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Glücklicher Hund – Lösung 4

Lernpfote; Glücklicher Hund

Bedürfnis nach Anerkennung und Wertschätzung.

Beides sind für den Hund nach der Maslowschen Bedürfnispyramide die vierten, wichtigen Bedürfnisse.
Sind die unteren Bedürfnisse der Pyramide vom Hund befriedigt,
sehnt er sich nach positivem Zuspruch, Lob, Geborgenheit und Liebe.
Er möchte anerkannt und wertgeschätzt werden.

Um jemanden anzunehmen, bedarf es der Fähigkeit und der Bereitschaft,
die Empfindungen, Gedanken, Emotionen, Motive und Persönlichkeitsmerkmale des anderen zu erkennen und zu verstehen. Wir sind emphatisch.

Was braucht es, um meinen Hund zu verstehen?

Um meinen Hund richtig zu verstehen, brauche ich auch hier Empathie.
Was sich hier komplex und schwierig anhört,
tun wir als Hundebesitzer teilweise intuitiv.
Mit anderen Aspekten setzten wir uns noch genauer auseinander, um unser Verständnis für unseren Hund mehr zu schärfen.

Was braucht es für ein besseres Verständnis?

Um unseren Hund zu verstehen, versetzen wir uns in ihn hinein.
Ich muss mich in seine „Gedanken, Vorstellungen“ und Handlungsweisen hineindenken und sie nachempfinden.
Ich muss die Situation erfassen
und eine klare Meinung, einen Standpunkt haben.

Wenn ich meinen Hund verstehe und einen klaren Standpunkt habe, kann ich erst angemessen auf sein Verhalten reagieren.

Wie du an ein gutes Verhältnis zu deinem Hund bekommst

Damit ich meinen Hund verstehe und seine Handlungen nachvollziehen kann,
muss ich mich in seiner Sprache auskennen.
Es beginnt mit :
Verstehen     geht über      Verständigung    und gipfelt in      Beziehung“.
Wenn ich mich als Mensch mit meinem Hund auch nicht verbal verständigen kann,
muss ich doch wissen, wie er sich auf hündisch äußert.
Der erste Ansatz in unserer Kommunikation mit unserem Hund besteht im Verstehen seiner gesendeten Nachricht.

In der Kommunikation gibt es einen ununterbrochenen Rollentausch zwischen dem Mitteilenden einer Nachricht und dem Empfänger dieser Nachricht.
Bei einer guten Kommunikation schlüpfst du in die jeweilige Rolle:
entweder des Mitteilenden oder des Empfängers.

Lernpfote; Glücklicher Hund
Glücklicher Hund – Lösung 4.

Damit dieses Wechselspiel zwischen meinem Hund und mir gut funktioniert
muss ich sein Verhalten lesen und seine Ausdrucksweise verstehen.
Ebenso muss der Hund lernen meine Ausdrucksweise zu erfassen und zu begreifen.

Es geht immer um eine gute Beziehung zwischen Mensch und Hund, dafür lernen beide Seiten, wie sie miteinander kommunizieren können.
Das hat für uns Menschen zur Konsequenz:
Versteht mich mein Hund nicht, kann er mir nicht folgen, weder geistig noch körperlich.

Meine Aufgabe in unserer Beziehung ist es, die Sprache der Hunde zu lernen, um meinen Hund besser zu verstehen.
Ich muss wissen, was seine Körpersprache bedeutet.
So kann ich z.B. ein Spielverhalten von einem Aggressionsverhalten besser unterscheiden.
Dafür muss ich erkennen, was sein Knurren, gegebenenfalls Fixieren, Pfote oder Kopf auflegen, Anrempeln etc. gerade für eine Bedeutung und Funktion haben.
Kann ich meinen Hund „lesen“, reagiere ich erst sicherer und damit angemessener in Situationen.

Auch der Hund muss seine Lektion lernen.
Er muss die menschliche Körperhaltung studieren, um sie zu deuten.
Gleichzeitig muss er die Bedeutung unserer Gesten und unserer Mimik lernen, um unsere Emotionen zu verstehen.
Eine klare Kommunikation erleichtert dem Hund und uns deutlich das Zusammenleben.

Fazit:
Im Gegensatz zur verbalen Kommunikation, spielen in der Kommunikation zwischen Mensch und Hund Körperhaltung, Bewegung ebenso wie Gesten und Mimik die Hauptrollen.

Hier beginnt die Wertschätzung und Anerkennung unseres Hundes.
Ich interessiere mich für ihn. Ich versuche ihn zu verstehen. Ergründe, seine Ausdrucksweise und Mitteilungen und trete mit ihm durch dein Agieren, in den gegenseitigen Austausch.
Dies ist unsere Basis für eine aktivgelebte, lebendige, verständnisvolle Beziehung.
„Sich verstanden fühlen“ gibt nicht nur Menschen ein gutes und sicheres Gefühl, sondern auch unserem Hund.

Wertschätzung und Anerkennung 

Unser Ausdruck von Wertschätzung und Anerkennung gegenüber unserem Hund geht noch weiter.
Geborgenheit drücke ich auch mit positivem Zuspruch und Lob aus.

Lernpfote; Glücklicher Hund
Glücklicher Hund – Lösung 4

Vielfach habe ich den Eindruck, dass bei der Erziehung unserer Hunde, die Bestätigung mit Futter, den höchsten Stellenwert genießt.
Die Variante der Anerkennung, das eigentliche Loben und die ausgedrückte Freude, tritt derart in den Hintergrund, dass sie vergessen wird.
Eine Studie der Emory University in Atlanta kommt zu einem verblüffenden Ergebnis:
Der Hund ist nicht so auf Futter fixiert, wie es teilweise den Anschein hat!

 

In dieser Studie aus dem Jahr 2016 maß man die Gehirnaktivitäten der Hunde bei einer Belohnung durch Futter oder bei der freudigen Bestätigung durch den Besitzer.

„Wir versuchen, die Grundlage der Beziehung zwischen Hund und Mensch zu verstehen und ob es hauptsächlich um Essen geht oder um die Beziehung selbst“, sagt Gregory Berns, Neurowissenschaftler an der Emory University und leitender Autor der Forschung.
„Von den 13 Hunden, die die Studie beendeten, stellten wir fest, dass die meisten von ihnen entweder Lob von ihren Besitzern bevorzugten oder beides gleichermaßen zu mögen schienen. Nur zwei der Hunde […] zeigten eine starke Vorliebe für das Essen.“

Die größten Ausschläge in den Belohnungszentren des Hundegehirns, hatte die Anerkennung durch den Besitzer.
Für die meisten Hunde, hat die echte Freude des Menschen an seinem Hund, einen viel höheren Stellenwert, als bisher angenommen.

Freut sich der Mensch über das Verhalten seines Hundes, blühen auch Hunde regelrecht auf, die nicht über ein großes „will to please“ verfügen.
Die also nicht über die Eigenschaft des ausgeprägten Bemühens verfügen, herauszufinden, was der Mensch von ihm will und dieses so gut wie möglich umzusetzen.
Gerade Hunde mit der Eigenschaft des „will to please“, spornen Anerkennung und Lob besonders an.

Unabhängigkeit ist keine Sturheit

Lernpfote; Glücklicher Hund.
Glücklicher Hund – Lösung 4.

Das hat nichts damit zu tun, das Hunde, die diese Eigenschaft nicht mitbringen, dickköpfig sind.
Wir haben sie gezüchtet, damit sie besondere Eigenschaften mitbringen.
Herdenschutzhunde, wie der Akbash, Berger de Beauce, ebenso der Komondor, unterstützen ihren Hundeführer bei der Herdenarbeit.
Dafür bedarf es eines eigenständigen und unabhängigen Wesens.

Gerade diese Hunde, die sehr eigenständig sind, gelten als schwierig.
Unerfahren Hundebesitzer, setzten diese Unabhängigkeit mit Sturheit gleich.
Hier ist das Thema „Annahme“ umso wichtiger.
Fühlt sich der Hund nicht angenommen oder gar abgelehnt, wird sich sein (Fehl-)Verhalten schwer langfristig ändern lassen.

Bedenke, dass dein Hund dich mittlerweile so gut lesen kann, dass er merkt, wann deine Freude echt ist.

Unseren Hund anzuerkennen und ihn Wert zu schätzen umfaßt auch sein Lernen und seine Entwicklung weiter zu fördern.

Im Artikel über die Grundbedürfnisse des Hundes: „Glücklicher Hund – Lösung 1
bin ich auf das Bedürfnis nach Bewegung und der körperlichen Auslastung eingegangen.
An dieser Stelle erweitere ich das Bedürfnis nach Bewegung noch.

Unser Hund freut sich nicht nur auf gemeinsame Unternehmungen, bei denen er sich lösen darf. Er möchte sich beim Laufen entspannen und seinen eigenen Bedürfnissen nachgehen.
Er liebt es, in den Hinterlassenschaften anderer Hunde, „die Zeitung zu lesen“ oder die Umgebung mit all ihren Ablenkungen wahrzunehmen.

Bewegung 

Der Hund muss als Lauf- und Raubtier sein Bedürfnis nach Bewegung täglich befriedigen.

Dabei macht er seine eigenen Erfahrungen.
Besonders wichtig ist dies für den jungen Hund.
Der Welpe muss frühzeitig viele Umweltkonstellationen erleben.
So lernt er früh und spielerisch, dass er weder

  • Joggern,
  • Radfahrern oder
  • laufenden Kindern

hinterherrennen, noch mit ihnen Jagdspiele veranstaltet darf.
In seinem Lern- und Reifungsprozess gilt es den Hund zu unterstützen und anzuleiten.
Ich muss ihm seine Grenzen zeigen und diese konsequent einfordern, damit er lernt, welche Regeln mir wichtig sind. Im Laufe der Zeit lernt er Spiel und Ernst zu unterscheiden und aggressives Verhalten zu kontrollieren.
An Grenzen kann er sich klar orientieren und Sicherheit gewinnen.
Er lernt sich in unterschiedlicher Situationen angemessenen zu verhalten und bewegt sich in seiner Umgebung sicher und souverän.

Die Entwicklung unseres Hundes weiter zu fördern, egal in welchem Alter hat nie mit Druck oder Gewalt zu tun.
So entsteht kein vertrauensvolles Verhältnis.
Hinzu kommt, dass Stress die Fähigkeit zu lernen blockiert.
Sich mit Zwang durchzusetzen, macht also keinen Sinn.

So bitte nicht!

In dem du als einziges Highlight des Tages einen Ball oder eine Frisbeescheibe fortschmeißt, machst du deinem Hund keine „Freude“. Du erzieht ihn vielmehr in kürzester Zeit zum Junkie.
Er braucht seinen täglichen Kick und ist nur noch auf den Ball fixiert.
Alle anderen Reize sind ausgeblendet.
Eine enge Beziehung zwischen Hund und Mensch fördert das nicht.
Der Hund ist auf das runde Etwas fixiert, egal welche Person (Besitzer, Nachbar, Fremder, Ballwurfmaschine) es wirft.
Der Sinn besteht alleine im Hinterherrennen und Zurückbringen, in der Hoffnung, dass du den Ball erneut wirfst.
Kennst du solche Hunde?
Hin und wieder treffe ich sie auf unseren Spaziergängen.

Lernpfote; Glücklicher Hund
Balljunkie

 

Geifernd, auf den Ball glotzend und lauernd, wann er endlich wieder geworfen wird.
Wie ein Junkie der nach seinem nächsten Joint giert.
Toll finde ich diesen Anblick nicht!

Viel Spaß, diesem Hund klar zu machen, dass in einem öffentlichen Park nicht alle Bälle ihm gehören.

 

Es wird auch herausfordernd, ihn an einem Fußball- oder Tennisspiel vorbeizuführen.
Ist ein Hund bei rollenden oder fliegenden Bällen nicht mehr ansprechbar, ist sein Mensch schlagartig nicht mehr begeistert vom Hundeverhalten.
An dieser Stelle wird es für den Menschen anstrengend.

Hütehunde z.B. Border Collies, haben aufgrund ihrer genetischen Dispositionen eine noch schnellere Veranlagung abhängig zu werden.
Andere Rassen, sei es nun Pudel oder Retriever, Boxer oder Mischling, mache ich mit dem „Bällchenwerfen“ ebenfalls süchtig.

„Wurfspiele“ sind keine Spiele die eine Bindung zu meinem Hund herstellen, festigen und erhalten.
Im Gegenteil ich mache mich zum austauschbaren Objekt.
Beide, Hund wie Mensch haben nicht das gemeinschaftliche Erlebnis, das sie zu einer Einheit macht.
Vielleicht, – aber auch nur vielleicht, ist der Hund irgendwann müde.
Morgen verlangt er noch öfter das Bällchenwerfen, denn die Dosis erhöht sich mit jedem Tag.
Das „Wegwerfspiel“ ist eine stumpfsinnige Tätigkeit, bei der der Hund nicht nachdenken muss.
Er muss nur laufen, den Ball aufnehmen und ihn zurückbringen.

Das gemeinsame Spiel sollte beiden Spaß machen und die Gemeinschaft stärken.

Eine Kombination, den Hund körperlicher auszulasten und ihn geistig zu beschäftige ist hier der richtige Weg, zum glücklichen Hund. Bei dieser Art von Aufgabe kann der Hund „Dampf abzulassen“.
Denn wir verlangen ihm im Alltag viel ab, weil er sich nicht immer hundetypisch verhalten darf:

  • kein Bewachen des Grundstücks und ständiges Anschlagen
  • nicht draußen nach Fressbarem suchen
  • kein Aggressionsverhalten als Kommunikation,
  • kein jagen von Wildtieren
  • etc.

So sieht für dich die Lösung aus:

Der Hund bekommt von dir eine Aufgabe gestellt, die sich an seinen Bedürfnissen orientiert, jedoch in deinem Sinne ist.

Die Art der körperlichen Auslastung hängt von der Hunderassen und natürlich auch vom Charakter deines Hundes ab.

Lernpfote; Glücklicher Hund.
Glücklicher Hund – Lösung 4.

Vor allem Hütehunden, Jagd- und Schlittenhunden, lassen sich mit dien Aktivitäten gut auslasten:

  • lange Spaziergänge
  • Joggen
  • Fahrradfahren
  • Agility-Training
  • Treibball
  • Obedience-Training

 

Jagdhunde lieben es Fährten zu finden.
Für sie eignen sich Apportierspiele mit dem Futtersäckchen. Das Suchen und Finden von Futterbeuteln macht nicht nur Spaß, es fördert die Bindung zwischen Mensch und Hund. Hier löst ihr die gestellte Aufgabe zusammen.
Beim Hund stärkst du zusätzlich das Selbstbewusstsein, denn bei der Dummyarbeit löst der Hund die gestellte Aufgabe selbstständig. Die gemachte „Beute“ bringt er zum Menschen und dieser belohnt ihn aus dem Futterbeutel.
Ein weiterer wichtiger Punkt in der Apportierarbeit, ist die Arbeit an der Disziplin.
Lass deinen Hund dazu absitzen und erst auf ein Signal hin erlaubst du ihm, den geworfenen oder
versteckten Apportierbeutel zu suchen und zu bringen.

Auch das Mantrailing und die Fährtenarbeit sind anspruchsvolle Auslastungsmethoden.
Profis schwören auf ZOS – die Zielobjektsuche, bei der du Gegenstände wie Schlüssel, Kugelschreiber oder ein Radiergummi versteckst.

Wichtig für euch beide ist die Freude an der gemeinsamen Beschäftigung.
Das manche Hunderassen für einige Arten der Beschäftigung ungeeignet wären,
straft dieses Video lügen:

 

Gemeinsame Aktivitäten

Beschäftigt euch mit etwas, an dem ihr beide Spaß habt und bei dem ihr mit Feuereifer bei der Sache seit.
Der Hund spürt deine Freude an der gemeinsamen Tätigkeit und wird selbst hochmotiviert sein.
Er wird sich automatisch an dir orientieren.
Diese Momente gehören euch. Genieße sie, – sie stimmen dich positiv und stärken dich gegen Unerfreuliches.

Ob es nun Sport heißt oder ihr im Wald über Baumstämme klettert und euch im Balancieren übt. Zusammen im See schwimmen geht oder Suchspiele im Park veranstaltet. Die Freude am gemeinsamen Tun steht für euch beide im Vordergrund.
Achte auf deinen Hund, macht es ihm genauso viel Spaß wie dir? Wenn ja – wunderbar.
Wenn nein, – überlege, was seinen Neigungen mehr entspricht und auch dir Vergnügen bereitet.

Natürlich kann ich besondere Aktivitäten auch zu Hause in meinen Alltag einbauen.
Apportieren kann der Hund auch in Haus und Garten.
Also von Hausschuhen bis Gartenstiefel.
Der Hund kann lernen, Kleidungsstücke in den Wäschekorb zu räumen.
Möglich ist vieles und mit allen Gegenständen, die weder gefährlich noch zu groß und schwer sind.
Suchspiele kann ich meinem Hund hier ebenfalls ermöglichen.
Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt und die Möglichkeiten vielfältig.
Jeder findet für sich und seinen Hund die passende Beschäftigung, an denen beide Freude und Spaß haben.

Schreib uns gerne, welcher Beschäftigung du mit deinem Hund nachgehst und
wie ihr zusammen euren Alltag gestaltet.
Wir freuen uns über deine Zuschrift.

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