Hund kotet zu viel: Labrador schnuppert auf einer Wiese, Halterin hält Kotbeutel bereit Blogbeitag von Lernpfote e. V.

Hund kotet zu viel? Liegt der viele Kot am Hundefutter?

INHALTSVERZEICHNIS

Liegt der häufige Kotabsatz wirklich am Hundefutter?

Es gibt diesen Moment auf dem Spaziergang, in dem man anfängt mitzuzählen. Beim dritten Mal denkt man sich noch nichts dabei. Beim vierten holt man die nächste Tüte raus und merkt, dass man nachrechnet, wie viele man eigentlich eingesteckt hat. Und spätestens beim fünften Mal kommt der Gedanke, den mir Halterinnen fast wortgleich schildern: Das kann doch nicht normal sein. Stimmt irgendwas mit dem Futter nicht?

Wenn du „Hund kotet zu viel“ googelst, findest du eine sehr klare Antwort. Und zwar überall dieselbe. Dein Hund setze zu viel Kot ab, weil sein Futter zu viele Füllstoffe enthalte, zu wenig verdaulich sei, zu viel Getreide, zu wenig Fleisch. Kauf eine bessere Sorte, dann wird der Haufen kleiner.

Ich habe für diesen Artikel achtunddreißig wissenschaftliche Arbeiten durchgesehen. Und ich sage dir gleich vorweg, worauf das hinausläuft: Ein Teil dieser Aussage stimmt tatsächlich. Der andere Teil, und zwar genau der Teil, wegen dem du die Sorte wechseln sollst, ist nicht belegt. Er wird seit Jahren von einer Seite zur nächsten abgeschrieben, ohne dass jemand nachgesehen hätte.

Das ist der Grund, warum dieser Artikel etwas länger geworden ist. Ich will dir nicht sagen, was du kaufen sollst. Ich will dir zeigen, was man aus der Menge im Beutel tatsächlich ablesen kann und was nicht.

Probleme beim Stuhlgang des Hundes: drei Dinge, die ständig verwechselt werden

Bevor wir über Ursachen reden, müssen wir eine Sache trennen, die in fast jedem Text zu diesem Thema zusammengeworfen wird. Denn dieser eine Satz kann drei völlig verschiedene Dinge bedeuten.

Drei Dinge, die ständig verwechselt werden

  1. Es kann heißen, dass er sich häufiger löst als früher oder als andere Hunde, dass also die Häufigkeit gestiegen ist. Er geht fünfmal statt zweimal, aber die Menge pro Mal ist klein.
  2. Es kann heißen, dass die Gesamtmenge groß ist. Er geht vielleicht nur zweimal, aber was dabei herauskommt, wirkt für seine Größe unverhältnismäßig viel.
  3. Und es kann heißen, dass sich die Beschaffenheit verändert hat. Was herauskommt, ist weicher geworden, breiig, er drängelt plötzlich, du musst früher raus als sonst.

Diese drei Dinge haben verschiedene Ursachen, unterschiedliche Bedeutung und unterschiedliche Konsequenzen. Wer nach Gründen für die vermehrte Menge sucht, muss deshalb zuerst wissen, welche der drei Ebenen bei seinem Hund überhaupt betroffen ist. Ein Hund kann häufig kleine Mengen absetzen und dabei kerngesund sein. Ein anderer geht nur zwei Mal am Tag und produziert dabei eine Menge, die auf ein echtes Problem hindeutet. Wer alles unter „zu viel Kot“ zusammenfasst, kommt zwangsläufig zu falschen Schlüssen.

Deshalb ist dieser Artikel entlang dieser drei Ebenen aufgebaut. Erst die Häufigkeit, dann die Menge, dann die Beschaffenheit.

Hund kotet zu viel: Infografik mit den drei Unterscheidungen Häufigkeit, Menge und Beschaffenheit sowie den Faktoren, die die Kotmenge beeinflussen von Lernpfote e. V.


Hund kotet 5 mal am Tag: ist das zu viel?

Das ist die Frage, die am häufigsten gestellt wird, und ich fange bewusst damit an.

Die ehrliche Antwort lautet: Es gibt keine wissenschaftlich festgelegte Normzahl für die tägliche Häufigkeit beim Hund. Sie existiert schlicht nicht. Was es gibt, sind Beobachtungswerte aus Fütterungsstudien, und die zeigen eine erhebliche Bandbreite.

Warum du im Internet vier verschiedene Antworten findest

Ich habe mir für diesen Artikel angesehen, was die derzeit meistgelesenen deutschsprachigen Seiten zu dieser Frage schreiben. Das Ergebnis ist bemerkenswert.

Drei Seiten nennen ein bis zwei Mal täglich als normal. Drei andere nennen ein bis drei Mal. Eine Seite schreibt, mehr als viermal sei zu viel. Und die automatisch erzeugte Antwort, die Google ganz oben anzeigt, nennt wiederum einen anderen Bereich.

Keine einzige dieser Seiten nennt eine Quelle für ihre Zahl. Zwei der Texte sind fast wortgleich, einer ist offensichtlich vom anderen abgeschrieben. Eine Seite stützt ihre Aussagen auf eine selbst durchgeführte Umfrage unter Lesern, was für eine körperliche Frage etwa so aussagekräftig ist wie eine Abstimmung darüber, wie hoch der Blutdruck sein sollte.

Und auf einer dieser Seiten habe ich in den Kommentaren gefunden, wie das praktisch endet: Eine Halterin schreibt, ihr Hund mache fünfmal täglich einen Haufen. Die Antwort der Seite, die zugleich ein Shop ist, lautet sinngemäß, das sei zu häufig, und empfiehlt eine Darmkur und ein Faserpulver aus dem eigenen Sortiment.

Genau an dieser Stelle wird aus einer harmlosen Beobachtung ein Verkauf.

Wie oft gesunde erwachsene Hunde Stuhlgang haben: was die Forschung hergibt

Es gibt eine sehr aufschlussreiche Untersuchung an dreißig English Pointern aus dem Jahr 1990. Die Hunde bekamen dieselbe Grundration, der in unterschiedlichen Mengen Rübenschnitzel als Faserquelle beigemischt wurden, von null bis 12,5 Prozent.

Das Ergebnis: Die Zahl der täglichen Haufen stieg von 2,8 auf 5,2. Bei denselben Hunden. Im selben Zwinger. Ohne dass irgendetwas an ihrem Befinden anders gewesen wäre. Der einzige Unterschied war ein Ballaststoff in der Ration.

Fünfmal am Tag war in dieser Studie also schlicht die normale Folge einer faserreichen Ration. Nicht Krankheit, nicht die falsche Sorte, nicht ein überfordertes Verdauungssystem. Die meisten Hunde bewegen sich irgendwo in dieser Spanne, und sie ist breiter, als die Zahlen im Internet vermuten lassen.

Eine zweite Arbeit, durchgeführt an der Tierärztlichen Hochschule Hannover an sechsundsechzig Hunden aus zehn Rassen, zeigt außerdem: Größere Hunde setzten häufiger Kot ab als kleinere. Auch das ist keine Krankheit, sondern Körperbau.

Was folgt daraus für dich? Die absolute Zahl ist wenig wert. Was etwas wert ist, ist die Veränderung. Ein Hund, der seit Jahren viermal täglich geht und dabei stabil im Gewicht bleibt, glänzendes Fell hat und sich wohlfühlt, hat keine erhöhte Häufigkeit. Er hat seine Häufigkeit. Ein Hund, der jahrelang zweimal ging und seit drei Wochen fünfmal geht, hat eine Veränderung. Und Veränderungen schaut man sich an.

Gründe für wenig Stuhlgang: wenn er zu selten geht

Weil diese Frage fast immer im selben Atemzug kommt, hier die kurze Abgrenzung.

Ein Hund, der einmal täglich geformten Kot absetzt, ohne zu pressen, ist nicht verstopft. Verstopfung ist keine Frage der Häufigkeit allein, sondern zeigt sich am Verhalten: Der Hund nimmt wiederholt die Position ein und es kommt nichts oder nur wenig sehr harter, trockener Stuhlgang. Er presst sichtbar. Manchmal winselt er dabei.

Wenn dein Hund über zwei Tage keinen Kot absetzt und dabei presst, das Fressen verweigert oder erbricht, gehört er noch am selben Tag zum Tierarzt und nicht auf eine Hausmittelliste. Ein Darmverschluss kann sich genau so ankündigen.

Häufiger Stuhlgang in kleinen Mengen: das ist etwas anderes

Es gibt ein Muster, das viele Halterinnen als „er kotet ständig“ beschreiben, das aber gar nicht zur Verdauung gehört.

Der Hund setzt gleich zu Beginn des Spaziergangs einen normalen Haufen ab. Danach kommen noch zwei oder drei kleine Portionen, jeweils an bestimmten Stellen, oft nachdem er ausgiebig an fremden Spuren geschnüffelt hat, häufig gefolgt von deutlichem Scharren mit den Hinterläufen.

Hier muss ich vorsichtig formulieren, weil dieser Bereich schlechter erforscht ist, als viele Ratgeber behaupten. Dass Hunde das gezielt als Duftmarke einsetzen, ist nicht so gut belegt wie das Markieren mit Urin. Eine Beobachtungsstudie an freilebenden Haushunden kam sogar zu dem Schluss, dass die Kotabgabe für die geruchliche Kommunikation offenbar keine wesentliche Rolle spielte. Eine Untersuchung an über zweihundertachtzig Tierheimhunden fand, dass Körpergröße und Geschlecht die Wahrscheinlichkeit des Urinierens beeinflussten, die des Absetzens aber nicht.

Was du trotzdem mitnehmen kannst, ist praktischer Natur: Zähl nicht die Haufen, sondern schau dir an, wie sie zustande kommen. Drei kleine Portionen an strategischen Stellen mit viel Schnüffeln davor sind etwas anderes als drei volle Absätze verteilt über den Tag. Für die Frage, ob die Verdauung deines Hundes in Ordnung ist, zählt die Gesamtmenge über vierundzwanzig Stunden, nicht die Zahl der Stopps.

Ja, die Zusammensetzung des Futters verändert die Kotmenge. Und zwar erheblich

Jetzt zur zweiten Ebene, der Menge. Und hier bekommt die weit verbreitete Aussage tatsächlich Rückenwind, allerdings anders, als sie gemeint ist.

Das Hundefutter beeinflusst die Kotmenge massiv. Das ist gut belegt und gar nicht umstritten. Ich zeige dir die vier Stellschrauben.

Rohfaser ist der größte Hebel

Zurück zu den dreißig English Pointern. Neben der Häufigkeit wurde dort auch die Menge gemessen. Das Kotgewicht stieg von 117 Gramm auf 374 Gramm pro Tag. Das ist mehr als eine Verdreifachung, allein durch den Faseranteil.

Gleichzeitig sank die Verdaulichkeit der Trockensubstanz um etwa sechs Prozentpunkte, und die Verweildauer im Verdauungstrakt verkürzte sich von 23,4 auf 13 Stunden.

Klingt erstmal schlecht. Ist es aber nicht zwangsläufig, und das ist wichtig. Die Autoren dieser Studie kamen zu dem Schluss, dass bis zu 7,5 Prozent Rübenschnitzel in der Trockensubstanz gut vertragen werden. Ballaststoffe erfüllen Aufgaben im Dickdarm, sie sind Nahrung für die Bakterien, die dort leben, und sie beeinflussen die Konsistenz.

Eine neuere Arbeit hat das noch deutlicher gezeigt. Dort senkten Fasern die Energieverdaulichkeit auf 76 bis 77 Prozent gegenüber 84 Prozent in der Kontrollgruppe. Die Kotmenge stieg. Und trotzdem blieb die Kotbeschaffenheit in allen Gruppen im optimalen Bereich. Es kam mehr heraus, aber es war nicht schlechter.

Eine Einschränkung, die selten jemand erwähnt: Nicht jede Faser passt zu jedem Hund. Eine Untersuchung zur Verträglichkeit unterschiedlicher Faserquellen kam zu dem Ergebnis, dass Cellulose für große Hunde gut geeignet ist, während gereinigte Stärken und Cellulose für kleine Hunde weniger geeignet erschienen. Faser ist also kein pauschal guter oder schlechter Bestandteil, sondern eine Frage von Art und Menge.

Trockenfutter, Nassfutter, Rohfutter: Unterschiede in der Verdaulichkeit

Die Fütterungsform verändert die Kotmenge ebenfalls deutlich.

Die Hannoveraner Untersuchung an sechsundsechzig Hunden fand, dass die Ausscheidungen bei Trockenfutter rund vierzehn Prozentpunkte mehr Trockensubstanz enthielten als bei Nassfutter. Der Haufen war also trockener, und genau das nehmen viele Halterinnen als „besseren“ Haufen wahr.

Eine Arbeit aus dem Jahr 2021 verglich extrudiertes Trockenfutter mit frisch zubereiteten Rationen. Die Kotmenge lag bei Trockenfutter um das 1,5- bis 1,7-fache höher, im Vergleich zu Rationen aus Zutaten in Lebensmittelqualität sogar um das 2- bis 2,9-fache.

Und jetzt der Satz aus derselben Studie, den ich in keinem der Ratgebertexte gefunden habe, die ich gelesen habe: Die Kotbeschaffenheit, der pH-Wert und die gemessenen Stoffwechselprodukte unterschieden sich zwischen den Gruppen nicht. Nur die Menge war anders.

Wenn dich der Weg über frisch zubereitete Rationen interessiert, findest du das Vorgehen und die Fallstricke im Artikel Hundefutter selbst kochen. Eine kleinere Kotmenge ist dabei ein Nebeneffekt und ausdrücklich kein Argument für sich allein, wie du gleich sehen wirst.

Es gibt eine weitere Untersuchung, die in dieselbe Richtung geht und ebenfalls das höchste Kotaufkommen bei extrudiertem Trockenfutter fand. Bei dieser muss ich dir allerdings etwas dazusagen: Ein Mitautor arbeitet bei einem Hersteller von Rohfutter, und zwei der fünf getesteten Rationen stammten von genau diesem Hersteller. Das entwertet die Arbeit nicht automatisch, aber du solltest es wissen, wenn du das Ergebnis einordnest. Ich komme weiter unten noch einmal ausführlicher darauf zurück.

Mehr Futter, mehr Kot: die Futtermenge allein

Das ist für mich der sauberste Einzelbeleg der gesamten Recherche, und er stammt aus München.

Dort bekamen Hunde dieselbe Ration in zwei unterschiedlichen Mengen, 8,5 gegenüber 12,6 Gramm Trockensubstanz pro Kilogramm Körpergewicht. Die Verdaulichkeit der Trockensubstanz lag in beiden Durchgängen bei siebenundachtzig Prozent. Identisch. Die Kotmenge stieg trotzdem von 1,1 auf 1,7 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht, statistisch hochsignifikant.

Kurz gesagt

Übersetzt heißt das: Wenn dein Hund mehr frisst, kommt mehr heraus. Auch dann, wenn die Ration genauso gut verdaut wird wie vorher. Die größere Menge im Beutel bedeutet in diesem Fall überhaupt nichts über die Qualität. Sie bedeutet nur, dass mehr hineingegangen ist und entsprechend mehr wieder ausgeschieden wurde.

Bevor du also über eine andere Sorte nachdenkst, lohnt ein Blick auf die tatsächlich gefütterte Menge, inklusive Leckerlis, Kausnacks und dem, was beim Training abfällt. Bei vielen Hunden liegt dort die Erklärung.

Der Fettgehalt

Diese Frage wird selten gestellt, ist aber interessant.

Eine Untersuchung an acht Beagles verglich vier Rationen mit steigendem Fettanteil. Mit mehr Fett stieg die Verdaulichkeit, die aufgenommene Menge sank, und die frische Kotmenge ging von gut sechzig auf knapp sechsunddreißig Gramm pro Tag zurück. Das sind einundvierzig Prozent weniger.

Diese Zahl muss man allerdings auseinandernehmen, sonst zieht man den falschen Schluss. Ein großer Teil dieses Rückgangs entsteht nicht durch das Fett selbst, sondern dadurch, dass die Hunde von der energiereicheren Ration weniger fraßen, nämlich neunundzwanzig Prozent weniger. Rechnet man den Effekt auf hundert Gramm aufgenommene Trockensubstanz um, bleiben immer noch rund siebzehn Prozent weniger übrig. Der Fetteffekt ist also real, aber deutlich kleiner als die Ausgangszahl vermuten lässt.

Eine zweite Studie an zwölf Beagles bestätigt die Richtung in einem Bereich, der dem Alltag näher kommt. Dort wurde einer fettarmen Grundration Geflügelfett in Stufen von einem bis zwanzig Prozent zugesetzt. Die Kotmenge sank mit steigendem Fettanteil, und die Konsistenz blieb dabei unverändert gut.

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Die erste Studie arbeitete mit Fettgehalten zwischen zweiunddreißig und siebenundvierzig Prozent in der Trockensubstanz. Das liegt weit über dem Fettgehalt handelsüblicher Hundefutter, die meist im Bereich von zehn bis zwanzig Prozent liegen. Die Richtung stimmt, die Größenordnung lässt sich nicht auf ein normales Alleinfutter übertragen.

Die zweite: Eine Begleituntersuchung an denselben Hunden zeigte, dass sich die Bakterienbesiedlung mit dem Fettanteil messbar verschob. Fettverwertende Gattungen nahmen zu, kohlenhydratverwertende ab. Die Gesamtgemeinschaft blieb dabei stabil und die Hunde unauffällig, aber eine kleinere Menge ist eben nicht automatisch dasselbe wie „besser“.

Hochwertiges Futter? Warum die Kotmenge nichts über die Qualität des Futters sagt

Jetzt kommt der Punkt, an dem sich dieser Artikel von allem unterscheidet, was du sonst zu dem Thema findest.

Alles, was ich dir gerade gezeigt habe, belegt: Das Hundefutter verändert die Kotmenge. Ja. Deutlich sogar.

Was es nicht belegt, ist der Schluss, der überall daraus gezogen wird: dass eine kleinere Menge automatisch die bessere Sorte anzeigt.

Schau dir noch einmal die beiden Studien an, in denen die Menge am stärksten verändert wurde. In der Münchner Arbeit war die Verdaulichkeit in beiden Durchgängen exakt gleich, siebenundachtzig Prozent, und trotzdem kam bei der größeren Ration deutlich mehr heraus. In der Vergleichsstudie zu Trocken- und Frischfutter unterschied sich die Menge um bis zu Faktor 2,9, während sich Beschaffenheit, pH-Wert und Stoffwechselprodukte nicht unterschieden.

Und bei der Fettstudie sank die ausgeschiedene Menge um einundvierzig Prozent, ohne dass sich die Kotbeschaffenheit praktisch verändert hätte.

Die Menge ist eine Mengenangabe. Sie ist kein Qualitätsurteil.

Das ist auch logisch nachvollziehbar, wenn man einen Moment darüber nachdenkt. Ein hochwertiges Hundefutter kann eine kleine Kotmenge erzeugen, weil es hochverdaulich ist und die Nährstoffe fast vollständig aufgenommen werden. Genauso kann eine kleine Menge dabei herauskommen, weil kaum Ballaststoffe enthalten sind, und Ballaststoffe braucht der Dickdarm. Umgekehrt kann eine große Menge entstehen, weil die Ration schlecht verwertet wird. Sie kann aber genauso entstehen, weil reichlich Fasern enthalten sind, die im Dickdarm gebraucht werden. Was davon ausgeschieden wird, sieht am Ende ähnlich aus. Aus der Menge allein lässt sich nicht ablesen, welcher der beiden Fälle vorliegt.

Deshalb ist der kleine Haufen als Verkaufsargument so beliebt. Er ist sichtbar, er lässt sich in zwei Wochen nachprüfen, und er fühlt sich nach einem Beweis für hochwertiges Futter an. Nur beweist er eben nichts.

„Hund kotet zu viel“: was die großen Ratgeberseiten schreiben und warum das so nicht stimmt

Ich will hier konkret werden, weil allgemeine Kritik niemandem hilft.

Behauptung eins: Viel Kot bedeutet viele Füllstoffe im Futter. Der Begriff Füllstoff hat futtermittelrechtlich keine Definition. Gemeint sind meist Ballaststoffe, also Bestandteile, die der Dünndarm nicht aufschließt. Sie erhöhen die Kotmenge tatsächlich, wie die Studie an den English Pointern zeigt. Unverdaulich heißt hier aber nicht wertlos: Im Dickdarm erfüllen sie eine Aufgabe, und dieselben Autoren empfehlen ausdrücklich einen Anteil bis 7,5 Prozent. Die Gleichung „mehr Kot gleich mehr Müll im Futter“ ist damit nicht haltbar.

Behauptung zwei: Wer auf kaltgepresstes Futter umstellt, bekommt festeren und selteneren Stuhlgang. Für diese Aussage habe ich in achtunddreißig durchgesehenen Arbeiten keine belastbare Untersuchung gefunden, die kaltgepresstes gegen extrudiertes Trockenfutter mit Kotparametern als Endpunkt vergleicht. Belegt ist, dass Trockenfutter allgemein zu einer trockeneren Konsistenz führt als Nassfutter. Das ist etwas anderes und gilt für extrudierte Sorten genauso.

Behauptung drei: Man solle auf Futter mit wenig Rohfaser umsteigen. Abgesehen davon, dass mehrere Seiten dabei von „Raufasern“ schreiben, was es nicht gibt, ist die Empfehlung pauschal falsch. Ob weniger Faser sinnvoll ist, hängt vom Hund ab. Die Untersuchung zur Faserverträglichkeit fand sogar deutliche Unterschiede zwischen großen und kleinen Hunden.

Wenn du dich generell fragst, worauf es bei der Wahl des passenden Futters wirklich ankommt, habe ich das ausführlich in meinem Artikel zu den verschiedenen Fütterungsformen und im Überblicksartikel zur Hundeernährung beschrieben. Und was auf der Verpackung an Zusatzstoffen steht und was davon Bedeutung hat, findest du dort ebenfalls.

Gründe für vermehrten Stuhlgang beim Hund: wann viel Kot ein Symptom ist

Bis hierhin ging es um Hunde ohne Befund. Jetzt zur dritten Ebene, der Beschaffenheit, und zu den Situationen, in denen die Menge wirklich etwas zu bedeuten hat.

Beim vermehrten Kotabsatz entscheidet eine einzige Unterscheidung: Eine gestiegene Menge bei unveränderter Beschaffenheit, stabilem Gewicht und gutem Allgemeinbefinden ist in aller Regel eine Fütterungsfrage. Eine gestiegene Menge zusammen mit verändertem Aussehen, Geruch, Gewichtsverlust oder Heißhunger ist eine medizinische Frage.

Nach einer Futterumstellung

Das ist die häufigste harmlose Ursache.

Eine Untersuchung an dreizehn Beagle-Welpen verglich eine abrupte Umstellung mit einer über sieben Tage. Die schrittweise Umstellung verlief deutlich unauffälliger und führte zu günstigeren Kotwerten.

Wichtig, weil es überall anders steht: Diese Studie belegt keine „Sieben-bis-zehn-Tage-Regel“. Es wurden nicht verschiedene Zeiträume gegeneinander getestet, sondern sieben Tage waren schlicht das gewählte Vorgehen. Dass langsam besser ist als abrupt, ist belegt. Die genaue Zahl ist es nicht.

Eine weitere Arbeit an vierundzwanzig Beagles zeigt, wie deutlich eine Umstellung durchschlagen kann. Beim abrupten Wechsel von Trocken- auf Nassfutter stieg die Verdaulichkeit, und trotzdem wurde die Konsistenz feuchter und schlechter geformt. Gleichzeitig stiegen Entzündungswerte und der Dysbiose-Index, ein Maß für die Verschiebung der Darmflora.

Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass „besser verdaulich“ und „schönerer Haufen“ nicht dasselbe sind.

Stress

Dass Stress auf die Verdauung schlägt, weiß jede Halterin, die schon einmal mit ihrem Hund umgezogen ist. Interessant ist, was dabei genau passiert.

An vierzig Hunden wurde gemessen, dass Stress die Beweglichkeit des Dünndarms sowohl nüchtern als auch nach der Mahlzeit deutlich erhöht und den normalen Rhythmus der Darmbewegungen stört. Eine weitere Untersuchung fand eine unmittelbar nach Stress erhöhte Aktivität des Dickdarms.

Was ich dir aber nicht schreiben werde, obwohl es sich anbietet, ist der Satz „Stress beschleunigt die Verdauung“. Denn eine dritte Arbeit fand für den Magen die Gegenrichtung: Akustischer Stress verzögerte die Magenentleerung deutlich. Die Wirkung von Stress ist also nicht in eine Richtung, sondern je nach Darmabschnitt unterschiedlich.

Praktisch heißt das für dich: Wenn sich zeitgleich mit Umzug, Trennungssituationen, einem neuen Hund im Haushalt oder einer Verhaltensbaustelle auch die Kotbeschaffenheit verändert hat, ist das eine ernstzunehmende Spur. Ich habe die Zusammenhänge zwischen Stress, Cortisol und Darmgesundheit an anderer Stelle ausführlich beschrieben.

Giardien

Giardien sind der Klassiker bei häufigem, weichem Stuhlgang, besonders bei jungen Hunden.

In einer Untersuchung an Hunden mit nachgewiesenen Giardien und Symptomen setzten achtzig beziehungsweise 87,5 Prozent der Tiere dreimal täglich oder öfter ab. Diese Zahlen stammen allerdings aus sehr kleinen Gruppen von fünf und acht Hunden, sie sind ein Hinweis und keine Häufigkeitsangabe für die Allgemeinheit.

Und jetzt die Gegenseite, die im Netz fast immer fehlt: Giardien verlaufen häufig ohne Symptome. Eine Übersichtsarbeit betont ausdrücklich, dass ein positiver Nachweis nicht automatisch bedeutet, dass die Giardien die Ursache der Beschwerden sind. Eine weitere Untersuchung fand, dass ein Viertel der giardienpositiven Hunde überhaupt keine Kotveränderungen zeigte.

Für dich heißt das: Ein positiver Befund ist ein Puzzleteil, kein Urteil. Wenn dein Hund behandelt wurde und die Symptome bleiben, ist es sinnvoll, weiterzusuchen, statt die Behandlung immer wieder zu wiederholen.

Exokrine Pankreasinsuffizienz

Wenn wirklich große Kotmengen im Vordergrund stehen, gehört diese Erkrankung auf die Liste.

Bei der exokrinen Pankreasinsuffizienz produziert die Bauchspeicheldrüse zu wenig Verdauungsenzyme. In einer Untersuchung an 158 Hunden mit auffälligem Laborwert, von denen 114 klinisch erkrankt waren, wurden als typische Zeichen ausdrücklich genannt: gesteigerter Appetit bis hin zu Heißhunger, voluminöser Kot und Gewichtsverlust.

Diese Kombination ist das Warnsignal. Ein Hund, der ständig hungrig ist, riesige Mengen absetzt und dabei abnimmt, hat kein Futterproblem im Sinne von „die falsche Marke“. Er gehört in tierärztliche Abklärung, und der entscheidende Wert dafür ist ein Bluttest.

Interessant ist übrigens, was eine verblindete Studie an einundzwanzig betroffenen Hunden zur Fütterung ergab: Keine der geprüften Diäten war für alle Hunde die beste. Das ist ein Befund, der zu meiner Praxiserfahrung passt und der gegen jede pauschale Fütterungsempfehlung spricht.

Weil dieses Muster, eine große Menge bei gleichzeitigem Gewichtsverlust, mehrere mögliche Ursachen hat und die Enzymschwäche nur eine davon ist, habe ich es in einem eigenen Artikel auseinandergenommen: Hund verliert Gewicht trotz Fressen. Und wenn dein Hund ohnehin zu dünn ist und du erst einmal wissen willst, wo du anfängst, ist der Artikel zum Untergewicht beim Hund der passendere Einstieg.

Wenn der Dünndarm oder der Dickdarm entzündet ist

Auch chronische Darmerkrankungen können sich zuerst über die Menge und die Häufigkeit zeigen, lange bevor jemand an eine Erkrankung denkt.

Dazu gehören die Dünndarmfehlbesiedlung, bei der sich zu viele Bakterien im falschen Darmabschnitt ansiedeln, sowie die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Auch ein durchlässig gewordener Darm spielt in diesem Zusammenhang eine Rolle.

Wenn du an dem Punkt bist, an dem du seit Monaten die Sorte wechselst und nichts stabil bleibt, ist der Artikel zur Ernährung bei Darmsymptomen vermutlich der nützlichere Einstieg als weitere Sortenvergleiche.

Wenn du dir unsicher bist, ob bei deinem Hund noch alles im normalen Rahmen liegt oder ob sein Darm mehr Unterstützung braucht, kann mein kostenloses Quiz ein hilfreicher erster Schritt sein.

In nur 2 Minuten zeigt es dir, wie es dem Darm deines Hundes aktuell wirklich geht und was ihm jetzt am meisten hilft.

Starte HIER dein Quiz

Welpen: warum der Stuhlgang weicher und die Menge größer ist

Bei Welpen ist die Frage nach der Menge fast immer eine andere, deshalb bekommt sie einen eigenen Abschnitt.

Dass junge Hunde tendenziell eine weichere und feuchtere Konsistenz haben als ausgewachsene Hunde, ist beschrieben. Die spannende Frage ist, warum. Und da fällt eine sehr verbreitete Erklärung durch.

Der Grund, den die Forschung am besten belegt

Es gibt eine Untersuchung von Anfang 2026, die genau das auseinandergenommen hat, und zwar mit einem klugen Aufbau.

Im ersten Teil wurden dieselben Beagles über das Wachstum hinweg untersucht, mit zwei, fünf, acht, elf und vierzehn Monaten. Die Trockensubstanz im Haufen stieg dabei von nicht ganz siebenundzwanzig auf gut fünfunddreißig Prozent. Was der Welpe absetzte, wurde also mit dem Alter trockener und fester, und die tägliche Kotmenge sank.

Der zweite Teil ist der eigentlich wertvolle. Dort bekamen ausschließlich vierzehn Monate alte Hunde, alle gleich alt, dieselbe Sorte. Der Unterschied war einzig die Menge: Eine Gruppe bekam die normale Ration eines ausgewachsenen Hundes, die andere die Menge, die ein zwei Monate alter Welpe frisst.

Das Ergebnis ist eindeutig. Allein die größere Ration machte den Stuhlgang feuchter und weicher und ließ die Kotmenge von 202 auf 364 Gramm pro Tag steigen. Das ist ein Plus von achtzig Prozent, bei gleichem Alter, gleicher Sorte und derselben Ausgangslage.

Damit ist die wichtigste Erklärung nicht „der Welpendarm ist unreif“, sondern schlicht: Ein Welpe muss für sein Wachstum sehr viel mehr im Verhältnis zu seinem Körpergewicht aufnehmen. Und eine größere Ration bedeutet mehr Kot. Genau derselbe Mechanismus wie oben beim ausgewachsenen Hund.

Daneben spielt die Darmflora eine Rolle, die in den ersten Lebensmonaten noch im Aufbau ist. Zwei unabhängige Untersuchungen kommen darauf, dass sie sich erst im Bereich von sechs bis acht Monaten stabilisiert. Und es gibt einen Befund, der viele Halterinnen beruhigen dürfte: Ein Entzündungsmarker in der Kotprobe liegt bei jüngeren Welpen von Haus aus höher, und zwar unabhängig davon, ob Erreger nachweisbar waren. Das ist keine Krankheit, sondern Reifung.

Was dagegen nicht stimmt

Die Erklärung, die du überall liest, lautet: Bei Welpen rutscht alles schneller durch, deshalb ist der Stuhlgang weicher.

Es gibt eine Untersuchung, die genau das gemessen hat. An vierundzwanzig Hündinnen aus vier Rassegrößen wurden Magenentleerung und Darmpassage mit röntgendichten Markern bestimmt und gleichzeitig Feuchtigkeit und Kotbeschaffenheit erfasst. Das Ergebnis der Autoren: Zwischen der Passagezeit und den Kotwerten bestand bei gesunden Hunden kein Zusammenhang.

Die Erklärung klingt einleuchtend. Sie ist nur nicht belegt.

Und noch etwas gehört zur Ehrlichkeit dazu: Dieselbe Arbeitsgruppe fand, dass die Kotfeuchtigkeit bei mehreren Rassen mit dem Alter sogar zunahm, also genau umgekehrt. Der Zusammenhang zwischen Alter und Kotbeschaffenheit ist über alle Rassen hinweg nicht so eindeutig, wie er gern dargestellt wird. Was sich in den Studien konsistent zeigt, ist der Effekt der gefütterten Menge.

Genauso wenig lässt sich pauschal sagen, dass Welpen schlechter verdauen. Die Studien widersprechen sich dabei offen. In der Arbeit von 2026 verdauten die jüngsten Hunde Trockensubstanz und Fett sogar besser als die erwachsenen, während eine andere Untersuchung das Gegenteil fand. Einig sind sich die Arbeiten nur beim Protein, das mit dem Alter besser verwertet wird.

Wann weicher Welpenkot kein Reifungsthema mehr ist

Hier muss ich deutlich werden, weil „das ist normal bei Welpen“ ein Satz ist, der Schaden anrichten kann.

In einer Untersuchung an 266 Welpen zwischen fünf und vierzehn Wochen schieden 77 Prozent mindestens einen Darmerreger aus, und knapp ein Viertel zeigte Auffälligkeiten in der Kotbeschaffenheit. Der stärkste Risikofaktor für Durchfall in der Absetzphase war Parvovirus. Und die Autoren schreiben ausdrücklich, dass eine Verschlechterung der Kotqualität mit geringerer täglicher Gewichtszunahme und einem erhöhten Sterberisiko einhergeht.

Diese Zahlen stammen aus Zuchtstätten mit Gruppenhaltung, wo Erreger leichteres Spiel haben als bei einem einzelnen Welpen im Haushalt. Übertrag sie also nicht eins zu eins. Aber der Grundsatz gilt trotzdem: Weicher Welpenkot ist erklärbar und in Grenzen normal. Normal heißt aber nicht egal.

Zum Tierarzt gehört ein Welpe, wenn Durchfall länger als vierundzwanzig Stunden anhält, wenn Blut oder Schleim dabei ist, wenn er nicht zunimmt oder abnimmt, wenn er teilnahmslos wird oder das Trinken verweigert. Bei Welpen geht das schneller als bei erwachsenen Hunden, und Abwarten ist hier der falsche Reflex.

Große Hunde, kleine Hunde: was die Körpergröße mit der Kotmenge macht

Ein Punkt, der oft übersehen wird und viel Unruhe herausnehmen kann.

Größere Hunde haben tendenziell eine weichere und feuchtere Konsistenz als kleine. Das ist in mehreren Arbeiten übereinstimmend beschrieben, sowohl bei Welpen in der Absetzphase als auch bei ausgewachsenen Hunden.

Der Grund dafür ist nicht abschließend geklärt, aber eine Erklärung fällt aus: In einer Untersuchung an vier Rassegrößen hatten die großen Hunde schlechtere Kotwerte, obwohl sie die Nährstoffe nicht schlechter verwerteten. Es liegt also nicht daran, dass große Hunde ihre Ration schlechter verdauen.

Und die Hannoveraner Arbeit an zehn Rassen hält einen Befund bereit, der jede einfache Regel sprengt: Irische Wolfshunde hatten dort eine trockenere Kotbeschaffenheit als Labradore. Größe allein ist also auch keine verlässliche Vorhersage.

Was du daraus mitnehmen kannst: Wenn dein Boxer weicheren Stuhlgang hat als der Jack Russell deiner Nachbarin, ist das noch kein Befund. Vergleiche deinen Hund mit sich selbst, nicht mit anderen.

Was du jetzt konkret tun kannst

Wenn du an diesem Punkt angekommen bist und wissen willst, ob bei deinem Hund etwas nicht stimmt, dann ist der wirksamste erste Schritt nicht ein Futterwechsel, sondern eine Woche Beobachtung.

Notiere über sieben Tage drei Dinge getrennt voneinander, denn genau diese Trennung ist es, an der die meisten Ratgeber scheitern.

Eine Woche notieren – getrennt nach drei Ebenen

  • Erstens die Häufigkeit: Wie oft löst er sich pro Tag, und zu welchen Uhrzeiten?
  • Zweitens die Menge: Ist es jedes Mal ein voller Absatz oder sind kleine Portionen dabei?
  • Drittens die Beschaffenheit: geformt, weich, breiig, mit Schleim, mit Blut, ungewöhnlich hell oder ungewöhnlich streng riechend.

Notiere auch Auffälligkeiten, die dir nur einmal begegnen, gerade die vergisst man sonst.

Wenn die Beschaffenheit über Wochen weich bleibt, hat das eine Folge, an die kaum jemand denkt: Die Analdrüsen werden beim Kotabsatz nicht mehr zuverlässig entleert, weil dafür ein gewisser Druck von innen nötig ist. Rutschen auf dem Po, häufiges Lecken am Hinterteil oder ein strenger Geruch gehören deshalb mit in deine Notizen.

Dazu gehören zwei Angaben, die nichts mit dem Haufen zu tun haben und trotzdem die wichtigsten sind: das Gewicht, einmal zu Beginn und einmal am Ende, und das Allgemeinbefinden.

Und schreib auf, was tatsächlich gefüttert wurde. Nicht nur die Hauptmahlzeiten, sondern auch Kausnacks, Leckerlis beim Training und was von Familienmitgliedern nebenbei abgegeben wird. Erfahrungsgemäß liegt hier bei einem guten Teil der Hunde die ganze Erklärung.

Ein Hundetagebuch hilft dabei sehr, weil es Muster sichtbar macht, die man im Alltag nicht bemerkt.

Mit diesen Aufzeichnungen kannst du dann eine sinnvolle Frage stellen, statt zu raten. Und wenn es doch in die Praxis geht, hast du etwas in der Hand, das eine Diagnose deutlich abkürzen kann.

Wann du nicht länger beobachten, sondern zum Tierarzt gehen solltest

Beobachten ist gut, solange der Hund stabil ist. Es gibt Situationen, in denen es der falsche Weg ist.

Geh zum Tierarzt –

  • wenn dein Hund abnimmt oder nicht zunimmt, obwohl er normal oder sogar mehr frisst
  • wenn Blut, Schleim oder ungewöhnlich heller, fettig glänzender Kot dabei ist
  • wenn Durchfall länger als achtundvierzig Stunden anhält, bei Welpen und alten Hunden deutlich früher
  • wenn er zusätzlich erbricht, matt ist, das Trinken verweigert oder Bauchschmerzen zeigt
  • wenn er über zwei Tage keinen Kot absetzt und dabei presst

In all diesen Fällen ist die Frage nach der richtigen Sorte zweitrangig.

Warum ich dir keine Kotnoten aus Studien vorrechne

Ein Wort zur Transparenz, weil es zu diesem Thema gehört.

In Fütterungsstudien wird die Kotbeschaffenheit mit Punkteskalen bewertet. Das Problem: Diese Skalen laufen nicht alle in dieselbe Richtung. In der einen Studie steht die Eins für harten, trockenen Kot und die Fünf für wässrige Konsistenz. In einer anderen ist es genau umgekehrt, dort steht die Eins für weich und unförmig und die Fünf für gut geformt und fest.

Wer solche Zahlen aus verschiedenen Arbeiten nebeneinanderstellt, ohne das zu prüfen, produziert Unsinn. Deshalb findest du in diesem Artikel keine rohen Punktwerte, sondern nur die Übersetzung: fester, weicher, unverändert.

Dazu kommt etwas, das auch für die Praxis wichtig ist. Eine Untersuchung an 126 Hunden hat geprüft, wie einig sich Bewerter bei der Beurteilung von Kotproben überhaupt sind. Zwischen zwei Tierärzten war die Übereinstimmung mäßig bis gut. Zwischen Tierärzten und Laien war sie deutlich schlechter. Was du als „weich“ empfindest, kann in der Praxis anders eingeordnet werden. Ein Foto sagt bei einem Termin mehr als eine Beschreibung.

Und weil ich es oben angekündigt habe: Zwei der Skalen, die in dieser Untersuchung geprüft wurden, stammen von Forschungseinrichtungen großer Futtermittelkonzerne. Das macht sie nicht wertlos, sie sind sauber gearbeitet und weit verbreitet. Aber es gehört dazu, dass man weiß, wer sie entwickelt hat.

Bei den Studien, auf die ich mich in diesem Artikel stütze, habe ich darauf geachtet. Die Arbeiten zum Fettgehalt, zur Futtermenge und zum Wachstum stammen aus universitärer Forschung ohne Herstellerbeteiligung. Wo ein Interessenkonflikt bestand, habe ich es an der entsprechenden Stelle dazugeschrieben.

Häufige Fragen zum Stuhlgang beim Hund

Mein Hund kotet fünfmal am Tag. Muss ich mir Sorgen machen?

Nicht automatisch. In einer Fütterungsstudie stieg die Häufigkeit bei gesunden Hunden allein durch einen höheren Faseranteil in der Ration von 2,8 auf 5,2 Mal täglich. Entscheidend ist, ob sich etwas verändert hat und wie es deinem Hund sonst geht. Fünfmal seit Jahren ist etwas anderes als fünfmal seit drei Wochen.

Bedeutet weniger Kot besseres Futter?

Nein. Eine kleinere Menge kann bedeuten, dass eine Ration hochverdaulich ist. Sie kann genauso bedeuten, dass wenig Ballaststoffe enthalten sind, die der Dickdarm aber braucht. Aus der Menge allein lässt sich nicht ablesen, welcher Fall vorliegt.

Wie schnell sehe ich nach einem Futterwechsel eine Veränderung?

Die Menge reagiert innerhalb weniger Tage. Ob eine Umstellung wirklich vertragen wird, zeigt sich aber erst über mehrere Wochen. Stell schrittweise um, abrupte Wechsel werden nachweislich schlechter vertragen.

Kann zu viel Kot vom Trockenfutter kommen?

Ja, die Kotmenge liegt bei extrudiertem Trockenfutter höher als bei frisch zubereiteten Rationen, in einer Untersuchung um das 1,5- bis 2,9-fache. In derselben Studie unterschieden sich Beschaffenheit und Stoffwechselprodukte allerdings nicht. Es war mehr, nicht schlechter.

Mein Welpe hat ständig weichen Stuhlgang. Ist das normal?

In Grenzen ja, und der wichtigste Grund ist die große Ration, die er für sein Wachstum braucht. Normal heißt aber nicht egal. Bei Durchfall über vierundzwanzig Stunden, Blut, Schleim, fehlender Gewichtszunahme oder Teilnahmslosigkeit gehört er zum Tierarzt.

Können Giardien der Grund sein?

Sie kommen in Frage, besonders bei jungen Hunden mit häufigem, weichem Stuhlgang. Aber ein positiver Nachweis ist nicht gleichbedeutend mit der Ursache. Ein Viertel der giardienpositiven Hunde zeigt gar keine Kotveränderungen.

Wenn du keine gesundheitlichen Themen rund um deinen Hund mehr verpassen willst, trag dich hier für meinen Newsletter ein.

Jetzt Newsletter abonnieren

Was gesunder Stuhlgang beim Hund wirklich zeigt

Die Frage, mit der du hier angefangen hast, lautete vermutlich: Liegt es am Futter?

Die ehrliche Antwort ist zweigeteilt. Ja, das Futter verändert die Kotmenge, und zwar stärker, als die meisten denken. Der Faseranteil, die Fütterungsform, der Fettgehalt und vor allem die schlichte Menge, die dein Hund frisst, wirken sich direkt aus.

Und nein, aus der Menge lässt sich nicht ablesen, ob das Futter gut ist. Das ist der Schritt, den fast alle Ratgeberseiten machen und den die Daten nicht hergeben.

Was tatsächlich aussagekräftig ist, sind Veränderungen bei deinem eigenen Hund, betrachtet zusammen mit seinem Gewicht, seinem Fell und seinem Befinden. Ein Hund, der seit Jahren vier Haufen am Tag macht und dabei blendend dasteht, braucht kein neues Futter. Ein Hund, der plötzlich große Mengen absetzt, Heißhunger hat und dünner wird, braucht keinen Futtervergleich, sondern eine Diagnose.

Wenn du bei deinem Hund seit Monaten von einer Sorte zur nächsten wechselst und nie ein stabiler Zustand daraus wird, dann ist die Frage meistens nicht, welche Sorte noch fehlt. Dann ist die Frage, was im Darm eigentlich los ist. Das sind die Situationen, in denen eine Liste aufhört zu helfen und ein Gespräch anfängt.

Ich nehme mir dreißig Minuten Zeit für euch, schaue mir an, was du beobachtet hast, und sage dir ehrlich, ob ich einen Ansatzpunkt sehe.

Buche dir hier deine kostenlose Einschätzung

Wenn du nicht mehr weißt, was von allem wirklich zählt

Wenn die Verdauung deines Hundes seit Monaten nicht zur Ruhe kommt, sammeln sich Kotproben, Futterumstellungen und Tierarztbesuche an. Irgendwann liegt eine ganze Mappe vor dir, und trotzdem sagt dir niemand, was von all dem zusammengehört.

Genau für solche komplexen Fälle gibt es die Lernpfote Fallanalyse.

Ich nehme mir eure gesamte Vorgeschichte vor, inklusive vorhandener Befunde, Fütterung, Medikamenten und allem, was ihr bisher ausprobiert habt. Ich sortiere die Informationen, ordne ein, was davon wirklich relevant ist, wo noch offene Fragen liegen und welcher nächste Schritt sinnvoll wäre.

Dafür gibt es ein Gespräch von bis zu 60 Minuten und anschließend eine schriftliche Auswertung mit den wichtigsten Punkten und nächsten Schritten. Die Fallanalyse kostet 299 €.

Wenn du deinen Fall zunächst kurz mit mir besprechen möchtest, aber noch nicht weißt, ob eine ausführliche Analyse nötig ist, kannst du die kostenfreie Einschätzung nutzen.

Die Fallanalyse ist für euch gedacht, wenn eure Geschichte inzwischen so umfangreich geworden ist, dass sie sich nicht mehr sinnvoll in einem kurzen Gespräch erfassen lässt.

→ Fallanalyse ansehen & anfragen

Quellen

  1. Fahey GC Jr, Merchen NR, Corbin JE et al. (1990): Dietary fiber for dogs: I. Effects of graded levels of dietary beet pulp on nutrient intake, digestibility, metabolizable energy and digesta mean retention time. J Anim Sci 68(12):4221–4228. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/1962765
  2. Hofmann C, Kienzle E, Dobenecker B (2022), LMU München: Faecal dry matter excretion per se affects faecal calcium and phosphorus losses in dogs. J Anim Physiol Anim Nutr 106(6):1364–1367. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35934936
  3. Meyer H, Zentek J, Habernoll H et al. (1999), Tierärztliche Hochschule Hannover: Digestibility and compatibility of mixed diets and faecal consistency in different breeds of dog. Zentralbl Veterinarmed A 46(3):155–165. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10337231
  4. Do S, Phungviwatnikul T, de Godoy MRC, Swanson KS (2021): Nutrient digestibility and fecal characteristics, microbiota, and metabolites in dogs fed human-grade foods. J Anim Sci 99(2):skab028. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33511410
  5. El-Wahab AA, Lingens JB, Hankel J et al. (2023): Effect of Different Fiber Sources as Additives to Wet Food for Beagle Dogs on Diet Acceptance, Digestibility, and Fecal Quality. Vet Sci 10(2):91. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36851395
  6. Weber MP, Biourge VC, Nguyen PG (2017): Digestive sensitivity varies according to size of dogs: a review. J Anim Physiol Anim Nutr 101(1):1–9. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27045769
  7. Kilburn LR, Allenspach K, Jergens AE et al. (2020): Apparent total tract digestibility, fecal characteristics, and blood parameters of healthy adult dogs fed high-fat diets. J Anim Sci 98(3):skaa043. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32047902
  8. Kilburn LR, Koester LR, Schmitz-Esser S et al. (2020): High-Fat Diets Led to OTU-Level Shifts in Fecal Samples of Healthy Adult Dogs. Front Microbiol 11:564160. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33363518
  9. Marx FR, Trevizan L, Saad FMOB et al. (2017): Endogenous fat loss and true total tract digestibility of poultry fat in adult dogs. J Anim Sci 95(7):2928–2935. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28727091
  10. Fernandes EL, Souza RBMS, Santos LNA et al. (2026): Longitudinal study of diet digestibility, microbiome, and gut fermentation metabolites in growing dogs. J Vet Intern Med 40(1). pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41742575
  11. Sabchuk TT, Risolia LW, Souza CMM et al. (2020): Endogenous fat losses and true and apparent fat digestibility in adult and growing dogs fed diets containing poultry offal fat. J Anim Physiol Anim Nutr 104(6):1927–1937. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31821624
  12. Weber MP, Stambouli F, Martin LJ et al. (2002): Influence of age and body size on gastrointestinal transit time of radiopaque markers in healthy dogs. Am J Vet Res 63(5):677–682. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12013468
  13. Weber M, Martin L, Biourge V et al. (2003): Influence of age and body size on the digestibility of a dry expanded diet in dogs. J Anim Physiol Anim Nutr 87(1–2):21–31. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/14511146
  14. Kang Y, Kim Y, Cho JH et al. (2025): Age-related changes in growth and fecal parameters, nutrient digestibility, hematology, and serum biochemistry of Beagle dogs. J Anim Sci Technol 67(5):1165–1180. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41089359
  15. Asaduzzaman M, Oláh P, Yaseen NJ et al. (2026): Longitudinal long-read microbiome profiling in a canine model reveals how age, diet, and birth mode shape gut community dynamics. mSystems 11(2):e0127925. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41575196
  16. Grellet A, Feugier A, Chastant-Maillard S et al. (2012): Validation of a fecal scoring scale in puppies during the weaning period. Prev Vet Med 106(3–4):315–323. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22520179
  17. Grellet A, Chastant-Maillard S, Robin C et al. (2014): Risk factors of weaning diarrhea in puppies housed in breeding kennels. Prev Vet Med 117(1):260–265. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25175676
  18. Grellet A, Heilmann RM, Polack B et al. (2016): Influence of Breed Size, Age, Fecal Quality, and Enteropathogen Shedding on Fecal Calprotectin and Immunoglobulin A Concentrations in Puppies During the Weaning Period. J Vet Intern Med 30(4):1056–1064. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27279352
  19. Buddington RK, Malo C (2003): Postnatal development of nutrient transport in the intestine of dogs. Am J Vet Res 64(5):635–645. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12755305
  20. Liao P, Yang K, Huang H et al. (2023): Abrupt Dietary Change and Gradual Dietary Transition Impact Diarrheal Symptoms, Fecal Fermentation Characteristics, Microbiota, and Metabolic Profile in Healthy Puppies. Animals 13(8):1300. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37106863
  21. Maturana M, Castillejos L, Lesaux AA et al. (2025): Impact of an abrupt change from dry to canned diet on digestive function and gut microbiota in dogs. J Anim Sci 103. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40405061
  22. Muelas MS, Ramírez P, Parrilla P et al. (1993): Vagal system involvement in changes in small bowel motility during restraint stress: an experimental study in the dog. Br J Surg 80(4):479–483. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8495316
  23. Gué M, Peeters T, Depoortere I et al. (1989): Stress-induced changes in gastric emptying, postprandial motility, and plasma gut hormone levels in dogs. Gastroenterology 97(5):1101–1107. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/2571543
  24. Šmit I, Potočnjak D, Matijatko V et al. (2023): The Influence of Giardia duodenalis on the Occurrence of Clinical Signs in Dogs. Vet Sci 10(12):695. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38133245
  25. Tysnes KR, Skancke E, Robertson LJ (2014): Subclinical Giardia in dogs: a veterinary conundrum relevant to human infection. Trends Parasitol 30(11):520–527. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25246022
  26. Kurnosova OP, Panova OA, Arisov MV (2024): Prevalence of Giardia duodenalis in dogs and cats: Age-related predisposition, symptomatic, and asymptomatic cyst shedding. Vet World 17(2):379–383. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38595671
  27. Wiberg ME, Nurmi AK, Westermarck E (1999): Serum trypsinlike immunoreactivity measurement for the diagnosis of subclinical exocrine pancreatic insufficiency. J Vet Intern Med 13(5):426–432. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10499725
  28. Westermarck E, Wiberg ME (2006): Effects of diet on clinical signs of exocrine pancreatic insufficiency in dogs. J Am Vet Med Assoc 228(2):225–229. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16426193
  29. Cavett CL, Tonero M, Marks SL et al. (2021): Consistency of faecal scoring using two canine faecal scoring systems. J Small Anim Pract 62(3):167–173. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33491796
  30. Cafazzo S, Natoli E, Valsecchi P (2012): Scent-Marking Behaviour in a Pack of Free-Ranging Domestic Dogs. Ethology 118(10):955–966. doi.org/10.1111/j.1439-0310.2012.02088.x
  31. Siniscalchi M, d’Ingeo S, Minunno M, Quaranta A (2018): Communication in Dogs. Animals 8(8):131. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30065156
  32. Geary EL, Oba PM, Templeman JR, Swanson KS (2024): Apparent total tract nutrient digestibility of frozen raw, freeze-dried raw, fresh, and extruded dog foods and their effects on serum metabolites and fecal characteristics, metabolites, and microbiota of healthy adult dogs. Transl Anim Sci 8:txae163. Hinweis: Ein Mitautor ist bei einem Rohfutterhersteller beschäftigt, zwei der geprüften Rationen stammen von diesem Hersteller. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39687915

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen

Einen Termin für ein kostenloses Erstgespräch kannst du direkt hier vereinbaren.