Analdrüsen Hund: Hund dreht sich zu seinem Hinterteil um und knabbert daran, während seine Halterin ihn beobachtet Bild zum Blogbeitrag Analdrüsenprobleme beim Hund von Lernpfote e. V.

Analdrüsen beim Hund: Symptome, Ursachen und Hilfe

INHALTSVERZEICHNIS

Analdrüsen beim Hund: Symptome, Ursachen und was bei einer Analdrüsenentzündung hilft

Es gibt diesen einen Moment, den fast jede Halterin kennt, die mit diesem Thema zu mir kommt. Besuch sitzt im Wohnzimmer, alles ist entspannt, und dann rutscht der Hund mitten durch den Raum über den Teppich. Auf dem Hinterteil, mit voller Überzeugung, und niemand weiß so recht, wo er hinschauen soll.

Was danach passiert, läuft fast immer gleich ab. Man googelt am Abend, findet innerhalb von zwei Minuten das Wort Analdrüsen und liest kurz darauf, dass man sie regelmäßig ausdrücken lassen soll. Beim nächsten Termin bei deinem Tierarzt passiert genau das, es wird für ein paar Wochen besser, und dann sitzt er wieder auf dem Teppich.

Genau an dieser Stelle möchte ich dich abholen. Nicht mit noch einem Ratschlag, sondern mit dem, was sich zu diesem Thema tatsächlich belegen lässt und was eben nicht. Denn die Datenlage zu Analdrüsenproblemen beim Hund ist überraschend dünn, und viele Sätze, die im Netz als Tatsache stehen, sind in Wahrheit Vermutungen, die oft genug wiederholt wurden.

Was die Analdrüsen beim Hund eigentlich sind

Die Analdrüsen, fachlich korrekt Analbeutel, sind zwei kleine Hohlräume links und rechts neben dem After. Der Begriff Analdrüse im Singular taucht selten auf, weil praktisch immer beide Seiten gemeint sind, auch wenn oft nur eine erkrankt.

Wo die Analdrüsen sitzen und was sie produzieren

Wenn du dir den After als Ziffernblatt vorstellst, sitzen die Analdrüsen ungefähr auf vier und auf acht Uhr, jeweils unter der Haut und von einem Muskelring umgeben. Jede Drüse hat einen feinen Ausführungsgang, der seitlich in den Analkanal mündet.

Ein Detail lohnt sich zu merken, weil es später noch wichtig wird. Die Beutel sind innen nicht mit Schleimhaut ausgekleidet, wie man es vom Darm kennt, sondern mit verhornender Haut, also mit demselben Gewebe, das auch die Körperoberfläche bildet. Der Analbeutel ist damit anatomisch eher eine eingestülpte Hauttasche als ein Teil des Darms. Wer verstehen will, warum ausgerechnet Hunde mit Hauterkrankungen so häufig betroffen sind, findet hier schon den ersten Hinweis.

In den Beuteln sammelt sich ein Sekret, das je nach Hund von hellbraun bis graubraun reicht und ziemlich streng riecht. Dieses Sekret ist kein Abfallprodukt und auch kein Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. Eine Proteinanalyse von Janssenswillen und Kollegen (2021) fand darin geruchsbindende Proteine, wie man sie von der chemischen Kommunikation anderer Säugetiere kennt. Was die Analdrüsen produzieren, ist also eine Duftmarke und damit eine Information für andere Hunde, ähnlich wie beim Markieren mit Urin.

Die natürliche Entleerung der Analdrüsen beim Kotabsatz

Die gängige fachtierärztliche Erklärung lautet: Wenn ein geformter, ausreichend fester Kotballen den Analkanal passiert, entsteht Druck auf die Analdrüsen und ein Teil des Sekrets wird durch die Ausführungsgänge nach draußen gepresst. Bei den meisten Hunden entleeren sich die Analdrüsen also beim Stuhlgang, ohne dass jemand etwas davon merkt. Zusätzlich kann sich der Inhalt bei starker Aufregung oder Angst schlagartig entleeren, was viele Halterinnen aus Situationen in der Tierarztpraxis kennen.

Diese Erklärung findest du so im MSD Veterinary Manual und beim Riney Canine Health Center der Cornell University. Und hier kommt gleich die erste Einordnung, die mir wichtig ist: Es handelt sich um etablierte Lehrmeinung, nicht um ein Studienergebnis. Es gibt bis heute keine Untersuchung, die gemessen hätte, wie viel Sekret ein Kotballen tatsächlich herausbefördert. Das macht die Erklärung nicht falsch, aber es macht sie zu einem Modell und nicht zu einem Beweis.

Ich sage das so deutlich, weil auf genau diesem Modell im Netz eine ganze Kette weiterer Behauptungen aufgebaut wird. Und je weiter man sich vom Ausgangspunkt entfernt, desto weniger trägt der Boden.

Symptome einer Analdrüsenentzündung beim Hund

Die Anzeichen sind meistens eindeutig, sobald man weiß, worauf man achten muss.

Wenn der Hund mit dem Po rutscht

Das bekannteste Symptom ist das sogenannte Schlittenfahren. Der Hund setzt sich hin, streckt die Hinterbeine nach vorn und zieht sich mit den Vorderpfoten über den Boden, weil er versucht, den Druck loszuwerden. Wenn ein Hund mit dem Po rutscht, ist das für ihn kein Spiel, sondern ein Versuch, sich selbst zu helfen.

Daneben gibt es eine Reihe weiterer Anzeichen, die zusammengenommen ein deutliches Bild ergeben:

  • Er leckt oder knabbert auffällig häufig an der Analregion oder an der Schwanzwurzel.
  • Er dreht sich plötzlich nach hinten um, als hätte ihn dort etwas gestochen.
  • Es riecht streng, obwohl er gebadet oder gerade erst gebürstet wurde.
  • Er mag sich nicht mehr am Rücken oder unter der Rute anfassen lassen.
  • Er setzt sich beim Kotabsatz unruhig hin und wieder auf oder presst sichtbar.
  • Er sitzt insgesamt weniger gern oder wechselt ständig die Position.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einem gefüllten Beutel und einem entzündeten, weil beide sehr verschieden dringlich sind.

Von verstopften Analdrüsen zur Entzündung und zum Abszess

Wenn das Sekret nicht abfließt, wird es dicker und der Ausführungsgang kann verstopfen. Der Beutel füllt sich weiter, dehnt sich und beginnt zu drücken. In diesem Stadium ist der Hund unangenehm berührt, aber meistens nicht krank. Wenn dein Hund unter verstopften Analdrüsen leidet, merkst du das eher an seiner Unruhe als an seinem Allgemeinbefinden.

Bleibt der Zustand bestehen, können sich Bakterien im Stau vermehren, und aus dem gestauten Beutel wird eine Entzündung. So entsteht eine Analdrüsenentzündung beim Hund in den meisten Fällen. Entzündete Analdrüsen sind druckempfindlich, die Haut darüber wird warm und gerötet, und viele Hunde reagieren jetzt deutlich, wenn man ihnen an die Rute geht.

Die dritte Stufe ist der Abszess. Der Beutel füllt sich mit Eiter, die Schwellung neben dem After wird sichtbar, oft prall und dunkelrot bis bläulich. Diese Schwellung kann nach außen aufbrechen. Das sieht dramatisch aus, weil Blut und Eiter austreten, und ist sehr schmerzhaft.

Wann du mit deinem Hund sofort zum Tierarzt solltest

Bitte geh am selben Tag zu deinem Tierarzt, wenn du eine sichtbare Schwellung neben dem After entdeckst, wenn die Stelle offen ist und nässt, wenn dein Hund Fieber hat oder das Fressen verweigert, oder wenn er den Kotabsatz vermeidet, weil er offensichtlich Schmerzen hat.

Das ist kein Fall für Hausmittel und auch keiner für Abwarten bis Montag. Ein aufgebrochener Beutel braucht Spülung, Schmerzmittel und in vielen Fällen ein Antibiotikum, und je früher das passiert, desto kleiner bleibt der Eingriff.

Wie häufig Analdrüsenprobleme beim Hund wirklich sind

Hier lohnt ein Blick auf die belastbarste Arbeit im gesamten Feld. O’Neill und Kollegen (2021) haben die Daten von 104.212 Hunden aus 110 britischen Tierarztpraxen ausgewertet. Die Ein-Jahres-Prävalenz nicht tumorbedingter Analbeutelerkrankungen lag bei 4,40 Prozent, das heißt, etwa jeder dreiundzwanzigste Hund war innerhalb eines Jahres betroffen.

Interessanter als die Häufigkeit ist aber der Verlauf. Hvitman-Graflund und Kollegen (2023) haben 190 Hunde mit Analbeutelentzündung und insgesamt 290 Krankheitsepisoden nachverfolgt. Bei 126 dieser 190 Hunde, also bei 66,3 Prozent, blieb es bei einer einzigen Episode im gesamten Beobachtungszeitraum.

Zwei Drittel der betroffenen Hunde haben das Problem also genau einmal und danach nicht wieder. Diese Zahl finde ich deshalb so wichtig, weil sie einen großen Teil der Angst herausnimmt, die in vielen Foren mitschwingt. Eine einmalige Entzündung der Analdrüsen beim Hund ist nicht der Anfang einer chronischen Karriere, sondern in der Mehrzahl der Fälle ein abgeschlossenes Ereignis.

Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, wie man das Problem grundsätzlich verhindert. Sie lautet, was den Unterschied macht zwischen den zwei Dritteln, die einmal betroffen sind, und dem Drittel, bei dem es immer wiederkommt.

Warum man am Sekret nicht erkennt, ob die Analdrüsen krank sind

Diesen Abschnitt findest du in kaum einem anderen Ratgeber, und ich halte ihn für einen der praktisch wichtigsten.

In vielen Texten steht, ein dunkles, dickes oder körniges Sekret sei ein Krankheitszeichen. Das klingt einleuchtend, hält der Überprüfung aber nicht stand. Schon van Duijkeren (1995) hielt in einer Übersichtsarbeit fest, dass Farbe und Konsistenz des Inhalts bei gesunden Hunden erheblich schwanken, und warnte ausdrücklich davor, dass genau diese Schwankung zu einer Überdiagnose von Analbeutelentzündungen führt.

Pappalardo und Kollegen (2002) haben das überprüft und den Inhalt von 40 gesunden Hunden mit dem von 30 Hunden mit verschiedenen Hauterkrankungen verglichen. Zwischen den Gruppen fand sich kein Unterschied in der Größe der Beutel, in der Farbe, in der Konsistenz oder in den enthaltenen Körnchen.

James und Kollegen (2011) gingen noch einen Schritt weiter und untersuchten den Inhalt unter dem Mikroskop. Sie verglichen 10 gesunde Hunde mit 20 erkrankten und kamen zu dem Schluss, dass auch die Zytologie zur Diagnosestellung ungeeignet ist, weil sich die Befunde nicht verlässlich unterscheiden.

Was folgt daraus für dich? Wenn dir jemand anhand eines Fotos oder einer Beschreibung sagt, das Sekret deines Hundes sehe krankhaft aus, dann ist das eine Vermutung und keine Diagnose. Was zählt, ist der Hund selbst: Hat er Schmerzen, ist die Region geschwollen, ist sie warm, verändert sich sein Verhalten. Danach richtet sich die Behandlung, nicht nach der Farbe.

Ursachen: Wie eine Analdrüsenentzündung beim Hund entsteht

Weicher Kot und fehlender Druck auf die Analdrüsen

Wenn die Entleerung tatsächlich über den Kotballen funktioniert, dann fehlt der nötige Druck bei dauerhaft weichem oder breiigem Kot. Das ist die logische Fortsetzung des Lehrbuchmodells und der Grund, warum die Kotkonsistenz in fast jedem Text zu diesem Thema an erster Stelle steht.

Nur zeigt der Blick in die Fallserien ein differenzierteres Bild. Bei Lundberg und Kollegen (2022) hatten von 33 Hunden mit Analbeutelentzündung 23 eine ganz normale Kotqualität und nur 7 eine schlechte. Zu weicher Kot ist also ein plausibler Faktor, aber er erklärt in dieser Gruppe die Mehrheit der Fälle gerade nicht.

Für die Praxis heißt das: Ja, es lohnt sich, die Verdauung anzusehen, und ja, wiederkehrend breiiger Kot gehört ohnehin abgeklärt. Nur solltest du nicht davon ausgehen, dass sich mit festerem Kot automatisch jedes Problem erledigt.

Weiterlesen: Durchfall beim Hund: was der Verdauung wirklich hilft

Rasse und Anatomie

In der Auswertung von O’Neill und Kollegen hatten sechs Rassen ein deutlich erhöhtes Risiko: Cavalier King Charles Spaniel, King Charles Spaniel, Cockapoo, Shih Tzu, Bichon Frisé und Cocker Spaniel. Sechs weitere Rassen lagen deutlich darunter, darunter Deutscher Schäferhund, Boxer und Labrador Retriever. Kurzköpfige Hunde hatten gegenüber langköpfigen eine 2,6-fach höhere Chance, betroffen zu sein.

Was in dieser Studie ausdrücklich nicht gezeigt wurde, ist ein Zusammenhang mit dem Körpergewicht. Der oft gelesene Satz, kleine Hunde seien grundsätzlich häufiger betroffen, lässt sich aus den veröffentlichten Zahlen nicht direkt ableiten. Belegt sind Rassezugehörigkeit und Kopfform.

Und noch etwas fällt an dieser Rasseliste auf, sobald man sie ein zweites Mal liest. Cavalier King Charles Spaniel, Cocker Spaniel, Bichon Frisé und Shih Tzu gehören zu den Rassen mit der höchsten Allergieneigung überhaupt. Das ist ein Hinweis, dem ich gleich noch nachgehe.

Übergewicht

Übergewicht wird in praktisch jedem Ratgeber als Ursache genannt, mit der Begründung, dass Fettgewebe die Muskulatur rund um den After schwächt und den Entleerungsdruck verringert.

Ich habe für diesen Artikel gezielt nach der Studie dazu gesucht und keine gefunden. Es existiert keine Kohorten- oder Fall-Kontroll-Studie, die Übergewicht als eigenständigen Risikofaktor bestätigt. In der Serie von Lundberg und Kollegen lag der durchschnittliche Body Condition Score bei 5,8 von 9, also nur knapp über dem Idealbereich.

Das heißt nicht, dass das Gewicht egal wäre. Ein entlastetes Gelenk, ein entlastetes Herz und eine ruhigere Entzündungslage sind für sich genommen Grund genug, das Gewicht im Blick zu behalten, und zwar ruhig und ohne Hungerkur. Es heißt nur, dass ich dir nicht versprechen kann, dass sich das Problem mit den überflüssigen Kilos erledigt.

Die allergische Spur

Jetzt zu der Beobachtung, die ich beim Zusammentragen der Studien am spannendsten fand.

Bei Hvitman-Graflund und Kollegen hatten Hunde mit einer gleichzeitig bestehenden allergischen Hauterkrankung signifikant häufiger wiederkehrende Episoden, und allergische Hauterkrankungen kamen bei den betroffenen Tieren signifikant häufiger vor als in der übrigen Praxispopulation. Bei Lundberg und Kollegen war die atopische Dermatitis mit 12 von 33 Hunden die häufigste Begleiterkrankung überhaupt.

Dazu kommt eine Arbeit, die ich erst spät gefunden habe und die mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht. Bergeron und Kollegen (2024) haben die Bakteriengemeinschaft in den Analbeuteln von 15 gesunden, 14 unbehandelten allergischen und 6 behandelten allergischen Hunden verglichen. Bei den unbehandelten allergischen Hunden war die Zusammensetzung deutlich verschoben, und bei den behandelten glich sie wieder eher der gesunder Hunde. Zusätzlich fand sich in den unbehandelten Beuteln mehr Interleukin 8, ein Botenstoff, der Entzündungszellen anlockt.

Ich formuliere trotzdem vorsichtig, weil es sich um kleine Gruppen handelt und ein gemeinsames Auftreten keine Ursache beweist. Es ist genauso gut möglich, dass die verschobene Bakterienflora eine Folge der Allergie ist und nicht ihr Auslöser. Was sich sagen lässt, ist dies: Bei Hunden, die häufiger Probleme mit den Analdrüsen haben, findet sich überzufällig oft eine allergische Hauterkrankung, und in den Beuteln selbst ist messbar etwas anders.

Für dich als Halterin ist darin etwas sehr Praktisches enthalten. Wenn dein Hund zum dritten oder vierten Mal in einem Jahr entzündete Analdrüsen hat und gleichzeitig an den Pfoten leckt, sich die Ohren kratzt oder immer wieder gerötete Hautstellen zeigt, dann lohnt es sich, die Haut mit anzusehen und nicht nur die Beutel zu entleeren.

Weiterlesen: Allergien und Unverträglichkeiten beim Hund erkennen

Kommen Analdrüsenprobleme von einer Übersäuerung?

Diese Erklärung wirst du beim Suchen mit ziemlicher Sicherheit finden, denn sie steht in mehreren der reichweitenstärksten Texte zu diesem Thema. Sie klingt eingängig: Der Körper sei übersäuert, die Säure müsse irgendwohin, und der Organismus schiebe sie nach außen, unter anderem über die Analdrüsen. Wenn du das gelesen hast und dich jetzt fragst, ob du etwas zum Basenausgleich geben solltest, dann liegt das nicht an dir. Der Gedanke wird oft genug wiederholt, dass er nach gesichertem Wissen klingt.

Er stammt ursprünglich aus der Ratgeberliteratur für Menschen, aus der Vorstellung eines gestörten Säure-Basen-Haushalts, und ist von dort auf das Tier übertragen worden. Auf dem Weg dorthin ist er allerdings nie überprüft worden. Es gibt keine einzige Untersuchung, die einen Zusammenhang zwischen dem Säuregrad im Körper und einer Analbeutelerkrankung gefunden hätte.

Dabei geht es nicht einmal um eine offene Forschungsfrage, sondern um Physiologie, die seit Langem gut beschrieben ist. Der pH-Wert im Blut wird über Atmung und Nieren in einem sehr engen Bereich gehalten, und der Körper investiert viel Aufwand darin, dass er dort bleibt. Verlässt er diesen Bereich wirklich, sprechen wir von einer Azidose, und die entsteht bei einer entgleisten Zuckerkrankheit oder bei einem Nierenversagen. Ein solches Tier liegt in der Klinik am Tropf und rutscht nicht über den Wohnzimmerteppich.

Beim Darm wird die Sache noch interessanter, weil das Bild dort sogar umgekehrt ist. Der Magen ist stark sauer, der Dünndarm liegt im neutralen Bereich, und im Dickdarm sinkt der pH-Wert wieder ab. Das passiert, weil die Bakterien dort Ballaststoffe vergären und dabei kurzkettige Fettsäuren bilden, von denen sich die Schleimhautzellen des Dickdarms ernähren. Ein leicht saurer Dickdarm ist also kein Alarmzeichen, sondern das Ergebnis einer gut arbeitenden Darmflora. Wer ihn basisch machen wollte, würde genau das wegnehmen, was er eigentlich stärken will.

Ehrlicherweise gibt es eine Stelle, an der die Fütterung den pH-Wert tatsächlich messbar verschiebt, und das ist der Urin. Deshalb spielt die Futterzusammensetzung bei Harnsteinen wirklich eine Rolle. Nur hat die Blase mit den Analbeuteln nichts zu tun, und aus diesem einen richtigen Zusammenhang ist über die Jahre die Vorstellung geworden, man könne den ganzen Organismus sauer oder basisch füttern.

Mir geht es hier nicht darum, Kolleginnen zu widersprechen. Mir geht es darum, dass du deine Zeit nicht an der falschen Stelle verlierst. Wenn ein Hund seit Monaten immer wieder entzündete Analdrüsen hat, dann kann er in dieser Zeit auf eine Allergie untersucht werden, oder es kann jemand rektal abtasten, ob dort etwas sitzt, das dort nicht hingehört. Beides bringt euch weiter. Eine Basenkur bringt euch nur um ein paar Wochen.

Nicht jedes Schlittenfahren kommt von den Analdrüsen

Das ist der Abschnitt, den ich am wichtigsten finde, weil hier die meiste Zeit verloren geht. Van Duijkeren hat schon 1995 darauf hingewiesen, dass Parasiten, Allergien, Entzündungen des Enddarms und perianale Fisteln dieselben Anzeichen hervorrufen und vor der Diagnose ausgeschlossen gehören.

Bandwürmer und Peitschenwürmer

Bandwurmglieder wandern aktiv aus dem After und reizen die Haut, was sich genau wie ein Analdrüsenproblem äußert. Laut dem Companion Animal Parasite Council sind unter den häufigen Darmparasiten allerdings nur Band- und Peitschenwürmer mit analem Juckreiz verbunden. Wann eine Wurmkur sinnvoll ist und wann eine Kotuntersuchung die bessere Wahl ist, liest du in meinem Artikel zur Wurmkur beim Hund.

Flöhe und Flohspeichelallergie

Bei einer Flohspeichelallergie konzentriert sich der Juckreiz typischerweise auf den hinteren Rücken und die Schwanzwurzel, und Schlittenfahren gehört laut Merck Veterinary Manual zu den möglichen Ausdrucksformen.

Allergische Hauterkrankungen

Die Royal Canin Academy nennt eine Unterscheidungsregel, die ich hilfreich finde: Lecken und Knabbern an der Analregion ohne Schlittenfahren spricht eher für eine allergische Erkrankung als für ein Analbeutelproblem. Sind zusätzlich Pfoten, Achseln, Leiste oder Ohren betroffen, wird die allergische Spur noch deutlicher.

Perianale Fisteln

Bei dieser schmerzhaften Erkrankung entstehen Geschwüre und Fistelgänge rund um den After. Der Deutsche Schäferhund ist deutlich überrepräsentiert, und die Behandlung erfolgt heute immunmodulierend und nicht mehr primär chirurgisch, wie das Merck Veterinary Manual beschreibt.

Der Punkt, an dem ich ungemütlich werde

Es gibt einen Tumor, der genau dort sitzt: das Adenokarzinom der Analbeuteldrüsen. Und die Zahlen dazu sollte jede Halterin kennen, die ihrem Hund seit Monaten die Analdrüsen ausdrücken lässt.

Franca und Kollegen (2024) haben das entnommene Gewebe von 35 Hunden untersucht, bei denen einseitig ein solches Adenokarzinom festgestellt worden war. Bei 23 dieser 35 Tiere, also bei 66 Prozent, fand sich zusätzlich eine gutartige Analbeutelerkrankung. Vollständig unauffälliges Gewebe gab es nur bei 5 von 35.

Der Satz, der daraus folgt, ist unbequem: Ein Befund, der aussieht wie ein ganz gewöhnliches Analdrüsenproblem, schließt einen Tumor nicht aus. Beides kommt sogar ausgesprochen häufig zusammen vor.

Dazu kommt ein zweites Warnsignal. Williams und Kollegen (2003) beschrieben bei 113 betroffenen Tieren in 27 Prozent der Fälle einen erhöhten Kalziumspiegel im Blut. Diese Hunde trinken mehr, urinieren mehr, wirken schlapp und verlieren Appetit. Ihre mediane Überlebenszeit lag mit 256 Tagen deutlich unter den 584 Tagen der Tiere mit normalem Kalziumspiegel.

Deshalb meine klare Bitte: Wenn dein Hund älter ist, wenn das Problem einseitig bleibt, wenn sich eine feste Verdickung tasten lässt oder wenn er neuerdings auffällig viel trinkt, dann gehört das abgeklärt und nicht ausgedrückt. Eine rektale Untersuchung dauert wenige Minuten.

Behandlung: Was der Tierarzt tun kann

Der wichtigste Befund zur Behandlung ist beruhigend. Bei Hvitman-Graflund und Kollegen wurden 235 von 290 Episoden mit einer Spülung des Beutels behandelt, häufig kombiniert mit einem lokalen antimikrobiellen Präparat und einem Schmerzmittel. In 213 dieser 235 Episoden, also in 90,6 Prozent, klang die Entzündung vollständig ab. Die mediane Zeit bis zur Abheilung betrug eine Woche, und 70,7 Prozent aller Episoden waren innerhalb dieser einen Woche erledigt.

Analdrüsen ausdrücken: ja oder nein

Hier gehen die Meinungen im Netz weit auseinander, und ich möchte dir sagen, wo ich stehe und worauf ich das stütze.

Wenn ein Beutel voll und schmerzhaft ist, ist die manuelle Entleerung die richtige und schnellste Hilfe. Daran gibt es nichts zu diskutieren.

Wovon ich abrate, ist das vorsorgliche Ausdrücken der Analdrüse bei einem Tier ohne Beschwerden, also der halbjährliche Termin nach dem Motto, man macht das eben mit. Häufig wird dagegen eingewendet, das regelmäßige Entleeren rege die Sekretbildung an oder vernarbe den Ausführungsgang. Ich habe nach einer Studie gesucht, die das belegt, und keine gefunden. Beides ist eine verbreitete klinische Beobachtung, kein gesicherter Befund, und ich möchte es dir nicht als Tatsache verkaufen.

Meine Zurückhaltung stützt sich auf etwas anderes. Zwei Drittel der Hunde haben ohnehin nur eine einzige Episode, und die Rückfälle hängen in den vorliegenden Daten mit allergischer Hauterkrankung zusammen und nicht damit, ob jemand regelmäßig ausgedrückt hat. Dazu passt eine Beobachtung von James und Kollegen: Bei den erkrankten Tieren ihrer Untersuchung trat das Schlittenfahren nach dem Ausdrücken im Median bereits nach drei Wochen wieder auf. Das Entleeren verschafft Erleichterung, es beendet aber nichts.

Wer alle sechs Monate ausdrücken lässt, behandelt also mit hoher Wahrscheinlichkeit ein gesundes Tier und schaut in der Zwischenzeit nicht auf das, was tatsächlich zu Rückfällen führt.

Vom eigenhändigen Ausdrücken zu Hause rate ich ab, solange es dir niemand gezeigt hat. Der Beutel liegt eingebettet zwischen den beiden Schließmuskeln und ist nach außen nur von dünner Haut bedeckt, und zu viel Druck kann ihn verletzen.

Warum nicht jede Entzündung ein Antibiotikum braucht

In der britischen Auswertung bekamen 20,24 Prozent der Fälle ein Antibiotikum und 11,97 Prozent ein Schmerzmittel. Bei einem Abszess ist das richtig und wichtig.

Bei leichteren Verläufen lohnt sich eine Nachfrage, und zwar aus einem konkreten Grund. Bergeron und Kollegen (2021) haben bei 15 gesunden Hunden den Inhalt beider Beutel sequenziert und darin 14 verschiedene Bakterienstämme gefunden. Gesunde Analbeutel sind also keineswegs keimfrei, sondern besitzen eine eigene, vielfältige Bakteriengemeinschaft. Der Nachweis von Bakterien allein beweist damit noch keine Infektion.

Wenn dein Hund ein Antibiotikum bekommen hat, ist das kein Grund zur Sorge, aber danach lohnt sich ein Blick auf die Darmflora. Wie du sie gezielt wieder aufbaust, habe ich in meinem Artikel zur Darmflora nach Antibiotika beschrieben.

Wann eine Operation sinnvoll ist

Bei Tieren, die trotz aller Maßnahmen immer wieder Abszesse entwickeln, steht irgendwann die Frage nach der operativen Entfernung beider Beutel im Raum. In der britischen Auswertung wurde dieser Schritt bei unter einem Prozent der Betroffenen gegangen, es ist also die Ausnahme.

Zu den Risiken gibt es zwei brauchbare Arbeiten. Charlesworth (2014) wertete 62 Operationen aus: 32,3 Prozent entwickelten milde, von selbst abklingende Komplikationen, 14,5 Prozent hatten vorübergehend Probleme beim Kotabsatz, und Tiere unter 15 Kilogramm trugen ein höheres Risiko. Bei Davis und Hosgood (2025) mit 50 Hunden traten leichte Komplikationen bei 32 Prozent auf, schwerere bei jeweils 5 Prozent.

Bemerkenswert ist, was in beiden Serien nicht vorkam: eine dauerhafte Kotinkontinenz. Diese Sorge wird online sehr häufig genannt, und sie ist in dieser Form durch die vorliegenden Daten nicht gedeckt. Die Operation ist trotzdem kein kleiner Eingriff und gehört an den Schluss einer Kette und nicht an ihren Anfang.

Hausmittel bei Analdrüsenproblemen: Was hilft und was nicht

Ich verstehe den Wunsch, erst einmal selbst etwas zu tun. Bei einem akut entzündeten Beutel funktioniert das allerdings nicht, und jeder Tag Verzögerung macht die Sache schmerzhafter.

Sinnvoll und unbedenklich ist eine feuchtwarme Auflage. Ein sauberes Tuch mit körperwarmem Wasser tränken, ausdrücken und für einige Minuten auf die Region legen, zwei bis drei Mal täglich. Das entspannt die Muskulatur und kann den Abfluss erleichtern. Solltest du dabei eine harte, prall gespannte Schwellung tasten, ist das kein Fall mehr für Wärme.

Ebenfalls sinnvoll ist die Anpassung der Fütterung mit Blick auf die Kotkonsistenz, und dazu gleich mehr im nächsten Abschnitt.

Wovon ich abrate: Salben und Öle auf die verschlossene Öffnung aufzutragen bringt nichts, weil das Problem hinter dem Verschluss sitzt. Bittersalz, Einläufe und Entschlackungskuren haben mit dem Entleerungsmechanismus nichts zu tun. Und Videos, in denen erklärt wird, wie man die Analdrüsen manuell entleert, sehe ich kritisch, weil man Druck an dieser Stelle sehr schlecht dosiert, wenn man nie gelernt hat, wie sich ein voller Beutel anfühlt.

Wenn du dir unsicher bist, ob hinter den wiederkehrenden Beschwerden deines Hundes ein Darmthema steckt oder ob etwas anderes dahintersteht, kann mein kostenloses Quiz ein hilfreicher erster Schritt sein.

In nur 2 Minuten zeigt es dir, wie es dem Darm deines Hundes aktuell wirklich geht und was ihm jetzt am meisten hilft.

→ Starte hier dein Quiz

Entzündeten Analdrüsen beim Hund vorbeugen

Kotkonsistenz über die Fütterung

Wenn der Kot regelmäßig weich ist, ist das der erste Hebel. Lappin und Kollegen (2022) verglichen bei Hunden mit akutem Dickdarmdurchfall eine faserreiche Diät mit einer Standarddiät. In der Fasergruppe erreichten 11 von 11 Tieren einen normalen Kotscore, in der Vergleichsgruppe 6 von 11, der Unterschied war statistisch signifikant. Die ausgewerteten Gruppen waren mit elf Tieren allerdings klein, und die Studie zeigt, dass Faser den Kot festigt, nicht dass festerer Kot die Beutel leert.

Eine Arbeit geht einen Schritt weiter. Salichs und Kollegen (2025) gaben 22 Tieren mit gestauten Beuteln 90 Tage lang einen Kausnack aus Ballaststoffen und einem Bakterienstamm, 13 blieben unbehandelt. In der unbehandelten Gruppe stieg der Anteil der Therapieversager auf 61,5 Prozent bis Tag 120, in der behandelten Gruppe blieb er ab Tag 90 bei 19 Prozent stabil. Dazu gehört allerdings eine Einordnung, die ich nicht weglassen möchte: Die Studie wurde vom Hersteller des Produkts finanziert, zwei der drei Autoren sind dort angestellt, und die Kontrollgruppe erhielt kein Scheinpräparat. Das Ergebnis ist damit ein Hinweis und kein Beweis, und welcher der drei Inhaltsstoffe gewirkt hat, lässt sich nicht sagen.

Praktisch heißt das für dich: Ballaststoffe aus dem Futter sind ein vernünftiger Ansatz, gekochte Karotte, Flohsamenschalen oder Kürbis sind die üblichen Wege, und die Menge sollte langsam gesteigert werden. Welche Fütterungsform überhaupt passt, habe ich in meinem Artikel zu den Fütterungsformen beim Hund verglichen. Und wenn du die Darmflora gezielt mit unterstützen möchtest, findest du die Unterschiede zwischen Pro-, Prä- und Postbiotika in meinem Artikel zum Mikrobiom des Hundes.

Wie du Produktversprechen einordnest

Rund um dieses Thema wird viel verkauft, und die Werbetexte klingen fast alle gleich. Weil du solche Angebote künftig häufiger sehen wirst, möchte ich dir kurz zeigen, woran ich selbst entscheide, ob hinter einem Versprechen etwas steckt.

  • Gab es eine Kontrollgruppe? Ohne Vergleichsgruppe weiß niemand, ob die Besserung vom Produkt kam oder von der Zeit.
  • Wie viele Tiere wurden untersucht? Bei zwölf oder zwanzig kann ein einzelner Verlauf das Ergebnis kippen.
  • Wer hat die Studie bezahlt? Herstellerfinanzierung macht ein Ergebnis nicht falsch, aber sie gehört auf den Tisch, so wie oben bei dem Kausnack.
  • Was wurde eigentlich gemessen, und über welchen Zeitraum? Eine Besserung nach zwei Wochen sagt wenig, wenn die Rückfallquote nach vier Monaten nicht erhoben wurde.
  • Steht dort nur „tierärztlich getestet“? Dieser Satz klingt nach Prüfsiegel, aber es gibt keine festgelegte Untersuchung, die dahinterstehen muss.

Diese fünf Fragen kosten dich zwei Minuten und ersparen dir oft dreißig Euro und mehrere Wochen.

Bewegung und Gewicht

Regelmäßige, ruhige Bewegung tut der gesamten Beckenbodenmuskulatur gut und unterstützt eine regelmäßige Verdauung. Das ist kein spezielles Programm für dieses eine Problem, sondern schlicht gute Grundversorgung, und ich nenne es hier, weil es tatsächlich hilft, ohne dass ich dir eine Studie dazu vorlegen kann.

Beobachten statt ausdrücken

Der wirksamste Beitrag, den du leisten kannst, ist genaues Hinsehen. Notiere dir, wann dein Hund schlittenfährt, wie sein Häufchen in den Tagen davor aussah, ob er zusätzlich an Pfoten oder Ohren juckt und ob immer dieselbe Seite betroffen ist. Nach acht Wochen hast du ein Muster vor dir, mit dem sich arbeiten lässt, und genau dieses Muster ist das, was deinem Tierarzt sonst fehlt.

Weiterlesen: So führst du ein Hundetagebuch

Fazit

Analdrüsenprobleme sind unangenehm, für das Tier und für die Menschen im Wohnzimmer, aber sie sind in zwei von drei Fällen ein einmaliges Ereignis und keine chronische Diagnose. Was sich behandeln lässt, lässt sich meistens innerhalb einer Woche behandeln.

Die spannende Gruppe ist die andere. Wenn dein Hund zum dritten oder vierten Mal in einem Jahr entzündete Analdrüsen hat, dann ist das Ausdrücken nicht die Antwort, sondern die Frage. Dann geht es darum, herauszufinden, was im Hintergrund läuft: die Verdauung, die Haut, das Immunsystem, manchmal auch etwas, das man tasten muss.

Genau an dieser Stelle hört ein Ratgeberartikel auf zu helfen und ein Gespräch fängt an. Wenn du das Gefühl hast, dass ihr euch seit Monaten im Kreis dreht, dann schau doch einmal mit mir gemeinsam auf die Vorgeschichte.

→ Kostenfreie Einschätzung anfragen

Ich nehme mir 30 Minuten Zeit für euch, sehe mir an, was bisher passiert ist, und sage dir ehrlich, ob ich einen Ansatzpunkt sehe.

Häufige Fragen zu Analdrüsen beim Hund

Wie oft sollte man die Analdrüsen bei Hunden ausdrücken lassen?

Bei einem Tier ohne Beschwerden gar nicht. Das Entleeren ist eine Behandlung für einen gestauten oder entzündeten Beutel und keine Pflegemaßnahme wie das Krallenschneiden. Zeigt dein Hund Symptome, gehört er zum Tierarzt, und dann wird entleert, weil es nötig ist.

Kannst du deinem Hund die Analdrüsen selbst ausdrücken?

Ich rate davon ab, solange es dir niemand am eigenen Tier gezeigt hat. Der Beutel sitzt eingebettet zwischen den beiden Schließmuskeln und ist nach außen nur von dünner Haut bedeckt, und zu kräftiger Druck kann die Wand verletzen oder eine bestehende Entzündung verschlimmern. Wenn dein Hund häufig betroffen ist, lass dir den Griff bei einem Termin in Ruhe zeigen.

Was kostet das Ausdrücken der Analdrüsen beim Tierarzt?

Die Kosten richten sich nach der Gebührenordnung für Tierärzte und danach, was zusätzlich nötig ist. Eine einfache Entleerung liegt im niedrigen zweistelligen Bereich, eine Spülung unter Sedierung mit Schmerzmittel und Antibiotikum deutlich darüber. Frag in deiner Praxis vorab nach, das ist völlig üblich.

Woran erkenne ich, ob die Analdrüsen entzündet oder nur verstopft sind?

Ein voller Beutel ist unangenehm, ein entzündeter ist schmerzhaft. Wenn dein Hund sich an der Rute nicht mehr anfassen lässt, wenn die Haut neben dem After gerötet oder warm ist, wenn eine Schwellung sichtbar wird oder wenn er den Kotabsatz vermeidet, dann sprechen wir über eine Entzündung. Das ist ein Fall für denselben Tag. An Farbe oder Konsistenz des Sekrets lässt sich das dagegen nicht ablesen.

Hilft eine Futterumstellung bei Analdrüsenproblemen?

Sie kann helfen, wenn der Kot dauerhaft weich ist, weil festerer Kot nach gängiger Lehrmeinung den Entleerungsdruck erhöht. Bei normaler Kotqualität ist von einer Futterumstellung allein wenig zu erwarten. In den Fallserien hatte die Mehrheit der Betroffenen eine ganz normale Verdauung.

Entstehen Analdrüsenprobleme durch eine Übersäuerung?

Nein, dafür gibt es keinen Beleg. Der pH-Wert im Blut wird sehr eng reguliert, und im Dickdarm ist ein leicht saurer Bereich sogar das erwünschte Ergebnis einer gut arbeitenden Darmflora. Die Erklärung stammt aus der Ratgeberliteratur für Menschen und ist nie am Tier überprüft worden. Ausführlich habe ich das weiter oben im Abschnitt zu den Ursachen erklärt.

Können sich die Analdrüsen auf natürliche Weise wieder entleeren?

Ein leicht gestauter Beutel kann sich beim nächsten geformten Kotabsatz von selbst leeren. Eine bestehende Entzündung heilt in aller Regel nicht ohne Behandlung aus, ein eitriger Durchbruch niemals. Die Faustregel: Halten die Symptome länger als zwei Tage an oder ist die Region berührungsempfindlich, wartest du nicht weiter ab.

Wenn du keine gesundheitlichen Themen rund um deinen Hund mehr verpassen willst, trag dich hier für meinen Newsletter ein.

→ Jetzt Newsletter abonnieren

Quellen

  • O’Neill DG, Hendricks A, Phillips JA, Brodbelt DC, Church DB, Loeffler A. Non-neoplastic anal sac disorders in UK dogs: Epidemiology and management aspects of a research-neglected syndrome. Veterinary Record 2021;189(2):e203. DOI: 10.1002/vetr.203
  • Hvitman-Graflund K, Sparks T, Varjonen K. A retrospective study of treatment, outcome, recurrence and concurrent diseases in 190 dogs with anal sacculitis. Veterinary Dermatology 2023;34(6):576–585. DOI: 10.1111/vde.13205
  • Lundberg A, Koch SN, Torres SMF. Local treatment for canine anal sacculitis: A retrospective study of 33 dogs. Veterinary Dermatology 2022;33(5):426–434. DOI: 10.1111/vde.13102
  • Bergeron CC, Costa MC, Segura M, de Souza LB, Bleuzé M, Sauvé F. Bacterial microbiota and proinflammatory cytokines in the anal sacs of treated and untreated atopic dogs: Comparison with a healthy control group. PLoS One 2024;19(5):e0298361. DOI: 10.1371/journal.pone.0298361
  • Bergeron CC, Costa MC, de Souza LB, Sauvé F. Description of the bacterial microbiota of anal sacs in healthy dogs. Canadian Journal of Veterinary Research 2021;85(1):12–17. PMC7747662
  • Pappalardo E, Martino PA, Noli C. Macroscopic, cytological and bacteriological evaluation of anal sac content in normal dogs and in dogs with selected dermatological diseases. Veterinary Dermatology 2002;13(6):315–322. DOI: 10.1046/j.1365-3164.2002.00310.x
  • James DJ, Griffin CE, Polissar NL, Neradilek MB. Comparison of anal sac cytological findings and behaviour in clinically normal dogs and those affected with anal sac disease. Veterinary Dermatology 2011;22(1):80–87. DOI: 10.1111/j.1365-3164.2010.00916.x
  • van Duijkeren E. Disease conditions of canine anal sacs. Journal of Small Animal Practice 1995;36(1):12–16. PMID: 7815780
  • Janssenswillen S, Roelants K, Carpentier S, de Rooster H, Metzemaekers M, Vanschoenwinkel B, Proost P, Bossuyt F. Odorant-binding proteins in canine anal sac glands indicate an evolutionarily conserved role in mammalian chemical communication. BMC Ecology and Evolution 2021;21:182. DOI: 10.1186/s12862-021-01910-w
  • Lappin MR, Zug A, Hovenga C, Gagne J, Cross E. Efficacy of feeding a diet containing a high concentration of mixed fiber sources for management of acute large bowel diarrhea in dogs in shelters. Journal of Veterinary Internal Medicine 2022;36:488–492. DOI: 10.1111/jvim.16360
  • Salichs M, Beasley S, Homedes J. Efficacy of an oral chew containing fibre and Bacillus velezensis C-3102 in the management of anal sac impaction in dogs. Veterinary Dermatology 2025;36(1):74–82. DOI: 10.1111/vde.13304
  • Charlesworth TM. Risk factors for postoperative complications following bilateral closed anal sacculectomy in the dog. Journal of Small Animal Practice 2014;55:350–354. DOI: 10.1111/jsap.12217
  • Davis AT, Hosgood GL. Modified closed sacculectomy in 50 dogs with non-neoplastic anal sac disease. Veterinary Surgery 2025;54(2):382–388. DOI: 10.1111/vsu.14168
  • Williams LE, Gliatto JM, Dodge RK, et al. Carcinoma of the apocrine glands of the anal sac in dogs: 113 cases (1985–1995). JAVMA 2003;223(6):825–831. DOI: 10.2460/javma.2003.223.825
  • Franca A, Stamenova P, Thompson JL. Histopathological diagnosis and surgical complications following bilateral anal sacculectomy for the treatment of unilateral canine apocrine gland anal sac adenocarcinoma: 35 cases (2019–2023). Journal of Small Animal Practice 2024;65(6):394–401. DOI: 10.1111/jsap.13731
  • MSD Veterinary Manual. Anal Sac Disease in Dogs and Cats
  • Cornell University, Riney Canine Health Center. Anal sac diseases
  • Merck Veterinary Manual. Perianal Fistula in Dogs
  • Merck Veterinary Manual. Flea Allergy Dermatitis in Dogs and Cats
  • Companion Animal Parasite Council. Dipylidium caninum
  • Royal Canin Academy. Perianal pruritus in the dog
Nach oben scrollen

Einen Termin für ein kostenloses Erstgespräch kannst du direkt hier vereinbaren.