INHALTSVERZEICHNIS
Das Wichtigste in Kürze
- IBD beim Hund ist eine chronische Darmentzündung. Die Tiermedizin spricht heute lieber von einer chronischen entzündlichen Enteropathie, weil sich hinter dem Begriff ganz unterschiedliche Verläufe verbergen.
- IBD wird erst diagnostiziert, wenn andere Ursachen ausgeschlossen sind, zum Beispiel Parasiten, die Bauchspeicheldrüse oder Morbus Addison.
- Die Behandlung beginnt beim Futter. Etwa jeder zweite erkrankte Hund spricht auf die richtige Ernährung an und bleibt damit oft über Jahre beschwerdefrei.
- Ein Futterversuch ist kein Futterwechsel: mindestens zwei Wochen ausschließlich ein Futter. Hilft es nicht, folgen weitere Versuche, mindestens drei, bevor man das Futter als Weg aufgibt. Was hilft, bleibt mindestens zwölf Wochen.
- Antibiotika gehören nicht mehr an den Anfang, Kortison kommt dazu, wenn das Futter allein nicht reicht.
Dein Hund hat seit Monaten immer wieder Durchfall, mal ist es besser, dann kommt der nächste Schub. Ihr wart beim Tierarzt, es gab Blut- und Kotuntersuchungen, vielleicht schon zwei oder drei verschiedene Futtersorten, und jetzt steht ein Wort im Raum: IBD. Und wenn du danach suchst, liest du fast überall denselben Satz: nicht heilbar.
Vielleicht denkst du gerade: „Dann haben wir also verloren, bevor es richtig losgeht.“ Diesen Gedanken kenne ich von vielen Halterinnen, die zu mir kommen, und er ist verständlich. Er stimmt aber so nicht mehr. Seit Anfang 2026 gibt es eine neue internationale Leitlinie zur IBD beim Hund, und sie verschiebt einiges: was die Diagnose eigentlich bedeutet, womit die Behandlung beginnt und wie die Aussichten sind.
In diesem Artikel erfährst du, was IBD beim Hund ist, an welchen Symptomen du sie erkennst, wie die Diagnose gestellt wird, warum das Futter heute an erster Stelle steht und was du tun kannst, wenn die Beschwerden trotz Behandlung wiederkommen.
Was ist IBD beim Hund (Inflammatory Bowel Disease)?
IBD steht für Inflammatory Bowel Disease, auf Deutsch chronisch entzündliche Darmerkrankung. IBD ist eine chronische Erkrankung, die bei jedem Hund anders verläuft. Gemeint ist eine Entzündung der Darmschleimhaut, die über Wochen bestehen bleibt oder immer wiederkommt. Sie kann den Dünndarm betreffen, den Dickdarm oder beide, manchmal auch den Magen.
Lange wurde die IBD des Hundes mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa beim Menschen verglichen. Das tut die Tiermedizin heute nicht mehr. Die Leitlinie der amerikanischen Fachgesellschaft für Innere Veterinärmedizin (ACVIM) von 2026 rät sogar, den Begriff IBD möglichst zu vermeiden, und spricht stattdessen von einer chronischen entzündlichen Enteropathie, kurz CIE (Heilmann et al., 2026). Enteropathie heißt einfach Darmerkrankung.
Ich bleibe in diesem Artikel bei IBD, weil du das Wort von deiner Tierärztin kennst und danach suchst. Wichtig ist aber, was hinter dem neuen Begriff steckt: IBD ist keine einzelne Krankheit mit einem festen Verlauf, sondern ein Sammelbegriff. Zwei Hunde mit derselben Diagnose können sich völlig unterschiedlich entwickeln. Der eine wird mit dem richtigen Futter beschwerdefrei, der andere braucht zusätzlich Medikamente, und bei einem dritten muss die Diagnose später noch einmal überprüft werden.
Danach richtet sich auch die heutige Einteilung. Sie fragt nicht zuerst, wie die Darmschleimhaut aussieht, sondern worauf dein Hund anspricht: auf das Futter, auf entzündungshemmende Medikamente oder trotz allem nur unzureichend. Eine schwere Sonderform ist die Eiweißverlust-Enteropathie, bei der der Hund über den Darm Eiweiß verliert. Sie gehört immer in engmaschige tierärztliche Betreuung.
Symptome von IBD: woran du eine chronische Darmentzündung beim Hund erkennst
Zu den typischen Symptomen der IBD beim Hund gehören Durchfall und Erbrechen, die über Wochen immer wiederkommen. Viele Halterinnen erzählen mir außerdem von Phasen, in denen alles gut aussieht, und dann geht es plötzlich wieder los.
Diese Symptome können auf eine IBD hindeuten:
- wiederkehrender oder anhaltender Durchfall, manchmal mit Schleim oder etwas frischem Blut
- häufiger Kotabsatz, oft dringend, auch nachts
- wiederholtes Erbrechen, nicht selten gelblich und schleimig
- laute Darmgeräusche, Blähungen und Bauchschmerzen
- wechselnder Appetit, Fressunlust oder Heißhunger
- Gewichtsverlust und Abbau von Muskulatur, oft zuerst an den Hinterbeinen
- dünneres, stumpferes Fell
- Müdigkeit, Unruhe und ein Hund, der schneller gestresst wirkt als früher
Nicht jeder Hund zeigt alle Symptome, oft ist es über lange Zeit nur eines davon. Achte deshalb darauf, dass dein Hund nicht schleichend abbaut. Wie der Kot aussieht, hängt auch davon ab, wo im Darm es nicht rund läuft. Beschwerden aus dem Dünndarm zeigen sich eher mit großen Kotmengen und Gewichtsverlust, Beschwerden aus dem Dickdarm eher mit häufigem Drang, kleinen Mengen und Schleim. Die Unterschiede habe ich in meinem Artikel zur Schonkost in einer Tabelle gegenübergestellt.
Auch Schmatzen, Grasfressen oder das Ablecken von Boden und Pfoten kommen bei Hunden mit Magen-Darm-Erkrankungen vor. Allein beweisen diese Zeichen aber nichts, weder eine IBD noch Sodbrennen. Warum das so ist, erkläre ich in meinem Artikel zu Sodbrennen beim Hund.
Gewicht und Muskulatur: das Symptom, das oft übersehen wird
Die neue Leitlinie empfiehlt, bei jedem Hund mit Verdacht auf IBD nicht nur das Gewicht zu prüfen, sondern auch den Ernährungszustand und die Muskulatur (Heilmann et al., 2026). Ein Hund kann Muskeln verlieren, während die Waage fast gleich bleibt. Wie du das mit den Händen selbst einschätzen kannst, zeige ich dir in meinem Artikel zu Untergewicht beim Hund. Für die Behandlung ist das wichtiger, als es klingt: Hunde, die stark abbauen, haben schlechtere Aussichten und brauchen früher mehr Unterstützung.
Was passiert bei einem Schub?
IBD verläuft bei vielen Hunden in Schüben. Dazwischen kann dein Hund wochenlang völlig gesund wirken. Gerade dieses Auf und Ab macht es so schwer, einen Zusammenhang zu erkennen, und genau deshalb lohnt es sich, den Verlauf aufzuschreiben. Was du dabei festhalten kannst, findest du in meinem Artikel zum Hundetagebuch.
Ursachen von IBD: wie entsteht IBD bei Hunden?
Die genaue Ursache von IBD ist bis heute nicht geklärt, und die Entstehung der IBD ist noch nicht vollständig erforscht. Sicher ist, dass mehrere Dinge zusammenkommen, und dass sie sich gegenseitig beeinflussen:
- das Immunsystem der Darmschleimhaut, das auf eigentlich harmlose Reize zu stark reagiert und die Entzündung am Laufen hält
- die Darmflora, die bei vielen betroffenen Hunden verändert ist
- das Futter, auf das der Darm bei einem Teil der Hunde mit Entzündung reagiert
- die genetische Veranlagung, denn manche Rassen erkranken auffällig häufiger, zum Beispiel der Deutsche Schäferhund, der Boxer, der Irish Setter oder der Basenji
Bei der Darmflora lohnt sich ein genauerer Blick, weil hier oft zu schnell ein Schluss gezogen wird. Ja, die Darmflora bei IBD ist häufig verändert. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass die Bakterien eine IBD auslösen. Es kann genauso gut umgekehrt sein: Eine entzündete Schleimhaut verändert die Umgebung, in der die Bakterien leben. In einer Studie mit 29 Hunden ging die Besserung unter einer Diät mit einer veränderten Darmflora einher, das Futter hat also auch die Bakterien verändert (Wang et al., 2019). Mehr dazu liest du ab dem 10. November in meinem Artikel zur Dysbiose beim Hund.
Spielt Stress bei IBD eine Rolle?
Aus meiner Arbeit als Hundetrainerin und Tierheilpraktikerin weiß ich, wie eng Darm und Kopf zusammenhängen. Viele betroffene Hunde sind sensibel, schreckhaft oder schnell überfordert, und in stressigen Phasen kommen die Schübe häufiger. Wie Stress über das Hormon Cortisol auf den Darm wirkt, erkläre ich in meinem Artikel zu Stress und Darmgesundheit.
Trotzdem würde ich hier vorsichtig sein: Ein Hund, der Bauchschmerzen hat, ist auch unruhiger und schreckhafter. Was zuerst da war, lässt sich von außen oft nicht sagen. Deshalb schaue ich mir immer beides an, den Alltag und den Bauch, und erkläre eine IBD nicht zur Kopfsache.
Diagnose von IBD: wie der Tierarzt eine IBD beim Hund feststellt
IBD ist eine Ausschlussdiagnose. Bevor die Diagnose IBD beim Hund gestellt wird, müssen andere Ursachen für chronischen Durchfall und Erbrechen ausgeschlossen sein. Dazu gehören vor allem:
- Parasiten wie Giardien oder Würmer
- die Bauchspeicheldrüse, also eine Entzündung oder eine Schwäche bei der Bildung von Verdauungsenzymen
- Morbus Addison, eine Erkrankung der Nebennieren, die Magen-Darm-Beschwerden täuschend echt nachahmen kann. Die Leitlinie empfiehlt dafür ausdrücklich die Bestimmung des Cortisolwerts (Heilmann et al., 2026).
- Erkrankungen von Leber oder Nieren
- eine Futtermittelunverträglichkeit oder -allergie
Welche Untersuchungen sind sinnvoll?
Blut: Einen einzelnen Blutwert, der IBD beweist, gibt es nicht. Einige Werte sind aber wichtig. Ein niedriges Albumin, ein Bluteiweiß, kann auf einen Eiweißverlust über den Darm hinweisen. Ein niedriges Vitamin B12 zeigt, dass der Darm Nährstoffe schlechter aufnimmt. Es wird dann gezielt ergänzt. Dazu kommen Entzündungswerte und die Werte der Bauchspeicheldrüse.
Kotuntersuchung: Sie schließt vor allem Parasiten aus. Der Entzündungsmarker Calprotectin kann zeigen, wie stark die Darmschleimhaut gereizt ist, spezifisch für IBD ist er aber nicht. Was die einzelnen Kotwerte aussagen können und was nicht, erkläre ich ab dem 3. November in meinem Artikel zu Zonulin und Calprotectin, und wie du eine Kotprobe richtig einsammelst, ab dem 27. Oktober in meinem Artikel zur Kotprobe beim Hund. Auch eine Untersuchung der Kotflora stellt keine IBD fest. Sie zeigt aber, wie es um das Gleichgewicht im Darm steht, und das kann für die Begleitung wichtig sein.
Ultraschall: Mit dem Ultraschall werden Darmwand, Lymphknoten und die übrigen Bauchorgane beurteilt. Ein unauffälliger Befund schließt eine chronische Entzündung allerdings nicht aus.
Darmspiegelung mit Gewebeproben: Die Endoskopie zeigt die Schleimhaut von innen, und die entnommenen Gewebeproben werden im Labor untersucht. Nötig wird sie vor allem, wenn dein Hund schwer krank ist oder wenn mehrere sorgfältige Futterversuche nicht geholfen haben. Sinnvoll ist sie nach Möglichkeit, bevor Kortison eingesetzt wird, weil die Gewebeproben andere Erkrankungen wie einen Tumor ausschließen können.
Warum ein Befund noch keinen Behandlungsplan ergibt
Das ist für viele Halterinnen der überraschendste Punkt. Steht im Befund zum Beispiel eine „lymphoplasmazelluläre Enteritis“, dann beschreibt das, wie die Entzündung im Gewebe aussieht. Welche die richtige Behandlung ist, steht darin nicht. In einer Untersuchung von 54 erkrankten Hunden konnten weder die Bakterien an der Darmschleimhaut noch der Gewebebefund vorhersagen, wie die Hunde auf die Behandlung ansprechen würden (Queiroz-Machado et al., 2025). Entscheidend ist am Ende, wie dein Hund reagiert, und das zeigt sich erst im Verlauf.
Behandlung der IBD: warum das Futter an erster Stelle steht

Die größte Veränderung der letzten Jahre betrifft die Reihenfolge. Früher wurde eine IBD oft gleich mit Antibiotika oder Kortison behandelt. Die Leitlinie von 2026 stellt dagegen die richtige Ernährung an den Anfang und ordnet alle weiteren Maßnahmen als Ergänzung ein. Bei einem Hund, dem es dafür gut genug geht, ist das Futter der erste Behandlungsschritt (Heilmann et al., 2026).
Wie gut das funktioniert, hängt von der Diätform ab. Für Futter mit aufgespaltenem Eiweiß, sogenannte hydrolysierte Diäten, werden Remissionsraten von 64 bis 89 Prozent berichtet, für eine für den Hund neue Eiweißquelle je nach Studie 38 bis 60 Prozent (Heilmann et al., 2026). Hunde mit hydrolysiertem Futter blieben in einer anderen Studie auch auf längere Sicht häufiger beschwerdefrei als mit einem Vergleichsfutter (Mandigers et al., 2010). In einer Studie mit 29 Hunden waren nach zwei Wochen hydrolysierter Diät 20 Hunde beschwerdefrei (Wang et al., 2019).

Ein Futterversuch ist kein Futterwechsel
Hier liegt der Unterschied, der bei vielen Hunden über den Erfolg entscheidet. Viele Halterinnen, die zu mir kommen, haben schon fünf, sechs Futtersorten hinter sich, jede für ein paar Tage, oft mit Leckerlis und Kauartikeln nebenher. Das ist kein Vorwurf, das ist die verständliche Suche nach etwas, das endlich hilft. Aber es ist kein Futterversuch.
Die Leitlinie beschreibt einen Futterversuch so:
- Mindestens zwei Wochen ausschließlich ein Futter. Keine Leckerlis, keine Kauartikel, keine Reste vom Tisch, nichts nebenher, denn schon kleine Mengen können das Ergebnis verfälschen.
- Hilft das Futter nicht, folgen weitere Versuche mit einem anderen Ernährungskonzept. Erst nach mindestens drei Versuchen verwirft man die Fütterung als Weg.
- Ein Futter, das hilft, bleibt mindestens zwölf Wochen, bevor man überhaupt über einen Wechsel nachdenkt (Heilmann et al., 2026).
Zwei Wochen konsequent sind deshalb aussagekräftiger als fünf Futterwechsel in drei Monaten. Und es lohnt sich durchzuhalten: In einer Studie sprachen 19 von 23 Hunden schon auf die erste Diät an. Die vier Hunde, bei denen sie nicht half, bekamen eine andere Diät, und von den 18 Hunden, die nach einem halben Jahr noch begleitet wurden, waren alle beschwerdefrei (Simpson et al., 2023). Welche der drei getesteten Diäten es war, machte dabei keinen erkennbaren Unterschied. Es muss also nicht das Futter mit den meisten Zusätzen sein, sondern eines, das zu deinem Hund passt und das du konsequent füttern kannst.
Die richtige Ernährung: was darf ein Hund mit IBD fressen?
Welches Futter passt, hängt davon ab, was dein Hund bisher gefressen hat und was er verträgt. Infrage kommen vor allem zwei Wege: ein hydrolysiertes Futter, bei dem das Eiweiß, also das Protein, so klein aufgespalten ist, dass das Immunsystem es kaum noch als fremd erkennt, oder ein Futter mit einer Eiweißquelle, die dein Hund noch nie bekommen hat. Auch selbst gekochtes Futter ist möglich, wenn es vollständig berechnet ist und deinen Hund mit allem versorgt, was er braucht.
Wie so ein Ausschluss Schritt für Schritt abläuft, liest du in meinem Artikel zur Eliminationsdiät. Ein Rezept oder eine Futtermarke nenne ich dir hier bewusst nicht, denn welches Futter deinem Hund hilft, lässt sich nur mit seiner Vorgeschichte entscheiden.
Antibiotika, Kortison und Co.: was die Medikamente leisten
Antibiotika wie Metronidazol oder Tylosin gehören nicht mehr an den Anfang. Die Leitlinie rät ausdrücklich davon ab, sie bei Verdacht auf IBD einfach auszuprobieren (Heilmann et al., 2026). Sie verbessern die Beschwerden oft nur so lange, wie sie gegeben werden, und sie verändern die Darmflora über lange Zeit. Wie sich die Darmflora nach einer Antibiotikagabe erholt, liest du in meinem Artikel zur Darmflora nach Antibiotika.
Kortison, zum Beispiel Prednisolon, bleibt ein wichtiges Medikament. Es kommt dann infrage, wenn mehrere Futterversuche nicht gereicht haben oder wenn ein Hund von Anfang an schwer krank ist. Budesonid wird oft als schonendere Variante beschrieben. Im direkten Vergleich mit klassischem Kortison hatte es aber nicht weniger Nebenwirkungen (Heilmann et al., 2026). Welches Medikament in welcher Menge passt, entscheidet immer deine Tierärztin.
Vitamin B12 wird ergänzt, wenn der Blutwert zu niedrig ist.
Probiotika, Kräuter, CBD: was ergänzend sinnvoll ist
Bei IBD wird viel angeboten: Probiotika, Kräuter, Heilpilze, Huminsäuren, Zeolith, Kurkuma, CBD-Öl. Ich weiß, wie verlockend das ist, wenn man endlich seinem Hund helfen möchte. Die Leitlinie bewertet Probiotika und Präbiotika als mögliche Ergänzung, aber mit begrenzter Studienlage, und die Ergebnisse eines Produkts lassen sich nicht auf ein anderes übertragen (Heilmann et al., 2026). Für die meisten anderen Mittel gibt es keine Studie zur Therapie von IBD beim Hund. Zu CBD habe ich in der Fachliteratur keine einzige Untersuchung gefunden.
Das heißt nicht, dass ergänzende Mittel grundsätzlich nutzlos sind. Es heißt, dass sie gezielt eingesetzt werden müssen, eins nach dem anderen und in der richtigen Reihenfolge, und nicht alle gleichzeitig. Gibst du fünf Dinge auf einmal, weißt du hinterher nicht, was geholfen hat, und vielleicht hat eines davon sogar geschadet. Deshalb findest du hier keine Liste mit Dosierungen. Was bei deinem Hund sinnvoll ist, gehört in eine Begleitung, die seine Befunde kennt.
Lässt sich IBD heilen? Lebenserwartung und Aussichten
Lange galt IBD als nicht heilbar, und so steht es auch heute noch auf vielen Seiten. Die Antwort hat sich aber verschoben. Bei einem großen Teil der Hunde reagiert die Erkrankung so gut auf die richtige Fütterung, dass sie über Jahre beschwerdefrei bleiben und eine gute Lebensqualität haben.
In einer britischen Langzeituntersuchung an 60 erkrankten Hunden war knapp die Hälfte futterresponsiv, sprach also auf das Futter an. 89,7 Prozent dieser Hunde wurden beschwerdefrei, und in dieser Gruppe starb über eine mittlere Beobachtungszeit von 1.258 Tagen kein einziger Hund an seiner Darmerkrankung (Caulfield et al., 2026). Ehrlich dazu gehört: Hunde mit stark erniedrigtem Eiweißwert im Blut waren in dieser Untersuchung nicht dabei. Für schwerer betroffene Hunde sind die Aussichten zurückhaltender.
Wie lange ein Hund mit IBD leben kann und ob es ihm dauerhaft besser geht, hängt deshalb vor allem davon ab,
- wie krank er zu Beginn der Behandlung ist,
- ob er Eiweiß über den Darm verliert,
- ob er Gewicht und Muskulatur abbaut,
- und wie er auf Futter und Medikamente anspricht.
Für dich heißt das: Es lohnt sich, früh und gründlich nach dem richtigen Futter zu suchen, statt sich mit der Vorstellung abzufinden, dass ohnehin nichts mehr geht.
Wenn der Durchfall wiederkommt: was tun bei einem Rückfall?
Dein Hund war wochenlang stabil, und plötzlich ist der Durchfall wieder da. Das ist für fast jede Halterin ein Schreckmoment, und der erste Impuls ist, sofort etwas zu ändern: anderes Futter, ein Probiotikum dazu, Schonkost, das alte Mittel wieder hervorholen.
Ich verstehe diesen Impuls gut. Aber gerade jetzt hilft dir Ruhe mehr als Aktion. Ein Rückfall heißt nicht, dass alles umsonst war. Er ist eine wichtige Information, und die geht verloren, wenn du vier Dinge gleichzeitig änderst.
So würde ich vorgehen:
- Prüfe zuerst, ob dein Hund in die Praxis gehört. Die Ampel unten hilft dir dabei.
- Schau zurück, was sich verändert hat. Gab es neue Leckerlis, einen Kauartikel, ein Medikament, eine Infektion, Besuch, eine Reise, eine Läufigkeit?
- Ändere nichts auf eigene Faust, was mit deiner Tierärztin vereinbart ist, weder das Futter noch die Medikamente.
- Schreib auf, was du siehst: Kotabsatz, Erbrechen, Appetit, Gewicht, Stimmung.
Und manchmal ist der Rückfall gar kein Rückfall, sondern eine zweite Erkrankung, die zur IBD dazugekommen ist. Auch deshalb gehört ein Schub, der nicht nach wenigen Tagen abklingt, angeschaut.
Wann muss dein Hund zum Tierarzt?
Grün: Verlauf beobachten, wenn dein Hund munter ist, frisst und trinkt, der Kot nur vorübergehend weicher ist und er kein Gewicht verliert. Bleib bei der vereinbarten Fütterung und schreib die Veränderung auf. Kommt das wiederholt vor, vereinbare eine Kontrolle.
Gelb: zeitnah abklären lassen, wenn Durchfall oder Erbrechen wiederkehren, dein Hund schlechter frisst oder abnimmt, Schleim oder etwas frisches Blut auf dem Stuhl ist oder sich die Beschwerden unter der bisherigen Behandlung verschlechtern.
Rot: sofort in die Praxis oder zum Notdienst, wenn dein Hund apathisch ist, nicht ausreichend trinkt oder zusammenbricht, wiederholt erbricht und nichts trinken kann, starke Bauchschmerzen hat, Fieber hat, größere Mengen Blut oder schwarzen, teerartigen Kot absetzt oder sein Bauch rasch dicker wird.
Bei Welpen, kleinen Hunden und Hunden mit anderen ernsten Erkrankungen kann es schneller kritisch werden. Hol dir hier lieber früher Rat.
Wie du deinen Hund mit IBD langfristig begleitest
Wenn dein Hund stabil ist, beginnt eine neue Phase, und mit ihr kommen neue Fragen. Darf er wieder etwas anderes fressen? Woran erkenne ich, dass es ihm wirklich gut geht?
Ob ein Hund besser wird, zeigt sich nicht nur am Kot. Ein schöner, geformter Haufen ist ein gutes Zeichen, aber er ist nicht alles. Achte auch darauf, ob dein Hund Gewicht und Muskulatur hält, ob er gern frisst, ob er Energie hat und wieder Freude am Spaziergang zeigt. Das sind die Dinge, an denen sich eine gute Behandlung messen lässt.
Das Futter, das geholfen hat, bleibt mindestens zwölf Wochen. Ob und wann danach ein Wechsel möglich ist, ist von Hund zu Hund verschieden und gehört geplant, nicht ausprobiert. Und du musst nicht jeden Tag neu entscheiden, ob alles richtig ist. Ein Tagebuch mit ein paar Stichworten am Tag reicht, um im Blick zu behalten, wohin der Weg geht.
Wenn du dir unsicher bist, ob sich der Darm deines Hundes nach der Behandlung gut regeneriert hat oder ob er mehr Unterstützung braucht, kann mein kostenloses Quiz ein hilfreicher erster Schritt sein.
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Häufige Fragen zu IBD bei Hunden
Ist IBD dasselbe wie eine Futtermittelallergie?
Nicht ganz, aber die Übergänge sind fließend. Geht es einem Hund unter einer gezielten Diät besser, spricht man von einer futterabhängigen Form. Ob dahinter wirklich eine Allergie steckt, lässt sich oft nicht sicher sagen, und für die Behandlung ist das zunächst auch nicht entscheidend. Wichtig ist, dass dein Hund unter dem Futter stabil wird.
Muss mein Hund für die Diagnose gespiegelt werden?
Nicht immer und nicht als Erstes. Bei einem Hund, dem es sonst gut geht, stehen meist zuerst die Ausschlussuntersuchungen und sorgfältige Futterversuche. Die Darmspiegelung wird wichtig, wenn das Futter nicht hilft oder dein Hund schwer krank ist, und sie ist nach Möglichkeit sinnvoll, bevor Kortison gegeben wird.
Welche Hunderassen erkranken häufiger an IBD?
Bekannt ist eine Veranlagung unter anderem beim Deutschen Schäferhund, beim Boxer, beim Irish Setter, beim Basenji und beim Norwegischen Lundehund. Erkranken kann aber jeder Hund, auch ein Mischling.
Hilft CBD bei IBD?
Dafür gibt es keinen Beleg. Ich habe in der Fachliteratur keine Studie gefunden, die CBD bei dieser Erkrankung untersucht hat. Bekommt dein Hund Medikamente, sprich jedes zusätzliche Mittel vorher mit deiner Tierärztin ab.
Muss mein Hund für immer Spezialfutter fressen, oder darf er wieder normales Hundefutter bekommen?
Nicht unbedingt. Ein Teil der Hunde bleibt auch nach einer späteren, sorgfältig geplanten Umstellung auf ein anderes Hundefutter stabil, bei anderen kehren die Beschwerden zurück. Das hängt vom einzelnen Verlauf ab. Deshalb bleibt ein Futter, das geholfen hat, mindestens zwölf Wochen, und jeder Wechsel danach wird geplant.
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Wenn ihr schon viel versucht habt
Vielleicht habt ihr schon mehrere Futtersorten, Medikamente und Mittel hinter euch, und trotzdem kommt der Durchfall immer wieder. Das sind die Fragen, bei denen ein Ratgeber aufhört zu helfen und ein Gespräch anfängt.
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Dieser Artikel ordnet ein und gibt dir Orientierung. Er ersetzt keine tierärztliche Untersuchung und stellt keine Diagnose. Wenn es deinem Hund schlecht geht, ist der Weg in die Tierarztpraxis immer richtig.
Quellen
- Caulfield S, Priestnall SL, Lawson J et al. (2026). Chronic inflammatory enteropathy without moderate to severe hypoalbuminemia: long-term outcome in 60 dogs. Journal of Veterinary Internal Medicine 40(1): aalaf060. doi.org/10.1093/jvimsj/aalaf060
- Heilmann RM, Jergens AE, Kathrani A et al. (2026). ACVIM-endorsed statement: consensus statement and systematic review on guidelines for the diagnosis and treatment of chronic inflammatory enteropathy in dogs. Journal of Veterinary Internal Medicine 40(1): aalaf017. doi.org/10.1093/jvimsj/aalaf017
- Mandigers PJ, Biourge V, van den Ingh TS et al. (2010). A randomized, open-label, positively-controlled field trial of a hydrolyzed protein diet in dogs with chronic small bowel enteropathy. Journal of Veterinary Internal Medicine 24(6): 1350–1357. doi.org/10.1111/j.1939-1676.2010.0632.x
- Queiroz-Machado CRR, Hanifeh M, Bottero E et al. (2025). Abundance of bacteria and histopathologic findings in the small intestinal mucosa of dogs with chronic inflammatory enteropathies. PLoS One 20(12): e0337930. doi.org/10.1371/journal.pone.0337930
- Simpson KW, Miller ML, Loftus JP et al. (2023). Randomized controlled trial of hydrolyzed fish diets in dogs with chronic enteropathy. Journal of Veterinary Internal Medicine 37(6): 2334–2343. doi.org/10.1111/jvim.16844
- Wang S, Martins R, Sullivan MC et al. (2019). Diet-induced remission in chronic enteropathy is associated with altered microbial community structure and synthesis of secondary bile acids. Microbiome 7(1): 126. doi.org/10.1186/s40168-019-0740-4

