Untergewicht beim Hund: Halterin ertastet die Rippen ihres zu dünnen Hundes zum Blogbeitrag Untergewicht beim Hund von Lernpfote e. V.

Untergewicht beim Hund: Hilfe, wenn dein Hund zu dünn ist

INHALTSVERZEICHNIS

Es gibt einen Satz, den ich in meiner Praxis fast jede Woche höre: „Er frisst doch gut, er nimmt einfach nicht zu.“

Meistens folgt eine kleine Pause. Und dann kommt das, was die Halterin eigentlich beschäftigt. Beim Streicheln fühlt sich der Rücken kantiger an als noch im Frühjahr. Die Rippen zeichnen sich ab, wenn der Hund sich streckt. Und irgendjemand im Park hat einen Kommentar gemacht, der hängen geblieben ist.

Dieses Gefühl ist ein guter Ratgeber, denn ein Hund, der ungewollt Gewicht verliert, sagt damit etwas über seinen Körper aus. Nur führt die naheliegende Reaktion, einfach mehr in den Napf zu geben, erstaunlich oft nicht zum Ziel. Manche Hunde fressen große Mengen und bleiben trotzdem dünn. Andere brauchen tatsächlich nur ein Drittel mehr Futter und sind nach sechs Wochen wieder in Form.

In diesem Artikel gehen wir beide Wege durch. Du erfährst, wann ein Hund zu dünn ist und wann er einfach schlank gebaut ist, welche möglichen Ursachen hinter Untergewicht bei Hunden stecken, woran du die medizinischen Ursachen erkennst und wie dein Vierbeiner kontrolliert wieder an Gewicht gewinnt.

 

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Wann ist ein Hund wirklich untergewichtig?

Ein schlanker Hund hat nicht automatisch Untergewicht. Das Gewicht des Hundes allein sagt darüber wenig aus, denn eine Zahl kennt weder den Knochenbau noch die Muskulatur deines Hundes.

Das brauchbarere Werkzeug ist der Body Condition Score, kurz BCS. Dabei beurteilst du die Körperkondition nicht nach der Waage, sondern nach dem, was du siehst und ertasten kannst. Üblich ist eine Skala mit neun Stufen, auf der die Stufen 4 und 5 beim ausgewachsenen Hund als ideal gelten. Alles darunter fällt in den Bereich „unter ideal“.

Wie du den BCS Schritt für Schritt anwendest, habe ich ausführlich im Artikel über Übergewicht beim Hund beschrieben. Das Verfahren ist dasselbe, nur die Blickrichtung ist eine andere.

Rippen ertasten und Taille erkennen: die zwei Prüfungen zu Hause

Für eine erste Einschätzung reichen zwei Handgriffe, die du bei jedem Streicheln nebenbei machen kannst.

Lege die flache Hand an den Brustkorb und streiche mit leichtem Druck darüber. Die Rippen sollten deutlich zu spüren sein, so wie die Knöchel auf deinem eigenen Handrücken. Wenn sie sich scharfkantig anfühlen oder du sie schon aus zwei Metern Entfernung siehst, ist dein Hund zu dünn.

Betrachte deinen Hund von oben. Hinter dem Brustkorb sollte eine erkennbare Taille sitzen. Betrachtest du den Hund von der Seite, sollte die Bauchlinie hinter dem Brustkorb sanft nach oben verlaufen. Ist diese Einbuchtung sehr tief und springen zusätzlich Beckenknochen, Schulterblätter oder die Dornfortsätze der Wirbelsäule ins Auge, sprechen wir nicht mehr von schlank.

Diese Einschätzung ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Sie hilft dir aber, Veränderungen früh zu bemerken, und genau darauf kommt es an.

Ist mein Hund zu dünn oder einfach schlank gebaut?

Die ehrliche Antwort lautet: Das entscheidet nicht die Optik, sondern die Muskulatur. Ein schlank gebauter Hund hat wenig Unterhautfett, aber eine kräftige, gut gefüllte Muskulatur an Oberschenkeln, Rücken und Schläfen. Ein Hund mit Untergewicht verliert genau dort.

Deshalb lohnt es sich, beim Abtasten nicht nur auf den Brustkorb zu achten, sondern auch auf den Kopf. Wenn die Schläfenmuskulatur einfällt und der Schädel plötzlich kantig wirkt, ist das ein ernstes Zeichen.

Und wenn dir jemand sagt, dein Vierbeiner ist zu dünn, du selbst aber kräftige Muskeln ertastest und das Gewicht seit Monaten stabil ist, dann hast du vermutlich einfach einen schlanken Hund.

Zu dünn oder abgemagert: zwei sehr verschiedene Hunde

Fast alle Ratgeber zu diesem Thema behandeln Untergewicht als einen einzigen Zustand. Das ist der Punkt, an dem es gefährlich wird, denn hinter dem Wort verbergen sich zwei völlig unterschiedliche Situationen mit gegensätzlichen Handlungsanweisungen.

Schlank bis zu dünn (BCS 3 bis 4) Abgemagert (BCS 1 bis 2)
Muskulatur erhalten sichtbarer Muskelverlust
Risiko beim Zufüttern praktisch keines reale Stoffwechselentgleisung
Vorgehen Ration in Schritten anheben, wöchentlich wiegen tierärztlich begleiteter Aufbau mit Laborkontrolle
Zuständig du, gern mit Beratung die Tierarztpraxis

Das Kriterium, das die beiden Spalten trennt, steht wörtlich in der Definition der Weltkleintierärzteorganisation WSAVA. Bei BCS 3 zeichnet sich der Brustkorb ab und es ist kein Fett mehr tastbar, die Muskulatur ist aber intakt. Erst ab Stufe 2 kommt der Muskelverlust hinzu, bei Stufe 1 ist er deutlich.

Wenn du diese Unterscheidung im Kopf behältst, löst sich der scheinbare Widerspruch auf, der dir beim Recherchieren begegnen wird. Die einen raten, die Futtermenge deutlich zu erhöhen. Die anderen warnen davor, einen ausgehungerten Hund zu füttern. Beide haben recht, sie sprechen nur über verschiedene Hunde.

Alles Weitere in diesem Artikel gilt für den ersten Fall. Was beim stark abgemagerten Hund gilt, findest du weiter unten im Abschnitt zum Refeeding.

Warum das Idealgewicht deines Hundes allein nicht genügt

Ein festes Idealgewicht ist hilfreich, wenn du weißt, bei welchem Gewicht dein Hund zuletzt gesund, aktiv und gut bemuskelt war. Diese Zahl aus der eigenen Vorgeschichte ist wertvoll.

Aus einer Rassetabelle lässt sie sich dagegen kaum ableiten. Zwei Labradore mit identischem Gewicht können völlig unterschiedlich gebaut sein, und bei Mischlingen wird die Sache endgültig zur Schätzung. Beim Hund gibt es aus gutem Grund kein Gegenstück zum menschlichen Body-Mass-Index, dafür sind die Größenunterschiede innerhalb einer einzigen Tierart zu groß.

Wiege deinen Hund trotzdem regelmäßig, am besten alle zwei Wochen auf derselben Waage. Notiere das Gewicht zusammen mit deiner BCS-Einschätzung, zum Beispiel im Hundetagebuch. Schleichende Veränderungen fallen im Alltag niemandem auf, in einer Liste dagegen sofort.

Die häufigsten Ursachen von Untergewicht beim Hund

Was kann zu Untergewicht beim Hund führen? Die Bandbreite möglicher Ursachen für Untergewicht reicht von einer schlicht zu kleinen Ration über einen erhöhten Bedarf bis hin zu ernsthaften Erkrankungen.

Welcher Weg zur Gewichtszunahme führt, hängt vollständig davon ab, warum dein Hund dünn ist. Deshalb steht die Ursachensuche vor jeder Futtererhöhung.

1. Im Napf landet schlicht zu wenig Energie

Das ist mit Abstand der häufigste Grund, und er wird fast immer zuletzt geprüft.

Besonders oft passiert es nach einer Futterumstellung. Trockenfutter enthält kaum Wasser und ist dadurch extrem energiedicht. Wechselst du auf Nassfutter, selbst gekochte Rationen oder Rohfütterung, fällt die Energiedichte je nach Produkt um das Vier- bis Fünffache. Wer dann weiter nach Gefühl oder nach der alten Grammzahl füttert, halbiert die Kalorienzufuhr, ohne es zu merken. Welche Fütterungsform welche Besonderheiten mitbringt, findest du im Überblick zu den Fütterungsformen beim Hund.

Auch die Fütterungsempfehlung auf der Packung ist keine Vorgabe, sondern ein Durchschnittswert für einen durchschnittlichen Hund. Deinen Hund kennt der Hersteller nicht.

2. Der Hund verbraucht mehr, als du denkst

Muskulatur kostet Energie, auch im Ruhezustand. Ein kräftig bemuskelter Hund braucht deshalb bei gleichem Körpergewicht mehr Futter als ein weniger muskulöser Artgenosse.

Dazu kommen Faktoren, die im Alltag leicht untergehen. Je nach Alter, Kastrationsstatus und Bewegungspensum liegt der tatsächliche Bedarf teils weit über den Tabellenwerten. Junge Hunde, unkastrierte Rüden, Hunde mit dünnem Fell und solche mit mehreren Stunden Bewegung am Tag gehören dazu. Bei einer Hündin steigt der Bedarf in der Trächtigkeit und vor allem in der Säugezeit stark an, und manche Hündinnen fressen rund um die Läufigkeit vorübergehend schlechter und verlieren dabei Gewicht.

Wenn mehrere Hunde im Haushalt leben und dasselbe bekommen, heißt das also nicht, dass sie dasselbe brauchen.

3. Wenn die Verdaulichkeit der Ration nicht stimmt

Ein Hund kann große Mengen fressen und trotzdem zu wenig aufnehmen. Das passiert, wenn die Ration sehr mager ist, viel Wasser enthält oder aus Bestandteilen besteht, die er schlecht aufschließen kann. Ein hochwertiges Hundefutter erkennst du eher am Energiegehalt und an der Zusammensetzung als am Preis.

Ein guter Anhaltspunkt ist der Kot. Große, voluminöse Kotmengen bedeuten, dass ein erheblicher Teil des Futters den Verdauungstrakt ungenutzt wieder verlässt. Hochwertiges Protein und gut aufgeschlossene Kohlenhydrate hinterlassen deutlich weniger.

4. Untergewicht als Symptom einer chronischen Erkrankung

Wenn dein Hund gut frisst, ausreichend Energie bekommt und trotzdem immer dünner wird, ist das Gewicht nicht das Problem, sondern das Signal. Ein dauerhaftes Untergewicht ohne erkennbaren Fütterungsfehler gehört deshalb immer abgeklärt.

Bei einer exokrinen Pankreasinsuffizienz bildet die Bauchspeicheldrüse zu wenig Verdauungsenzyme. Betroffene Hunde haben oft großen Hunger, setzen große, hellgraue, fettig wirkende Kotmengen ab und magern ab. Der Deutsche Schäferhund ist am besten dokumentiert, betroffen sein kann aber jede Rasse. Gesichert wird die Diagnose über den cTLI-Wert im Blut, und behandelt wird mit Enzymen zum Futter.

Auch chronische Entzündungen im Magen-Darm-Trakt gehen häufig mit Gewichtsverlust einher, etwa bei IBD oder einer Dünndarmfehlbesiedlung. Dort ist die Aufnahme über die Darmschleimhaut gestört, nicht die Menge im Napf.

Außerhalb des Darms kommen Erkrankungen von Niere, Leber und Herz infrage, eine Schilddrüsenüberfunktion, Tumorerkrankungen und beim älteren Hund sehr oft schlicht ein schmerzhafter Zahn. Hat dein Hund Schmerzen beim Kauen, frisst er zögerlich, lässt harte Brocken liegen oder hört nach wenigen Bissen auf. Beim alten Hund verändert sich zusätzlich der Stoffwechsel, weshalb ich der Ernährung alter Hunde einen eigenen Artikel gewidmet habe.

Der praktische Merksatz lautet: Hat dein Hund wenig Appetit, suchst du zuerst nach dem Grund dafür. Frisst er viel und nimmt trotzdem ab, suchst du nach einer Verwertungsstörung. Ein Blutbild ist in beiden Fällen der sinnvolle erste Schritt.

Wenn du dir unsicher bist, ob der Darm deines Hundes hinter seinem Gewichtsverlust steckt oder ob er einfach zu wenig Energie bekommt, kann mein kostenloses Quiz ein hilfreicher erster Schritt sein.

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5. Parasiten

Ein Wurmbefall entzieht dem Hund Nährstoffe und schädigt bei starkem Befall die Darmschleimhaut. Wichtig zu wissen: Eine unauffällige Kotprobe schließt Parasiten nicht sicher aus, weil viele Würmer nicht durchgehend Eier ausscheiden. Aussagekräftiger ist eine Sammelprobe über drei Tage.

Eine bestehende Infektion lässt sich mit Kräutern, Bernstein oder Kokosöl nicht behandeln. Wenn ein Befall nachgewiesen ist oder der Verdacht begründet, gehört er gezielt behandelt. Eine gute, herstellerunabhängige Orientierung, wie oft welcher Hund überhaupt untersucht oder behandelt werden sollte, bieten die Empfehlungen von ESCCAP.

Wenn dein Hund zu dünn ist: die Basis vor dem Aufpäppeln

Bevor du an Öle, Aufbaupasten oder energiereiche Snacks denkst, braucht dein Hund eine vollständige Grundration. Das gilt für Fertigfutter genauso wie für selbst gekochte oder rohe Rationen.

Die Grundration muss alles enthalten, was dein Hund braucht. Wichtige Nährstoffe sind hier Protein, Fett, Mineralstoffe, Vitamine und essenzielle Fettsäuren, dazu genug Energie. Ein Zusatz kann eine ausgewogene Ration ergänzen, aber eine unausgewogene niemals reparieren.

Dazu passt ein Befund aus einer europäischen Halterbefragung mit 3.185 Teilnehmenden: Hunde, die ausschließlich selbst zubereitetes Futter bekamen, hatten häufiger Untergewicht als Hunde in Mischfütterung. Das ist kein Argument gegen selbst gekochtes Futter, denn befragt wurden Halterinnen, es wurde nichts gemessen. Der wahrscheinliche Grund ist ein anderer: Selbst gekochte Rationen werden oft nach Gefühl zusammengestellt, und dabei fällt der Energiegehalt schnell zu niedrig aus. Wer nach Rezept und mit berechneter Ration selbst kocht, hat dieses Problem nicht.

So erhöhst du die Futtermenge deines Hundes kontrolliert

Bei einem gesunden Hund, der nur wenig zu leicht ist, kannst du direkt anfangen. Die Fachtierärztin für Tierernährung Dr. Julia Fritz nennt als praktische Orientierung, zunächst etwa 20 bis 30 Prozent mehr zu füttern als die eigentlich bedarfsgerechte Menge. Manche Hunde brauchen 50 Prozent mehr. Eine strenge Faustregel wie beim Abnehmen gibt es hier nicht, entscheidend ist die Reaktion deines Hundes.

Der praktische Ablauf in sechs Schritten

  1. Ausgangslage festhalten: Gewicht, BCS, Futterart, exakte Tagesmenge, alle Snacks und die tatsächliche Bewegung.
  2. Gesundheitliche Probleme ausschließen, bevor du erhöhst, besonders bei Durchfall, Erbrechen oder Muskelverlust.
  3. Die Ration gezielt anheben statt gleichzeitig fünf Dinge zu ändern. Wer alles auf einmal umstellt, weiß hinterher nicht, was gewirkt hat.
  4. Nach sieben bis zehn Tagen wiegen, immer zur gleichen Tageszeit.
  5. Nachsteuern: keine Zunahme bedeutet weiter erhöhen oder die Zusammensetzung prüfen. Eine langsame Zunahme ist genau richtig.
  6. Am Ziel wieder zurückfahren, damit aus dem Untergewicht kein Übergewicht wird.

Erwarte keine schnellen Sprünge. In einer Auswertung von 246 stark abgemagerten Hunden aus Tierschutzfällen dauerte es im Mittel 4,4 Wochen bis zu 20 Prozent Gewichtszunahme und 6,4 Wochen bis zu 30 Prozent. Das waren Hunde unter täglicher klinischer Betreuung. Wenn dein Hund nach zwei Wochen 300 Gramm zugelegt hat, läuft es gut.

Warum mehrere Mahlzeiten dem dünnen Hund helfen

Wenn die Tagesmenge deutlich steigen muss, ist es meist besser, sie auf mehr Mahlzeiten zu verteilen, statt zwei riesige Portionen zu geben.

Große Einzelportionen liegen schwer im Magen, und der Darm hat pro Mahlzeit nur eine begrenzte Zeit, Nährstoffe aufzunehmen. Praktisch heißt das: Morgen- und Abendmahlzeit bleiben, dazu kommt eine kleine Mittagsportion und bei sehr hohem Bedarf eine kalorienreiche Zwischenmahlzeit am späten Abend.

Mehrere kleinere Portionen bringen noch einen Nebeneffekt mit: Sie regen den Hund zum Fressen an, weil jede Mahlzeit für ihn neu und interessant ist.

In einem Haushalt mit mehreren Hunden hat das noch einen zweiten Vorteil. Extras lassen sich so getrennt füttern, ohne dass der bereits gut genährte Zweitgehund mitprofitiert.

Fett ist beim dünnen Hund der stärkste Hebel

Fett liefert rund 9 Kilokalorien pro Gramm, Protein und Kohlenhydrate jeweils etwa 4. Wenn ein Hund mehr Energie braucht, aber keine größeren Mengen fressen kann oder will, ist Fett deshalb das wirksamste Mittel.

Als Orientierung nennt Dr. Julia Fritz etwa ein Gramm Fett oder Öl je Kilogramm Körpergewicht zusätzlich zur Ration. Ein kleiner Hund bekommt also sehr wenig, ein großer entsprechend mehr. Steigere langsam über zwei bis drei Wochen, denn ein zu schneller Fettanstieg führt zuverlässig zu weichem Kot.

Als Quellen eignen sich fettreicheres Fleisch, Huhn mit Haut, fetter Seefisch, Schmalz oder je nach Verträglichkeit ein Schuss Sahne. Bei selbst gekochten Rationen ist der einfachste Schritt, mageres Fleisch durch eine fettere Sorte zu ersetzen. Welche Fleischsorte was mitbringt, habe ich im Artikel welches Fleisch für Hunde aufgeschlüsselt. Schweinefleisch gehört immer durcherhitzt in den Napf.

Genau hier steckt einer der häufigsten Denkfehler: Beim dünnen Hund wird oft besonders mageres Fleisch gefüttert, weil das gesünder wirkt. Für einen Hund, der zunehmen soll, ist es das genaue Gegenteil.

Fett belastet weder Leber noch Nieren. Bei Nierenerkrankungen wird sogar bewusst proteinärmer und dafür fettreicher gefüttert. Eine echte Ausnahme ist die Bauchspeicheldrüse: Bei akuter Pankreatitis muss die Fettmenge tierärztlich festgelegt werden. Bei der Pankreasinsuffizienz gilt das übrigens nicht mehr. Mit passend dosierten Enzymen dürfen und sollen diese Hunde fettreich gefüttert werden.

Warum Welpenfutter selten die Lösung ist

Der Griff zum Welpenfutter liegt nahe, führt aber meist nicht weit. Welpenfutter ist nicht besonders fettreich, sondern vor allem mineralstoffreicher, weil es Wachstum unterstützen soll. Für einen ausgewachsenen Hund ist das kein Vorteil.

Wenn du ein fertiges Produkt suchst, ist ein Aufbaufutter mit dem Zusatz High Energy oder ein Sportfutter die passendere Wahl. Ein Blick auf die deklarierten Kilokalorien je 100 Gramm sagt dir mehr als jede Aufschrift auf der Vorderseite.

Kohlenhydrate beim untergewichtigen Hund: sinnvoll statt verteufelt

Kohlenhydrate haben in vielen Fütterungsdebatten einen schlechten Ruf. Beim Zunehmen sind sie ein Gewinn, weil sie gut verfügbare Energie liefern und dabei den Darm weniger fordern als sehr fettreiche Rationen.

Haferflocken sind unkompliziert, gut verträglich und werden meist gern gefressen. Kartoffeln und Reis müssen ausreichend gegart werden, dann kann dein Hund sie gut verwerten.

Besonders bei Hunden aus dem Tierschutz oder mit einer wechselhaften Fütterungsvorgeschichte ist das ein wichtiger Punkt. Diese Hunde vertragen eine sehr eiweiß- und fettreiche Ration oft schlechter, als man erwartet. Sie nehmen mit einer moderaten, kohlenhydratbetonten Ration häufig besser zu. Wenn dein Hund auf die Umstellung mit Durchfall reagiert, gehst du einen Schritt zurück und steigerst langsamer.

Welpen und Junghunde: nicht nach dem äußeren Eindruck füttern

Für wachsende Hunde gilt der BCS nicht. Er ist für ausgewachsene Tiere entwickelt worden, und im Wachstum führt er systematisch in die Irre.

Dr. Julia Fritz beschreibt dazu ein Beispiel, das ich mir gemerkt habe: ein Ridgeback und ein Golden Retriever, beide gut sechs Monate alt. Der Ridgeback wirkte schlank, der Golden deutlich zu rund. Beide hatten dasselbe Problem, nämlich rund sieben Kilogramm zu viel.

Das richtige Instrument im Wachstum sind Wachstumskurven. Es gibt sie seit 2017 als validierte Standardkurven, berechnet aus den Daten von rund 3,1 Millionen jungen Hunden in fünf Größenklassen. Eine Einschränkung solltest du kennen: Für Hunde über 40 Kilogramm Endgewicht ließ sich keine Kurve modellieren. Ausgerechnet bei den ganz großen Rassen, wo zu schnelles Wachstum am gefährlichsten ist, bleibt es also bei der Einschätzung durch die Tierarztpraxis.

Warum das so wichtig ist, zeigt eine Untersuchung an 48 Labrador Retrievern. Eine Gruppe wurde ad libitum gefüttert, die andere lebenslang mit 25 Prozent weniger desselben Futters. Die erste Arthrose im Hüftgelenk trat bei den satt gefütterten Hunden im Median mit sechs Jahren auf, bei den schlank gehaltenen mit zwölf. Diese Studienreihe wurde bei Nestlé Purina durchgeführt und dort finanziert, was man wissen sollte. Sie ist deshalb nicht wertlos, denn ein Futterhersteller hat wenig Interesse daran zu zeigen, dass weniger Futter besser ist.

Der schlaksige Junghund, der dir Sorgen macht, ist also im Zweifel der gesündere. Füttere ihn nach Kurve, nicht nach Optik.

Windhunde und andere schlanke Rassen richtig beurteilen

Bei Greyhounds sind sichtbare Rippen der Normalzustand. Sektionsdaten zeigen, wie extrem der Unterschied ist: Greyhounds bestehen zu rund 57 Prozent aus Muskulatur gegenüber etwa 43 Prozent bei Hunden anderer Typen, während der Fettanteil bei ihnen unter einem Prozent liegt. Der Knochenanteil ist dagegen identisch.

Bildgebende Untersuchungen bestätigen das Bild. Das Verhältnis von Magermasse zu Fett lag bei Greyhounds etwa dreimal so hoch wie bei Beagles.

Belegt ist das für den Greyhound. Andere Windhundrassen unterscheiden sich untereinander deutlich, deshalb würde ich vom Greyhound nicht ungeprüft auf jeden Galgo, Whippet oder Magyar Vizsla schließen. Was für alle schlanken Rassen gilt, ist der Grundsatz aus dem zweiten Abschnitt: Nicht die sichtbare Rippe entscheidet, sondern die Muskelmasse. Solange die Bemuskelung an Rücken und Oberschenkeln kräftig ist und das Gewicht stabil bleibt, ist alles in Ordnung.

Verliert ein Windhund dagegen ungewollt Gewicht oder baut Muskulatur ab, gilt für ihn dasselbe wie für jeden anderen Hund. Ein zusätzlicher praktischer Hinweis: Windhunde kommen mit Kohlenhydraten ausgesprochen gut zurecht, und phasenweise mäkeliges Fressen ist bei ihnen rassetypisch und kein Grund zur Sorge.

Leckerli zum Zunehmen: möglich, aber kein Ersatz fürs Hundefutter

Snacks liefern Kalorien, das ist unbestritten. Sie sollten aber nicht zur Hauptsache werden.

Wenn ein Hund gelernt hat, dass es nach dem Napf noch etwas deutlich Besseres gibt, wird die Hauptmahlzeit unattraktiv. Damit handelst du dir ein zweites Problem ein, während das erste bleibt. Sinnvoller ist es, die Mahlzeit selbst energiereicher zu machen oder eine zusätzliche kleine Portion einzuschieben.

Wenn er phasenweise schlecht frisst, kannst du deinem Hund eine besonders beliebte Komponente aber gern als Anreiz obendrauf geben. Hält die Futterverweigerung länger als zwei Tage an oder kommen weitere Symptome dazu, gehört das abgeklärt.

Wenn dein Hund stark abgemagert ist: das Refeeding-Risiko

Jetzt zur zweiten Spalte der Tabelle vom Anfang. Wenn ein Hund über Wochen zu wenig gefressen hat, wenn er stark abgemagert ist oder aus einer Notlage kommt, darf er nicht einfach reichlich zu fressen bekommen. Dein Hund ist viel zu dünn? Dann ist ausgerechnet hier Zurückhaltung wichtiger als Großzügigkeit.

Nach längerem Hungern stellt der Körper auf einen Sparmodus um. Kommen dann plötzlich große Mengen Energie an, verschieben sich Phosphat, Kalium und Magnesium innerhalb weniger Stunden massiv aus dem Blut in die Zellen. Dieses Refeeding-Syndrom ist beim Hund dokumentiert. In einem Fallbericht über drei stark abgemagerte Hunde entwickelten alle drei eine Übersäuerung durch Thiaminmangel, zwei zeigten Herzrhythmusstörungen und eine eingeschränkte Herzfunktion.

Deshalb sieht das Protokoll aus der Tierschutzmedizin genau das Gegenteil dessen vor, was das Bauchgefühl sagt. Am ersten Tag bekommt der Hund nur ein Drittel seines Ruheenergiebedarfs, am zweiten zwei Drittel, ab dem dritten die volle Menge. Das Ziel der ersten Woche ist ausdrücklich, das Gewicht zu halten, nicht zuzunehmen. Dazu kommen Thiamin über zehn Tage und regelmäßige Blutkontrollen von Kalium, Phosphat und Magnesium.

Ich schreibe diese Zahlen hier nicht als Anleitung für zu Hause, sondern damit du erkennst, worauf du achten musst. Ein abgemagerter Hund gehört in tierärztliche Begleitung, und die ersten Tage entscheiden.

Die häufigsten Fehler, wenn ein Hund zunehmen soll

  • Nur nach Gramm füttern statt nach Energiegehalt. Zwei Näpfe mit derselben Menge können sich um den Faktor vier unterscheiden.
  • Die Fütterungsempfehlung auf der Packung als Vorgabe nehmen. Sie ist ein Durchschnittswert.
  • Alles gleichzeitig ändern und danach nicht wissen, was gewirkt hat.
  • Zu große Einzelportionen geben statt auf mehrere Mahlzeiten zu verteilen.
  • Weiter mageres Fleisch füttern, obwohl der Hund Energie braucht.
  • Eine Erkrankung wegfüttern wollen. Wenn große Mengen nicht wirken, fehlt eine Diagnose.
  • Welpen nach Optik aufpäppeln statt nach Wachstumskurve.
  • Einen Wurmbefall nach einer einzigen negativen Kotprobe ausschließen.
  • Zu früh aufgeben. Eine sichtbare Veränderung braucht vier bis sechs Wochen.

Checkliste: Wann dein Hund zum Tierarzt gehört

Nicht jede schlanke Figur muss abgeklärt werden. Bei diesen Zeichen stellst du deinen Hund aber beim Tierarzt vor, und zwar zeitnah:

  • deutlicher oder fortschreitender Gewichtsverlust ohne erklärbaren Grund,
  • sichtbarer Muskelverlust, besonders am Kopf,
  • Durchfall, wiederholtes Erbrechen oder auffällig große Kotmengen,
  • großer Hunger ohne jede Zunahme,
  • plötzliche Futterverweigerung über mehr als zwei Tage,
  • Müdigkeit, Schmerzhinweise oder verändertes Verhalten,
  • Untergewicht beim Welpen, beim alten Hund oder bei bekannter Vorerkrankung,
  • keine Zunahme, obwohl du die Ration seit drei Wochen deutlich erhöht hast.

Untergewicht beim Hund vorbeugen

Die wirksamsten Maßnahmen bei Untergewicht sind die, die vorher greifen. Vorbeugen heißt hier vor allem: früh merken, dass sich etwas verändert.

Wiege deinen Hund regelmäßig und notiere das Gewicht, statt dich auf den Eindruck zu verlassen. Taste ihn beim Streicheln bewusst ab, dann fällt dir eine Veränderung an Brustkorb und Muskulatur innerhalb von Tagen auf statt nach Monaten. Rechne die Ration nach, wann immer du das Futter oder die Fütterungsform wechselst, und passe sie an, wenn sich Alter, Aktivität oder Jahreszeit ändern. Und behalte den Kot im Blick, denn er verrät dir früher als die Waage, ob der Darm mitkommt.

Fazit: Ein Hund nimmt nicht allein durch mehr Futter zu

Drei Schritte führen zum Ziel. Beurteile zuerst die Körperkondition ehrlich und unterscheide dabei zwischen schlank und abgemagert. Kläre dann, ob eine Erkrankung dahintersteckt, statt die Menge blind zu erhöhen. Und steigere schließlich die Energiezufuhr kontrolliert, über mehrere Mahlzeiten, mit ausreichend Fett und gut verträglichen Kohlenhydraten.

Bleibt die Zunahme trotz reichlicher Fütterung aus, ist das kein Auftrag, noch mehr zu füttern. Es ist ein Hinweis darauf, dass dein Hund sein Futter nicht verwerten kann, und das ist eine ganz andere Baustelle. Ein Hund, der über Monate unter Untergewicht leidet, verliert dabei nicht nur Fett, sondern auch Muskulatur und Widerstandskraft.

Genau an dieser Stelle hören Ratgeber auf zu helfen und ein Gespräch fängt an. Wenn dein Hund seit Monaten nicht zunimmt, du schon mehrere Futtersorten durch hast und niemand dir sagen kann, woran es liegt, dann schau bitte nicht länger allein darauf.

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Wenn du nicht mehr weißt, was von allem wirklich zählt

Wenn du die Ration erhöht, die Mahlzeiten aufgeteilt und den Fettanteil angehoben hast und dein Hund trotzdem nicht zunimmt, liegt die Ursache meist nicht mehr in der Fütterung. Dann ist die eigentliche Frage, was bei deinem Hund bisher untersucht wurde und wie die einzelnen Befunde zusammenpassen.

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Häufige Fragen zu Untergewicht beim Hund

Wie erkenne ich, ob mein Hund untergewichtig ist?

Die Rippen sollten bei leichtem Druck gut zu ertasten sein, aber nicht scharfkantig hervortreten. Von oben ist eine Taille sichtbar. Springen dir Beckenknochen, Schulterblätter oder Wirbelsäule ins Auge, spricht das dafür, dass dein Hund zu dünn ist. Das wichtigste Zusatzkriterium ist die Muskulatur: Fällt sie an Oberschenkeln oder Schläfen ein, gehört der Hund untersucht.

Wie viel mehr Futter braucht ein untergewichtiger Hund?

Bei einem gesunden Hund mit leichtem Untergewicht sind 20 bis 30 Prozent mehr als die bedarfsgerechte Menge ein guter Startpunkt, manchmal braucht es 50 Prozent. Nach sieben bis zehn Tagen wiegst du erneut und steuerst nach. Bei einem stark abgemagerten Hund gilt das ausdrücklich nicht, dort wird langsam und tierärztlich begleitet aufgebaut.

Ist Welpenfutter gut, damit ein erwachsener Hund an Gewicht gewinnt?

Meistens nicht. Welpenfutter ist auf Wachstum ausgelegt und vor allem mineralstoffreicher, nicht besonders kalorienstark. Sinnvoller sind ein Futter mit hoher Energiedichte, eine erhöhte Fettmenge oder zusätzliche Mahlzeiten.

Sind Kartoffeln oder Haferflocken bei Untergewicht geeignet?

Ja. Gut gegarte Kartoffeln, Reis und Haferflocken sind verträgliche Energiequellen und helfen beim Zunehmen. Sie sollten Teil einer ausgewogenen Ration sein und nicht einfach obendrauf kommen.

Warum nimmt mein Hund trotz großer Futtermengen nicht zu?

Dann stimmt entweder die Energiedichte der Ration nicht, der Verbrauch ist höher als gedacht, oder die Nährstoffe kommen nicht dort an, wo sie gebraucht werden. Typische Ursachen sind eine exokrine Pankreasinsuffizienz, chronische Darmerkrankungen und ein Wurmbefall. Das ist der Punkt, an dem eine tierärztliche Untersuchung ansteht.

Darf ich meinem dünnen Hund einfach mehr Öl geben?

Öl erhöht die Energiezufuhr wirksam, aber die Menge muss zur Ration und zum Gewicht des Hundes passen. Steigere über zwei bis drei Wochen, sonst reagiert der Darm mit weichem Kot. Bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse wird die Fettmenge tierärztlich festgelegt.

Ist ein schlanker Windhund automatisch untergewichtig?

Nein. Greyhounds haben nachweislich deutlich mehr Muskulatur und fast kein Unterhautfett, sichtbare Knochenkonturen sind bei ihnen normal. Auffällig wird es erst, wenn der Hund ungewollt Gewicht verliert, Muskulatur abbaut oder sich sein Allgemeinbefinden ändert.

Wie lange dauert es, bis mein Hund zugenommen hat?

Rechne in Wochen, nicht in Tagen. Selbst bei klinisch betreuten, stark abgemagerten Hunden dauerte es im Mittel 4,4 Wochen bis zu 20 Prozent Zunahme. Eine langsame, stetige Zunahme ist das Ziel, alles Schnellere geht auf Kosten der Verdauung.

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Quellen

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