge verletzen. Deshalb gehört jede Bisswunde in die Praxis, auch eine kleine. Bis dahin spülst du die Wunde mit Wasser oder einer Wundspüllösung und deckst sie ab.

Schnitte und Verletzungen an der Pfote

Schnitte an Ballen und Zehen bluten oft stark. Leg einen gepolsterten Pfotenverband an: Dafür legst du Watte zwischen die Zehen, eine Kompresse auf die Wunde und darüber eine Binde sowie eine Socke oder einen Pfotenschuh. Ob genäht wird, entscheidet die Praxis. Die früher oft genannte feste Frist von sechs Stunden gilt in der Tiermedizin heute als überholt. Entscheidend sind die Verschmutzung und der Zustand der Wunde. Je früher die Praxis sie sieht, desto besser (AAHA, 2022).

Augenverletzung

Bei einer Augenverletzung fährst du immer sofort los. Halte deinen Hund davon ab, am Auge zu kratzen. Ist der Augapfel hervorgetreten, drücke nicht darauf und versuche nicht, ihn zurückzuschieben. Halte das Auge feucht, indem du ein sauberes, mit Wasser getränktes Tuch locker darauf legst, und fahre sofort los (Merck Manual). Steckt etwas im Auge, ziehe es nicht heraus.

Knochenbruch

Bei einem Knochenbruch hält dein Hund ein Bein hoch, es ist verformt, geschwollen oder schlenkert. Richte nichts und schiene nichts. Halte ihn ruhig, lass das Bein beim Tragen frei hängen und decke einen offenen Bruch locker mit einer feuchten, sauberen Kompresse ab. Bei Verdacht auf eine Verletzung am Rücken trägst du ihn auf einem Brett oder einer festen Unterlage.

Nasenbluten

Bei Nasenbluten hältst du deinen Hund ruhig, legst ein kühles Tuch auf den Nasenrücken und hältst nie die Nasenlöcher zu. Bei starkem oder wiederholtem Nasenbluten fahre in die Praxis.

Hitzschlag, Verbrennung und Unterkühlung

Hitzschlag

Frau kühlt ihre Boxerhündin im Schatten mit dem Gartenschlauch an Rumpf und Bauch, der Kopf bleibt trocken

Ein Hund mit Hitzschlag hechelt stark, ist unruhig oder taumelt, hat oft dunkelrotes Zahnfleisch und kann zusammenbrechen. Bring ihn sofort in den Schatten und kühl ihn noch vor der Fahrt (Mandell et al., 2026):

  • Kühle mit kühlem, fließendem Wasser den Rumpf und den Bauch, bis die Haut nass ist. Stehendes Wasser isoliert und bremst das Abkühlen. Das Gesicht sparst du aus. Nur die Pfoten zu kühlen, reicht nicht.
  • Tauche deinen Hund nicht in einen See oder eine Wanne. Er könnte ertrinken.

Hast du ein Thermometer dabei, hörst du bei 39,7 bis 40 °C auf. Ohne Thermometer kühlst du ihn etwa 15 Minuten lang, trocknest ihn anschließend ab und fährst sofort los, auch wenn er wieder munter wirkt. Ein Hitzschlag kann Organe schädigen, und das zeigt sich manchmal erst später. Wie man am besten kühlt, ist bei Hunden übrigens kaum untersucht. In zwei kleinen Studien mit 54 bzw. 42 Hunden starben die gekühlten Hunde seltener, die Unterschiede waren aber statistisch nicht signifikant (Thawley et al., 2026).

Verbrennung und Verätzung

Kühl eine Verbrennung mindestens 20 Minuten lang mit kühlem, fließendem Leitungswasser, am besten sofort und spätestens innerhalb von drei Stunden. Kühles Wasser ist besser als Eiswasser. Achte darauf, dass dein Hund dabei nicht auskühlt. Wenn du kein fließendes Wasser hast, nimm ein nasses Tuch oder ein Kühlpack in einem Tuch. Trage keine Salben auf und stich keine Blasen auf (Mandell et al., 2026).

Bei einer Verätzung durch Reiniger oder andere Chemikalien bürstest du das Pulver erst vorsichtig ab und spülst dann mindestens 15 Minuten lang mit Wasser nach. Zieh dabei Handschuhe an und schütze deine Augen. Danach solltest du in jedem Fall in die Praxis gehen.

Unterkühlung

Wenn dein Hund nach einem Bad im kalten Wasser oder nach einem langen Wintertag zittert, matt wird oder sich sonst unwohl verhält, trockne ihn ab, wickle ihn in eine Decke oder Rettungsdecke und bring ihn in einen warmen Raum. Wärme ihn langsam auf, nicht mit heißem Wasser oder einer Wärmflasche, die du direkt auf die Haut legst. Wenn er aufhört zu zittern und schläfrig wird, fahre in die Praxis.

Vergiftung

Hat dein Hund etwas Giftiges gefressen, rufe sofort in deiner Praxis oder beim Notdienst an, auch wenn er noch keine Anzeichen zeigt. Viele Gifte wirken verzögert, Rattengift zum Beispiel oft erst nach Tagen. Nimm die Verpackung, Reste oder ein Foto davon mit und schätze, wie viel er gefressen hat und wann das war.

Löse kein Erbrechen aus. Die Leitlinie rät davon ausdrücklich ab. Nur wenn keine Praxis schnell erreichbar ist und ein Tierarzt oder eine Giftinformationsstelle dir am Telefon dazu rät, kann es eine Ausnahme geben. Wasserstoffperoxid, das oft zum Auslösen von Erbrechen empfohlen wird, hat bei Hunden schon Magen und Darm verletzt (Thawley et al., 2026).

Gib keine Kohletabletten auf eigene Faust, denn Aktivkohle bindet nicht jedes Gift. Xylit zum Beispiel wird kaum gebunden. Wenn die Kohle beim Schlucken in die Luftröhre gerät, kann sie die Lunge schädigen (Caudill et al., 2019). Ob dein Hund Kohle bekommt und wie viel, entscheidet die Praxis. Auch Milch oder Öl solltest du nicht verabreichen.

In Deutschland beraten die Giftinformationszentren der Bundesländer auch bei Vergiftungen von Tieren (Deutsches Tierärzteblatt, 2015). Die Nummer für dein Bundesland findest du in der Liste des Bundesinstituts für Risikobewertung. Trage sie am besten gleich in dein Notfallblatt ein.

Zu den häufigen Gefahren im Haushalt zählen Rattengift, Mäuseköder, Schneckenkorn, Medikamente für Menschen, Frostschutzmittel, Schokolade, Rosinen und Weintrauben, Zwiebeln und Knoblauch sowie Xylit in zuckerfreien Süßigkeiten. Welche Gefahren an Weihnachten dazukommen, von Rosinen über Xylit bis zu Knopfzellen, liest du in meinem Artikel „Weihnachten mit Hund“.

Krampfanfall, Unterzuckerung und Magendrehung

Krampfanfall

Ein Krampfanfall geht mit Bewusstlosigkeit, versteiften oder zuckenden Muskeln, Speichelfluss und manchmal Kot- oder Urinabgang einher. So erschreckend das ist: Greif ihm nicht ins Maul und halte seine Beine nicht fest. Räum weg, woran er sich stoßen könnte, dämpfe Licht und Geräusche und filme den Anfall mit dem Handy. Das hilft der Praxis später sehr. War es der erste Anfall überhaupt, ruf noch am selben Tag in deiner Praxis an.

Du musst sofort los, wenn der Anfall länger als fünf Minuten dauert oder wenn mehrere Anfälle auftreten, ohne dass er dazwischen wieder zu sich kommt (ACVIM, 2023). Nach dem Anfall solltest du die Temperatur messen, denn lange Krämpfe können den Hund überhitzen.

Mögliche Ursachen sind Epilepsie, Vergiftungen, Unterzuckerung, Leber- oder Nierenerkrankungen oder Entzündungen im Gehirn, etwa nach einer Infektion durch eine Zecke. Welche Zeckenkrankheiten das Gehirn betreffen können, erkläre ich in meinem Artikel zu Zecken. Hat dein Hund Epilepsie und ein Notfallmedikament, verabreiche es genau so, wie es dir deine Praxis gezeigt hat.

Unterzuckerung

Eine Unterzuckerung betrifft vor allem Hunde mit Diabetes, sehr kleine Welpen und Hunde, die Xylit gefressen haben. Dein Hund wirkt dann schwach, zittert, taumelt oder ist verwirrt. Ist er bei Bewusstsein und krampft nicht, reibe ein wenig Honig oder Sirup innen an seine Backe, aber nur, wenn dies die Fahrt nicht verzögert. Während eines Krampfanfalls darfst du ihm nichts ins Maul geben (Mandell et al., 2026). Danach fährst du in die Praxis.

Magendrehung

Bei einer Magendrehung dreht sich der mit Gas gefüllte Magen um sich selbst. Das betrifft vor allem große Hunde mit tiefer Brust. Dein Hund ist unruhig, versucht immer wieder zu erbrechen, ohne dass etwas kommt, speichelt und sein Bauch wird dick und hart. Fahre beim ersten Verdacht sofort in eine Tierklinik und lasse jemand anderen anrufen, damit dort die Operation vorbereitet werden kann. Je länger es bis zur Klinik dauert, desto schlechter sind die Überlebenschancen (Acta Vet Brno, 2005). Gib ihm nichts zu fressen und versuche nichts selbst.

Allergische Reaktion nach einem Insektenstich

Nach einem Wespen- oder Bienenstich schwellen die Lefzen oder die Augenlider oft an, manchmal kommen Quaddeln dazu. Zieh einen sichtbaren Stachel heraus und kühle die Stelle. Für eine solche einfache allergische Reaktion empfiehlt die Leitlinie ein Mittel gegen Allergien zum Eingeben, das deine Praxis vorher für deinen Hund festlegt. Gib es aber nicht, wenn dein Hund schlecht Luft bekommt oder du dabei gebissen werden könntest (Burkitt-Creedon et al., 2026).

Sofort los musst du bei einem Stich in Maul oder Rachen, bei Luftnot, Erbrechen, plötzlichem Durchfall, Schwäche, blassem Zahnfleisch oder Zusammenbruch. Das kann ein allergischer Schock sein. Wenn dein Hund schon einmal einen allergischen Schock hatte, kann deine Praxis dir eine fertige Adrenalinspritze mitgeben und zeigen, wie du sie setzt.

Schock erkennen

Ein Schock bedeutet, dass die Sauerstoffversorgung des Körpers nicht mehr ausreicht, weil der Kreislauf die Organe nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt. Ein Schock kann nach Unfällen, starkem Blutverlust, einer Magendrehung, einem Hitzschlag, einer Vergiftung oder einer schweren allergischen Reaktion entstehen. Du erkennst einen Schock an einer Rückfüllzeit von über zwei Sekunden, an blasser oder bläulicher Schleimhaut, einem schnellen, schwachen Pulsschlag, schnellen, flachen Atemzügen, kalten Pfoten und Ohren sowie Schwäche bis hin zur Bewusstlosigkeit.

Halte deinen Hund warm und ruhig, bewege ihn so wenig wie möglich und fahre sofort los. Ein Schock geht nicht von allein vorbei.

Wenn dein Hund chronisch krank ist

Lebt dein Hund mit einer Erkrankung wie Epilepsie, Diabetes, einer Herz- oder Nebennierenerkrankung oder einer chronischen Darmentzündung, lohnt sich ein eigener Notfallplan, den du mit deiner Tierarztpraxis besprichst. Darin steht, welche Medikamente er bekommt, welche du ihm in einer akuten Krise geben darfst und ab wann eine Verschlechterung nicht mehr als gewöhnlicher Schub eingestuft werden kann.

Gerade bei Magen und Darm ist das nicht immer leicht zu erkennen. Ein weicher Haufen bei einem sonst munteren Hund ist kein Grund zur Eile. Anders ist es bei Durchfall mit viel Blut und einem schlappen Hund, bei schwarzem, teerartigem Kot, bei Erbrechen, bei dem dein Hund auch kein Wasser mehr bei sich behält, oder wenn er Spielzeug oder Socken verschluckt hat und danach erbricht. Dann fährst du sofort zum Tierarzt, statt abzuwarten. Welche weiteren Zeichen bei Durchfall auf einen Tierarztbesuch hinweisen, erfährst du in meinem Artikel über Durchfall. Wie eine chronische Darmentzündung verläuft, erfährst du in meinem Artikel über IBD.

Der Transport zur tierärztlichen Praxis

Fahre nach Möglichkeit nicht allein. Eine zweite Person kümmert sich dann nur um deinen Hund und achtet unterwegs auf Puls und Atmung. Zwerghunde und Welpen trägst du in einer Box, große Hunde auf einer Decke oder Jacke, die zwei Menschen an den Ecken halten. Die verletzte Seite liegt oben. Bei Verdacht auf eine Verletzung am Rücken nimmst du eine feste Unterlage. Bekommt der Hund schwer Luft, lässt du ihn auf der Brust liegen und fährst ruhig.

Und auch wenn es eilt: Fahre so, dass ihr beide sicher ankommt.

Übe die Handgriffe, solange dein Hund gesund ist

Frau gibt ihrer Boxerhündin ein Leckerchen durch den Maulkorb, die Hündin wedelt entspannt

Wie gut die Hilfe gelingt, wenn es darauf ankommt, entscheidet sich an den ruhigen Tagen davor. Als Hundetrainerin kann ich dir nur raten: Übe die Handgriffe in kleinen Schritten und mit Belohnung, bis dein Hund sie gern mitmacht.

  • den Pulsschlag am Oberschenkel fühlen
  • die Lefze anheben und auf das Zahnfleisch drücken
  • die Temperatur messen
  • die Pfoten halten und einen Verband dulden
  • einen Maulkorb tragen, der vorher positiv aufgebaut wurde
  • sich auf einer Decke tragen lassen

Ein Hund, der das kennt, bleibt dann ruhiger, und du auch. Trage dabei gleich jeden Normalwert, den du bei ihm misst, in das Messblatt oder dein Hundetagebuch ein. Viele Tierarztpraxen und Hundeschulen bieten außerdem Erste-Hilfe-Kurse für Hundehalter an, in denen du Verbände und die Herzdruckmassage an einer Übungspuppe übst.

Das gehört in deine Erste-Hilfe-Tasche

Frau packt eine Erste-Hilfe-Tasche für ihren Boxer mit Binden, Kompressen, Thermometer, Rettungsdecke, Tuch und Maulkorb

Eine Tasche mit dem Nötigsten hat einen festen Platz zu Hause, und alle in der Familie wissen, wo sie steht:

  • Notfallblatt mit Telefonnummern und den Angaben zu deinem Hund
  • digitales Fieberthermometer
  • sterile Kompressen, Polsterwatte, Mullbinden und selbsthaftende Binde
  • ein breites Tuch oder Schal zum Abbinden
  • Wundspüllösung, Einmalhandschuhe, Schere mit abgerundeter Spitze, Pinzette, Zeckenzange
  • Pfotenschuh oder Socke, Kühlkissen, Rettungsdecke
  • Maulkorb oder Maulschlaufe, Ersatzleine, kleine Taschenlampe
  • bei Bedarf die Notfallmedikamente, die deine Praxis für deinen Hund festgelegt hat

Was nicht hineingehört: Wasserstoffperoxid, Kohletabletten oder andere Mittel, die du ohne Anweisung geben würdest. Prüfe die Tasche alle sechs Monate und fülle auf, was du verbraucht hast.

Häufig gestellte Fragen

Ist eine niedrige Herzfrequenz bei Hunden normal?

Oft ja. Im Schlaf und in tiefer Entspannung arbeitet das Herz langsamer, und beim Ausatmen wird der Pulsschlag zusätzlich etwas langsamer. Bedenklich ist eine niedrige Herzfrequenz jedoch, wenn sie deutlich unter seinem üblichen Wert liegt und er dazu schwach ist, wackelt oder umfällt.

Ist ein Puls von 100 normal?

Ja, ein Wert von 100 in Ruhe gehört für die meisten Hunde zum normalen Bereich von 70 bis 120. Bei einem Zwerghund ist er ganz normal, bei einem großen, tief schlafenden Hund eher hoch. Entscheidend ist der Vergleich mit den eigenen Werten.

Wie hört sich Herzhusten an?

Viele Hunde mit einer Herzklappenerkrankung husten. Der Husten selbst kommt aber meist aus den Atemwegen, etwa weil ein vergrößertes Herz auf die Bronchien drückt. Ein Husten ohne schnelles oder angestrengtes Luftholen spricht nicht für eine Herzschwäche (Ferasin, 2022). Aussagekräftiger ist die Zahl der Atemzüge im Schlaf. Wenn dein Hund neu oder anders als sonst hustet, lass es in der Praxis abklären. Für Hunde mit einem Herzgeräusch sind regelmäßige tierärztliche Untersuchungen ohnehin wichtig, und die Behandlung von Herzproblemen richtet sich nach der genauen Ursache.

Wie kündigt sich ein Schlaganfall an?

Meist gar nicht, er kommt plötzlich. Typische Symptome sind ein schief gehaltener Kopf, Taumeln, Kreisen, Augenzittern oder eine Schwäche auf einer Körperseite. Dieselben Zeichen zeigt auch das bei älteren Hunden häufigere Vestibularsyndrom, eine Störung des Gleichgewichtsorgans. Das kann nur eine neurologische Untersuchung klären (MSPCA Angell). Bei solchen Zeichen solltest du noch am selben Tag in die Praxis fahren.

Wie lange dauert ein Schock?

Ein Schock hat keine feste Dauer und geht nicht von allein vorbei. Ohne Behandlung verschlechtert er sich, bis die Organe Schaden nehmen. Deshalb solltest du bei Schockzeichen sofort losfahren.

Wie schnell atmet ein Hund?

In Ruhe 18 bis 34 Atemzüge in der Minute, im Schlaf meist deutlich weniger, im Mittel etwa 13.

Mein Hund atmet schnell und hat heiße Ohren. Hat er Fieber?

Heiße Ohren allein sagen wenig aus, denn sie werden auch nach dem Spielen oder in der Sonne warm. Miss die Temperatur im After. Liegt sie in Ruhe über 39,2 °C, rufe deine Praxis an. Wenn er dazu noch schwer Luft bekommt, bei Hitze gelaufen ist oder taumelt, denke an einen Hitzschlag und beginne sofort mit dem Kühlen.

Kann ich diese Handgriffe in einem Kurs lernen?

Ja. Viele Tierarztpraxen, Tierkliniken und Hundeschulen bieten solche Kurse an. Dort übst du Verbände und die Herzdruckmassage an einer Übungspuppe, nie an deinem eigenen Hund.

Wenn du dir mehr Sicherheit wünschst, kontaktiere mich gerne

Manchmal steckt hinter solchen Fragen etwas Größeres: ein Hund, der schon lange immer wieder Beschwerden hat, bei dem jede Verschlechterung Angst macht und bei dem du nie genau weißt, wann du mit ihm zum Tierarzt fahren musst.

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Dieser Artikel gibt dir Orientierung für die ersten Minuten. Er ersetzt jedoch keine tierärztliche Untersuchung und keinen Erste-Hilfe-Kurs. Wenn es deinem Hund schlecht geht, ist der Weg zum Tierarzt immer der richtige.

Quellen

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