Ohrenentzündung beim Hund: Halterin hebt vorsichtig das Ohr ihres Hundes an und schaut hinein Blogbeitrag von Lernpfote e. V.

Ohrenentzündung beim Hund

Ohrenentzündung beim Hund: Warum sie immer wiederkommt

Du kennst das Geräusch inzwischen im Schlaf. Dein Hund schüttelt mitten in der Nacht den Kopf, dein Hund kratzt sich am Ohr, die Ohrmuscheln klacken gegen den Kopf. Vor drei Monaten wart ihr deswegen beim Tierarzt, du hast zwei Wochen lang gewissenhaft Tropfen gegeben, und es wurde besser. Jetzt ist es wieder da.

Wenn du an dieser Stelle langsam an dir selbst zweifelst, dann liegt das nicht an dir. Es liegt daran, dass bei einer wiederkehrenden Ohrenentzündung beim Hund fast immer etwas behandelt wird, das gar nicht die eigentliche Ursache ist. Die Tropfen wirken gegen das, was im Ohr sitzt. Sie wirken nicht gegen das, was dafür gesorgt hat, dass es sich dort ansiedeln konnte.

In diesem Artikel gehe ich mit dir durch, wie eine Ohrenentzündung entstehen kann, warum sie so hartnäckig zurückkommt und an welcher Stelle du ansetzen kannst, damit sich der Kreislauf nicht jedes Jahr wiederholt. Du erfährst, woran du eine Otitis beim Hund erkennst, welche verschiedenen Ursachen dahinterstecken und wie eine Ohrenentzündung beim Hund behandelt wird, wenn sie immer wieder auftritt.

Ohrenentzündung beim Hund erkennen: die typischen Anzeichen

Die ersten Symptome einer Ohrenentzündung beim Hund

Die meisten Halterinnen bemerken zuerst die Bewegung, nicht das Ohr. Der Hund schüttelt häufiger den Kopf als sonst, er kratzt sich mit der Hinterpfote am Ohr, er reibt den Kopf am Sofa oder am Teppich. Manche Hunde halten den Kopf leicht schief zur betroffenen Seite, weil das den Druck erträglicher macht. Auffällig ist dabei weniger das einzelne Kratzen als seine Häufigkeit. Diese Beobachtungen zusammen sind bereits ein deutliches Anzeichen für eine Ohrenentzündung, auch wenn das Ohr von außen noch unauffällig aussieht.

Wenn du dann die Ohrmuschel anhebst, siehst du die typischen Zeichen einer Entzündung. Die Haut im Gehörgang ist gerötet und geschwollen, sie fühlt sich wärmer an als der Rest des Kopfes, und das Ohr ist deutlich berührungsempfindlich. Dazu kommt häufig ein verändertes Sekret. Gesundes Ohrenschmalz ist hellbraun, sparsam und geruchsarm. Bei einer Otitis wird daraus oft eine dunkelbraune, schmierige oder gelbliche Masse, manchmal auch krümelig wie Kaffeesatz.

Der Geruch aus dem Ohr ist für viele der eindeutigste Hinweis auf eine Ohrenentzündung. Ein entzündetes Ohr riecht süßlich, hefig oder faulig, und zwar so deutlich, dass du dich nicht danach bücken musst. Entzündete Ohren beim Hund erkennst du also im Zweifel schneller mit der Nase als mit den Augen.

Wann du sofort einen Tierarzt aufsuchen solltest

Ernst wird es, wenn dein Hund zusätzlich das Maul nur noch vorsichtig öffnet, wenn er die Schnauze beim Gähnen zusammenkneift oder wenn er beim Fressen zögert. Das spricht dafür, dass die Entzündung tiefer sitzt. Genauso alarmierend sind ein hängendes Augenlid, ein schiefer Maulwinkel, Gleichgewichtsprobleme oder ein Zittern der Augen. In diesen Fällen gehört dein Vierbeiner noch am selben Tag in tierärztliche Hände.

Otitis externa, media und interna: welche Etage betroffen ist

Die Ohren beim Hund haben drei Etagen, und es macht einen erheblichen Unterschied, welche davon betroffen ist. Wer von einer Otitis beim Hund spricht, meint fast immer nur die oberste.

Der äußere Gehörgang beginnt an der Ohrmuschel, verläuft zunächst senkrecht nach unten und knickt dann waagerecht ab, bis er am Trommelfell endet. Diese L-Form ist der Grund, warum du von außen fast nichts sehen kannst und warum Flüssigkeit, die einmal drin ist, nur schwer wieder herausläuft. Entzündet sich dieser Bereich, spricht man von einer Otitis externa. Die Otitis externa beim Hund ist die mit Abstand häufigste Form und die, um die es in diesem Artikel überwiegend geht.

Hinter dem Trommelfell liegt das Mittelohr mit der Paukenhöhle und den Gehörknöchelchen. Eine Otitis media entsteht in den meisten Fällen aus einer länger bestehenden äußeren Entzündung, die sich durch das Trommelfell hindurch nach innen ausbreitet. Genau deshalb ist eine verschleppte Otitis externa kein kosmetisches Problem.

Noch tiefer sitzt das Innenohr mit Hör- und Gleichgewichtsorgan. Eine Otitis interna ist selten, aber sie ist die Erklärung für Symptome, die auf den ersten Blick gar nichts mit den Ohren zu tun zu haben scheinen: Taumeln, Laufen im Kreis, Erbrechen, Kopfschiefhaltung.

Für dich als Halterin ist die praktische Übersetzung einfach. Je länger eine Entzündung im äußeren Gehörgang besteht, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie irgendwann nicht mehr nur dort sitzt.

Warum die Ohrenentzündung beim Hund immer wiederkommt

Hier liegt der Denkfehler, der die meisten Behandlungen scheitern lässt. In einem entzündeten Ohr findet der Tierarzt Bakterien oder Hefepilze. Er behandelt sie, sie verschwinden, das Ohr beruhigt sich. Ein paar Wochen oder Monate später sind sie wieder da. Daraus schließen viele, es handle sich um eine besonders hartnäckige Infektion.

Meistens stimmt das nicht. Die Erreger sind nicht hartnäckig, sie kommen einfach zurück, weil die Bedingungen, unter denen sie sich vermehren konnten, unverändert geblieben sind.

Verschiedene Ursachen, vier Ebenen

Eine chronische Ohrenentzündung hat fast nie nur einen Auslöser. In der Veterinärdermatologie wird deshalb zwischen vier Gruppen von Faktoren unterschieden, und dieses Ordnungsprinzip ist der Schlüssel zu allem Weiteren:

Faktor Was er bedeutet Beispiele
Primäre Ursache löst die Entzündung überhaupt erst aus Allergie, Futtermittelreaktion, Fremdkörper, Milben, Hormonstörung
Sekundärer Erreger siedelt sich in dem bereits veränderten Ohr an Bakterien, Hefepilze
Wegbereiter erhöht das Risiko, verursacht aber nichts Hängeohren, enger Gehörgang, Feuchtigkeit, starke Behaarung
Verstärker hält die Entzündung aufrecht, auch wenn die Ursache weg ist verdickter Gehörgang, Vernarbung, Mittelohrbeteiligung

Tropfen wirken auf die zweite Zeile. Nur auf die zweite Zeile. Solange die erste Zeile unbearbeitet bleibt, ist jede Behandlung eine Verlängerung, keine Lösung.

Was Untersuchungen über die häufigsten Ursachen zeigen

Eine retrospektive Untersuchung von hundert Hunden mit Otitis externa hat genau das durchdekliniert. Bei 43 Hunden war eine allergische Dermatitis die primäre Ursache für die Ohrenentzündung, bei 12 eine eingedrungene Grasgranne, bei 7 Ohrmilben. Hefepilze fanden sich dagegen bei 66 Hunden, Kokken bei 38 (Saridomichelakis et al., 2007). Die Erreger waren also deutlich häufiger als die Ursachen, was nur einen Schluss zulässt: Sie sitzen oben drauf, sie sind nicht der Anfang.

Und noch eine Zahl aus derselben Arbeit gehört hierher, weil sie ehrlich ist. Bei 32 von hundert Hunden ließ sich trotz vollständiger dermatologischer Abklärung keine Ursache finden. Bei etwa einem Drittel der Fälle stößt also auch die gründlichste Diagnostik an eine Grenze. Wer dir verspricht, für jede wiederkehrende Ohrenentzündung eine Erklärung zu haben, verspricht zu viel.

Wenn dein Hund an einer Ohrenentzündung leidet, die trotz Behandlung wiederkehrt, dann ist die Reihenfolge deiner Fragen entscheidend. Nicht „welches Mittel hilft besser“, sondern „was hält dieses Ohr eigentlich offen“.

Allergie und Futter: die häufigste Ursache wiederkehrender Ohrenentzündungen

Wenn die Allergie in fast der Hälfte der Fälle am Anfang steht, dann ist sie die Stelle, an der sich Arbeit lohnt. Sie ist die mit Abstand häufigste Ursache der Ohrenentzündung bei Hunden, die immer wieder Probleme haben.

Dabei gibt es zwei große Gruppen. Die Umweltallergie, auch atopische Dermatitis genannt, richtet sich gegen Pollen, Hausstaubmilben oder Schimmelsporen. Sie ist typischerweise saisonal geprägt oder wird im Jahresverlauf stärker und schwächer. Die Futtermittelreaktion dagegen richtet sich gegen einen Bestandteil im Napf und kennt keine Jahreszeit. Sie ist genau das ganze Jahr über da, so wie das Futter.

Für Hunde mit Futtermittelreaktionen ist das Ohr eine der bevorzugten Baustellen. Eine systematische Auswertung von 32 Studien mit insgesamt 825 Hunden beschreibt, dass sich unerwünschte Futtermittelreaktionen vor allem als wiederkehrende bakterielle Hautinfektionen, als Otitis externa und als atopische Dermatitis zeigen, und dass der Juckreiz sich bevorzugt an Ohren, Pfoten und Bauch abspielt (Olivry und Mueller, 2019).

Genau deshalb lohnt sich ein zweiter Blick auf deinen Hund, der über das Ohr hinausgeht. Bekommt dein Hund eine Ohrenentzündung nach der anderen, ohne dass sich sonst etwas ändert? Leckt er auffällig oft an den Vorderpfoten, sodass das Fell dort rötlich verfärbt ist? Reibt er sich das Gesicht? Hat er immer wieder Hautstellen, die entzündet sind und mit Antibiotikum behandelt werden mussten? Ist die Verdauung unruhig? Kommen die Ohren im Frühjahr wieder oder ganzjährig?

Wenn du mehrere dieser Fragen mit Ja beantwortest, dann spricht viel dafür, dass dein Hund nicht ein Ohrproblem hat, sondern ein Hautproblem, das sich zuerst am Ohr zeigt. Du behandelst dann bisher ein Symptom von etwas Größerem. Welche Anzeichen dabei zusammengehören und wie du sie auseinanderhältst, habe ich ausführlich in meinem Artikel über Allergien und Unverträglichkeiten beim Hund beschrieben.

Der einzige verlässliche Weg, eine Futtermittelreaktion als Ursache für die Ohrenentzündung bei deinem Hund nachzuweisen, ist eine sauber durchgeführte Ausschlussdiät über acht bis zwölf Wochen mit einer Eiweißquelle, die dein Hund vorher nie bekommen hat, gefolgt von einer gezielten Wiedereinführung. Bluttests auf Futtermittelallergene leisten das nicht. Und die Ausschlussdiät scheitert in der Praxis fast nie an der Theorie, sondern an den Kleinigkeiten: am Leckerli beim Training, am Kauartikel, am Rest vom Nachbarn, am aromatisierten Zahnpflegeknochen. Acht Wochen konsequent bedeutet wirklich acht Wochen konsequent.

Ein Hundetagebuch hilft dabei mehr als jede Erinnerung, weil du im Rückblick nur noch selten sagen kannst, was genau in welcher Woche im Napf war. Wie du so ein Tagebuch anlegst, ohne dass es zur Last wird, findest du in meinem Beitrag zum Hundetagebuch.

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Bakterien, Hefen und Parasiten: die zweite Etage

Damit klar ist, was in einem entzündeten Ohr tatsächlich passiert, lohnt ein Blick auf die Bewohner.

Der Hefepilz Malassezia pachydermatis gehört zur normalen Flora des Gehörgangs. Er ist bei gesunden Hunden nachweisbar, ohne dass irgendetwas fehlt. Zum Problem wird er erst, wenn sich seine Lebensbedingungen ändern, wenn es wärmer und feuchter wird und wenn sich die Zusammensetzung des Ohrenschmalzes verschiebt. Dann vermehrt er sich stark und die Entzündung nimmt zu. Weil sich eine Hefe-Otitis von außen nicht zuverlässig von einer bakteriellen unterscheiden lässt, ist die mikroskopische Untersuchung eines Ohrabstrichs kein Luxus, sondern die Grundlage jeder sinnvollen Behandlung (Morris, 1999).

Bei den Bakterien dominiert Staphylococcus pseudintermedius, gefolgt von Pseudomonas aeruginosa. Eine mikrobiologische Untersuchung an Verdachtsfällen von Otitis externa fand bei 47 Prozent aller isolierten Bakterien einen mehrfach resistenten Phänotyp, bei Staphylococcus pseudintermedius lag die Methicillin-Resistenz bei 26,4 Prozent (Rosales et al., 2024).

Wie sehr sich das Ohr dabei verschiebt, zeigt eine Untersuchung, die 257 Ohrabstriche mit modernen Sequenzierverfahren ausgewertet hat. In 78,3 Prozent der auffälligen Ohren fand sich eine mikrobielle Überwucherung, und angereichert waren genau die üblichen Verdächtigen: Malassezia pachydermatis, Staphylococcus pseudintermedius und Staphylococcus schleiferi (Tang et al., 2020). Kennzeichnend für das erkrankte Ohr war dabei nicht ein einzelner Erreger, sondern der Verlust an Vielfalt. Ein gesunder Gehörgang ist bunt besiedelt. Ein kranker wird von wenigen Arten beherrscht.

Diese Zahl ist der beste Grund, warum ein Antibiotikum ins Ohr gehört, wenn es begründet ist, und nicht, wenn man es einfach probiert. Jede Behandlung auf Verdacht erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass beim nächsten Mal weniger wirkt.

Was diesen Teil so tückisch macht: Es geht hier nicht um einen Vierbeiner mit einem schwachen Immunsystem, der sich etwas eingefangen hat. Diese Erreger sitzen bei praktisch jedem Hund im Ohr. Sie warten nur darauf, dass sich ihre Lebensbedingungen ändern.

Bei den Parasiten spielen vor allem Ohrmilben eine Rolle. Sie sind typisch für junge Hunde und für Tiere aus Gruppenhaltung, verursachen einen krümeligen, sehr dunklen Belag und starken Juckreiz. Bei einem erwachsenen Einzelhund sind sie selten, aber sie gehören abgeklärt, bevor man aufwendigere Ursachen sucht.

Wichtig ist auch, was hinter einem plötzlich einseitig entzündeten Ohr stecken kann. Wenn nur eine Seite betroffen ist und das relativ abrupt begann, muss ein Fremdkörper ausgeschlossen werden. Grannen sind die klassischen Kandidaten, weil ihre Widerhaken sie immer tiefer wandern lassen, bis hin zum Trommelfell. Auch Polypen und Tumoren im Gehörgang zeigen sich häufig einseitig. Eine hartnäckige einseitige Otitis ist deshalb ein Fall für das Otoskop, nicht für die nächste Tube.

Hängeohren, Feuchtigkeit, enger Gehörgang: was eine Otitis begünstigt

Über kaum etwas wird so viel Halbwissen weitergegeben wie über Schlappohren. Deswegen lohnt es sich, genau hinzusehen.

In einer großen britischen Auswertung von 22.333 Hunden aus der tierärztlichen Erstversorgung lag die Häufigkeit einer Otitis externa innerhalb eines Jahres bei 7,30 Prozent. Hunde mit Hängeohren hatten dabei ein 1,76-fach erhöhtes Risiko, Hunde mit V-förmigen Ohren ein 1,84-fach erhöhtes. Bei den Rassen lagen Basset Hound mit einem 5,87-fachen Risiko, Shar Pei mit 3,44, Labradoodle mit 2,95, Beagle mit 2,54 und Golden Retriever mit 2,23 vorn. Chihuahua, Border Collie, Yorkshire Terrier und Jack Russell Terrier waren dagegen deutlich seltener betroffen (O’Neill et al., 2021).

Lies diese Zahlen bitte richtig. Ein 1,76-fach erhöhtes Risiko heißt, dass die Ohrform die Wahrscheinlichkeit erhöht, an einer Ohrenentzündung zu erkranken. Es heißt nicht, dass sie die Ursache ist. Die allermeisten Cocker Spaniel und Labradore bekommen trotz Hängeohren keine chronische Otitis. Wenn dein Hund also alle drei Monate ein entzündetes Ohr hat, ist die Erklärung nicht seine Anatomie, denn die hatte er letztes Jahr auch schon.

Zu den weiteren Wegbereitern, die zu einer Ohrenentzündung führen können, gehören ein von Natur aus enger oder stark behaarter Gehörgang, Feuchtigkeit nach dem Schwimmen oder Baden, und, was gern übersehen wird, zu häufiges oder zu aggressives Reinigen. Ein Ohr, dessen Schutzschicht regelmäßig weggewaschen wird, ist anfälliger, nicht sauberer.

Und dann gibt es die Verstärker, also die Veränderungen, die eine Entzündung aus eigener Kraft am Leben halten. Ein chronisch entzündeter Gehörgang verdickt sich, das Gewebe wuchert, der Kanal wird enger und feuchter, und irgendwann verknöchert er sogar teilweise. Ab diesem Punkt reicht es nicht mehr, die ursprüngliche Ursache abzustellen, weil das Ohr selbst zum Problem geworden ist. Das ist der eigentliche Grund, warum bei einer wiederkehrenden Otitis Zeit eine Rolle spielt.

Was der Tierarzt untersucht, und warum der Blick aufs Trommelfell entscheidet

Die Diagnose einer Ohrenentzündung folgt beim Tierarzt immer derselben Reihenfolge, und du darfst sie einfordern.

Zuerst wird der ganze Hund angeschaut, nicht nur der Kopf. Pfoten, Achseln, Leisten und Bauch verraten oft mehr über die Ursache als das Ohr selbst. Danach folgt die Otoskopie, also der Blick durch den beleuchteten Trichter bis zum Trommelfell. Bei sehr schmerzhaften oder stark verengten Ohren geht das nur unter kurzer Sedierung, und das ist kein Zeichen von Übertreibung, sondern von Sorgfalt.

Der dritte Schritt ist der Ohrabstrich unter dem Mikroskop. Er beantwortet die Frage, ob Kokken, Stäbchen, Hefen oder Milben im Spiel sind, und er entscheidet über die Wahl des Präparats. Bei hartnäckigen oder bereits vorbehandelten Ohren kommt eine bakteriologische Kultur mit Antibiogramm dazu, damit nicht auf Verdacht behandelt wird. Bei Verdacht auf eine Mittelohrbeteiligung oder auf eine Umfangsvermehrung folgen bildgebende Verfahren.

Der Trommelfellstatus ist dabei der wichtigste Einzelbefund, und zwar aus einem sehr praktischen Grund. 
Ist das Trommelfell beschädigt oder durchbrochen, gelangt alles, was du in den Gehörgang gibst, ins Mittelohr. Manche Wirkstoffe können dort das Gleichgewichts- und Hörorgan dauerhaft schädigen. Genau deshalb gehört vor jede Behandlung der Blick, und genau deshalb ist es keine gute Idee, eine alte Tube vom letzten Mal zu verwenden.

Wenn der Tierarzt die Ursache der Ohrenentzündung nach diesen Schritten benennen kann, hast du eine Behandlung, die zielt. Wenn nicht, hast du eine, die probiert. Der Unterschied entscheidet darüber, wie oft ihr wiederkommt.

Bei einem Hund, der immer wieder Ohren hat und dessen Ursache unklar bleibt, lohnt außerdem ein Blick auf die Schilddrüse. Eine Unterfunktion schwächt die Abwehrlage der Haut und zeigt sich manchmal zuerst an wiederkehrenden Haut- und Ohrentzündungen. Warum sich ein Blutbild in solchen Fällen wirklich lohnt, erkläre ich in meinem Artikel über Blutuntersuchungen beim Hund.

Wie eine Ohrenentzündung beim Hund behandelt wird

Jetzt zu dem Teil, den viele Ratgeber überspringen: was tatsächlich passiert, wenn ihr mit einem entzündeten Ohr aus der Praxis kommt, und warum die Tüte mit den Tropfen nur die halbe Behandlung ist.

Die Behandlung läuft auf zwei Ebenen gleichzeitig. Die eine räumt das Ohr auf. Die andere kümmert sich darum, warum es aufgeräumt werden musste. Findet nur die erste statt, sitzt ihr in drei Monaten wieder auf demselben Stuhl.

Reinigen kommt vor Behandeln

Bevor ein Wirkstoff überhaupt etwas ausrichten kann, muss der Gehörgang frei sein. Sekret, Ohrenschmalz und abgestorbenes Gewebe binden viele Wirkstoffe und machen sie unwirksam, und sie verhindern, dass das Präparat bis zur entzündeten Stelle vordringt.

Wie gereinigt wird, hängt am Trommelfell. Ist es beschädigt, sind die üblichen Reinigungslösungen tabu, dann kommen nur milde Mittel wie Kochsalzlösung oder Tris-EDTA infrage. Wie oft gereinigt wird, hängt am Sekret. Bei zähem Material sind zwei bis drei Reinigungen pro Woche üblich, bei reichlich eitrigem Sekret anfangs auch täglich.

Ein Rat aus der Praxis: Lass dir die erste Reinigung in der Sprechstunde zeigen, statt sie dir erklären zu lassen. Zwischen „spülen Sie das zu Hause“ und dem Wissen, wie viel Lösung in den Kanal gehört, wie lange man den Ohransatz massiert und wann man den Hund schütteln lässt, liegt der Unterschied zwischen wirksam und wirkungslos.

Was in den Ohrentropfen wirklich drin ist

Die meisten Fertigpräparate für das Ohr enthalten drei Wirkstoffe gleichzeitig: ein Antibiotikum gegen Bakterien, ein Antimykotikum gegen Hefen und ein Kortisonderivat gegen Entzündung und Schwellung.

Das heißt im Klartext: Wahrscheinlich hast du deinem Hund längst Kortison ins Ohr gegeben, ohne dass es dir jemand so gesagt hat. Ich schreibe das nicht, um Unruhe zu stiften. Im entzündeten, verengten Gehörgang ist Kortison oft genau richtig, weil es den Kanal überhaupt erst wieder öffnet und die beiden anderen Wirkstoffe dadurch ankommen. Ich schreibe es, weil du wissen solltest, was du deinem Hund verabreichst.

Welches Präparat es sein muss, entscheidet der Ohrabstrich und nicht die Erfahrung vom letzten Mal. Kokken brauchen etwas anderes als Stäbchen, und bei gramnegativen Stäbchen ist die Wahl des Wirkstoffs keine Geschmacksfrage. Genau deshalb ist die angebrochene Tube aus dem Badschrank so selten das richtige Mittel.

Tabletten oder Spritzen sind bei einer reinen Otitis externa meist nicht nötig. Sie kommen ins Spiel, wenn das Mittelohr beteiligt ist. Bei einem stark geschwollenen, beinahe verschlossenen Gehörgang wird zusätzlich Kortison über das Maul gegeben, damit sich der Kanal öffnet und die Tropfen überhaupt eine Chance haben.

Der Punkt, an dem die meisten zu früh aufhören

Hier entsteht ein großer Teil der Rückfälle, und zwar ohne dass jemand etwas falsch macht.

Ein Ohr sieht von außen gut aus, lange bevor es innen ausgeheilt ist. Der Hund schüttelt nicht mehr, es riecht nicht mehr, die Packung ist leer, also ist die Sache erledigt. Fachlich ist sie das nicht. Die Behandlung gilt erst dann als abgeschlossen, wenn der Ohrabstrich unter dem Mikroskop unauffällig ist, und dafür wird er im Verlauf wiederholt, meist wöchentlich bis alle zwei Wochen. Bei einer akuten Entzündung dauert das in der Regel zwei bis vier Wochen.

Wenn du also eine Abschlusskontrolle angeboten bekommst, nimm sie an. Und wenn dir keine angeboten wird, frag danach. Diese eine Untersuchung ist der günstigste Rückfallschutz, den es gibt.

Und dann die erste Zeile der Tabelle

Alles bisher Beschriebene behandelt die zweite Zeile. Bei einer Ohrenentzündung, die zum ersten Mal auftritt, reicht das oft völlig aus. Bei einer, die wiederkommt, reicht es nie. Wiederkehrende Ohrenentzündungen sind praktisch immer die Folge von etwas anderem, und dauerhaft ruhig wird ein Ohr erst, wenn dieses andere mitbehandelt wird (Nuttall, 2023).

Bei einem großen Teil der Hunde heißt dieses andere Allergie. Dann gehört zur Behandlung der Ohrenentzündung eine Behandlung der Allergie, und dafür gibt es heute mehr als Kortison. Apoquel mit dem Wirkstoff Oclacitinib ist eine Tablette, die im Inneren der Zelle mehrere Botenstoffe der allergischen Reaktion ausbremst. Cytopoint mit dem Wirkstoff Lokivetmab ist eine Spritze unter die Haut, die alle vier bis acht Wochen gegeben wird und einen einzelnen Juckreizbotenstoff abfängt. Wenn dein Hund neben den Ohren auch Pfoten leckt oder sich am Bauch kratzt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass eines der beiden Mittel schon einmal zur Sprache kam.

Eine Einschränkung gehört dazu, und ich nenne sie lieber selbst, bevor es jemand anderes tut. Beide Mittel sind für die allergische Hauterkrankung zugelassen, nicht für die Ohrenentzündung. Ich habe für keines der beiden eine veröffentlichte Studie gefunden, die speziell die Wirkung am Ohr des Hundes untersucht. Sie wirken auf das Ohr nur so weit, wie sie auf die Grunderkrankung wirken, und das ist ein wichtiger Unterschied. Wer sich davon ein sauberes Ohr verspricht, erwartet etwas, wofür es keinen Beleg gibt.

Und wenn die Allergie eine Futtermittelreaktion ist, führt an einer konsequent durchgeführten Eliminationsdiät nichts vorbei. Kein Medikament ersetzt diese Antwort, es verschafft nur die Ruhe, in der man sie suchen kann.

Meine Haltung dazu ist unaufgeregt. Ich rate niemandem, ein wirksames Medikament abzusetzen, und ich habe genug Hunde gesehen, denen diese Mittel echte Erleichterung gebracht haben. Was mich stutzig macht, ist der Hund, der seit zwei Jahren dreimal jährlich seine Ohrentropfen bekommt, und in diesen zwei Jahren hat niemand die erste Zeile der Tabelle angeschaut.

Warum Hausmittel bei wiederkehrender Ohrenentzündung nicht reichen

Im Netz kursieren zahlreiche Hausmittel für das Ohr deines Hundes, von Kokosöl über Olivenöl mit Teebaumöl bis zu Apfelessig und Kamillentee. Ich verstehe den Impuls dahinter sehr gut. Du willst etwas tun, und zwar heute Abend und nicht erst nach dem nächsten freien Termin. Eine leichte Ohrenentzündung scheint darauf sogar zu reagieren, weil sich das Ohr kurzfristig beruhigt.

Trotzdem rate ich davon ab, und ich nenne dir drei Gründe, die nichts mit Schulmedizin gegen Naturheilkunde zu tun haben.

Der erste ist der Trommelfellstatus. Solange du nicht weißt, ob das Trommelfell intakt ist, weißt du nicht, wohin die Flüssigkeit läuft. Was im äußeren Gehörgang harmlos wäre, kann im Mittelohr Schaden anrichten. Diese Zurückhaltung ist keine Übervorsicht, sie ist auch in tierärztlichen Ratgebern Standard.

Der zweite Grund ist das Milieu. Öle bleiben im Gehörgang, sie laufen wegen der L-Form kaum von selbst wieder heraus, und sie halten Wärme und Feuchtigkeit im Kanal. Damit schaffst du genau die Bedingungen, unter denen sich Malassezien besonders wohlfühlen. Kurzfristig fühlt sich das Ohr beruhigt an, mittelfristig kann das Gegenteil eintreten.

Der dritte Grund ist Teebaumöl im Besonderen. Es ist hautreizend und in höheren Dosen für Hunde toxisch, und ein bereits entzündeter Gehörgang ist die denkbar empfindlichste Stelle dafür.

Was du dagegen ohne Bedenken tun kannst, während du auf den Termin wartest: das Ohr in Ruhe lassen, deinem Hund über eine Halskrause das Aufkratzen ersparen, wenn er sich blutig kratzt, und aufschreiben, wann die Beschwerden begannen, wie das Sekret aussieht und welche Präparate er in den letzten Monaten schon bekommen hat. Diese Notizen sind in der Sprechstunde mehr wert als jedes Hausmittel.

Und der wichtigste Punkt bleibt ohnehin bestehen: Selbst das beste Mittel im Ohr behandelt die zweite Zeile der Tabelle weiter oben. Bei einer wiederkehrenden Otitis liegt die Arbeit in der ersten. Die Behandlung einer Ohrenentzündung beim Hund entscheidet sich nicht an der Tube, sondern an der Frage davor.

Wenn du zusätzlich zur tierärztlichen Behandlung etwas geben möchtest, dann bitte nur in Absprache mit dem Tierarzt. Das gilt für Nahrungsergänzungen genauso wie für alles, was in den Gehörgang kommt.

Ohren richtig reinigen und einer Ohrenentzündung vorbeugen

Einer Ohrenentzündung beim Hund vorbeugen heißt vor allem, weniger falsch zu machen. Die meisten Ohrenentzündungen beim Hund entstehen nicht, weil zu wenig getan wurde, sondern weil zu viel Falsches getan wurde.

Keine Wattestäbchen. Sie schieben Ohrenschmalz und Schmutz an der Knickstelle des Gehörgangs tiefer hinein statt heraus, und sie können bei einem Hund, der ruckartig den Kopf bewegt, ernsthafte Verletzungen verursachen.

Nicht auf Vorrat reinigen. Ein gesundes Ohr reinigt sich selbst. Wer ohne Anlass jede Woche spült, entfernt die schützende Fettschicht und verschiebt genau das Milieu, das die Erreger in Schach hält. Bei einem unauffälligen Ohr genügt der wöchentliche Blick und, wenn nötig, das Auswischen der sichtbaren Ohrmuschel mit einem weichen Tuch.

Nach dem Schwimmen abtrocknen. Nicht im Gehörgang stochern, sondern die Ohrmuschel abtupfen und die Ohren anschließend hochhalten oder locker nach hinten legen, damit Luft an den Kanal kommt.

Haare nicht routinemäßig zupfen. Bei einem entzündeten oder gereizten Ohr richtet das mehr Schaden an als Nutzen.

Grannenzeit ernst nehmen. Von Mai bis in den Spätsommer nach jedem Spaziergang durch hohes, trockenes Gras die Ohrmuscheln kontrollieren. Eine Granne, die noch außen sitzt, ist ein Handgriff. Eine Granne, die schon am Trommelfell liegt, ist ein Eingriff unter Narkose.

Wenn dein Tierarzt eine regelmäßige Reinigung verordnet hat, dann gilt: Nur das verordnete Präparat verwenden, es vorher in der Hand auf Körpertemperatur bringen, großzügig in den Kanal geben, den Ohransatz eine halbe Minute von außen massieren und deinen Hund anschließend schütteln lassen. Was gelöst wurde, kommt so heraus. Ausgewischt wird nur, was danach sichtbar in der Ohrmuschel liegt.

Der Rest ist Beobachtung. Ohren früh erkennen und behandeln ist bei einem Hund, der dazu neigt, wirksamer als jede Routinereinigung.

Und schließlich lohnt der Blick auf das Gesamtbild. Chronische Entzündungsprozesse im Körper machen an keiner Körperstelle halt, und ein Hund, dessen Abwehrlage dauerhaft unter Spannung steht, hat es an jeder Barriere schwerer. Welche Rolle die Fütterung dabei spielt, habe ich in meinem Beitrag über entzündungshemmende Ernährung für Hunde zusammengetragen.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, bis eine Ohrenentzündung beim Hund abheilt?
Eine unkomplizierte, früh behandelte Otitis externa beruhigt sich meist innerhalb von ein bis drei Wochen. Wenn ein Hund unter einer Ohrenentzündung leidet, die schon länger besteht und den Gehörgang verdickt hat, kann die Behandlung der Ohrenentzündung mehrere Monate dauern. Entscheidend ist die Abschlusskontrolle: Erst wenn Otoskopie und Ohrabstrich unauffällig sind, ist die Behandlung wirklich beendet. Wer vorher aufhört, weil das Ohr äußerlich gut aussieht, legt den Grundstein für den nächsten Rückfall.

Welches Futter ist bei einer Ohrenentzündung sinnvoll?
Es gibt kein Futter, das eine akute Entzündung heilt. Wenn eine Futtermittelreaktion die Ursache ist, hilft nur das Weglassen des auslösenden Bestandteils, und das findest du ausschließlich über eine konsequente Ausschlussdiät mit einer neuen Eiweißquelle über acht bis zwölf Wochen. Werbeversprechen auf Futterpackungen ersetzen diesen Test nicht.

Mein Hund hat immer wieder eine chronische Ohrenentzündung, obwohl ich alles richtig mache. Woran liegt das?
In den meisten Fällen daran, dass bisher nur der sekundäre Erreger behandelt wurde und nicht die primäre Ursache. Zweithäufigster Grund sind Verstärker, also bereits eingetretene Veränderungen im Gehörgang, die die Entzündung selbst aufrechterhalten. Und bei etwa einem Drittel der Hunde findet auch eine vollständige Abklärung keine eindeutige Ursache. Dann geht es darum, die Schübe früh zu erkennen und kurz zu halten. Eine chronische Ohrenentzündung beim Hund ist deshalb weniger eine Frage des Präparats als eine Frage der Reihenfolge.

Bekommt mein Hund bei einer Ohrenentzündung Kortison?
Sehr wahrscheinlich ja, auch wenn es so nicht ausgesprochen wurde. Die meisten Ohrentropfen sind Kombipräparate aus einem Antibiotikum, einem Antimykotikum und einem Kortisonderivat. Im entzündeten Gehörgang ist dieser Anteil sinnvoll, weil er die Schwellung zurücknimmt und den Kanal für die anderen beiden Wirkstoffe öffnet. Kritisch wird Kortison erst, wenn es über Monate läuft, ohne dass jemand nach der Ursache gesucht hat.

Helfen Apoquel oder Cytopoint bei einer Ohrenentzündung?
Sie behandeln nicht das Ohr, sondern die allergische Grunderkrankung, die bei vielen Hunden dahintersteckt. Apoquel ist eine tägliche Tablette, Cytopoint eine Spritze alle vier bis acht Wochen. Wenn dein Hund neben den Ohren auch Pfoten leckt oder sich am Bauch kratzt, kann das ein sinnvoller Baustein sein. Was beide nicht tun, ist die Ursache beseitigen: Setzt man sie ab, ohne dass sich sonst etwas geändert hat, kommen die Beschwerden zurück. Die Entscheidung darüber trifft dein Tierarzt.

Kann eine Ohrenentzündung beim Hund von alleine weggehen?
Eine leichte Reizung nach dem Baden kann sich zurückbilden. Eine echte Otitis externa mit Sekret, Geruch und Schmerz tut das in aller Regel nicht. Sie wandert eher tiefer, und aus einem akuten Problem wird eines, das den Gehörgang dauerhaft verändert. Bei Verdacht auf eine Ohrenentzündung solltest du deshalb nicht abwarten, sondern abklären lassen.

Woran erkenne ich, dass es dringend ist?
Wenn dein Hund starke Schmerzen zeigt, das Maul kaum öffnet, den Kopf dauerhaft schief hält, taumelt, im Kreis läuft, erbricht oder wenn Lid und Maulwinkel auf einer Seite hängen. Das sind Anzeichen einer Ohrenentzündung, die bereits Mittel- oder Innenohr betrifft, und die gehören noch am selben Tag abgeklärt.

Mein zweiter Hund leckt dem kranken Hund ständig das Ohr aus. Ist das gut oder soll ich es unterbinden?
Diese Frage bekomme ich von Mehrhundehaltern immer wieder, und die Beobachtung dahinter stimmt: Sobald ein Hund an einer Ohrenentzündung leidet, interessiert sich der andere plötzlich auffällig für dieses eine Ohr. Trotzdem rate ich davon ab, ihn gewähren zu lassen. Hundespeichel wirkt tatsächlich gegen bestimmte Keime, aber ausgerechnet nicht gegen die, die hier zählen. In einer Untersuchung war Hundespeichel bakterizid gegen E. coli und Streptococcus canis, gegen koagulasepositive Staphylokokken und Pseudomonas aeruginosa dagegen nur geringfügig und statistisch nicht bedeutsam wirksam (Hart und Powell, 1990). Genau diese beiden Gruppen sind bei einer Otitis das Problem. Dazu kommt der Punkt, der weiter oben schon gegen Öle sprach: Jedes Auslecken bringt neue Feuchtigkeit in einen Gehörgang, der ohnehin zu warm und zu feucht ist. Und Ohrmilben werden durch genau diesen engen Kontakt von Hund zu Hund weitergegeben. Was hier aussieht wie gegenseitige Fellpflege, ist bei einem entzündeten Ohr keine Hilfe.

Kann das Verhalten des anderen Hundes ein Frühwarnzeichen sein?
Darauf gibt es keine Studie, aber es ist eine Beobachtung, die mir aus meinem Kundenkreis so häufig berichtet wird, dass ich sie ernst nehme. Bei einer beginnenden Otitis verändern sich Ohrenschmalz und Geruch, lange bevor du selbst etwas riechst. Ein Hund nimmt das deutlich früher wahr als du. Wenn dein zweiter Hund also anfängt, sich für ein bestimmtes Ohr auffällig zu interessieren, lohnt sich ein Blick hinein, besonders wenn Kopfschütteln, Kratzen oder ein leichter Geruch dazukommen. Ich sage das ausdrücklich als Praxisbeobachtung und nicht als belegten Zusammenhang. Als Anlass, einmal genauer hinzuschauen, taugt es trotzdem.

Sind Symptome und Behandlung bei beiden Ohren immer gleich?
Nein, und das ist ein wichtiger Punkt. Wenn eine Otitis bei deinem Hund beidseitig auftritt, spricht das eher für eine systemische Ursache wie eine Allergie. Ist nur ein Ohr betroffen und begann es plötzlich, rücken Fremdkörper, Polypen oder Tumoren in den Vordergrund. Die Symptome sehen ähnlich aus, der diagnostische Weg unterscheidet sich deutlich.

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Wenn du nicht mehr weiterweißt

Eine Halterin, deren Hund seit Jahren unter einer Ohrenentzündung leidet und die zum vierten Mal mit demselben Ohr in der Praxis sitzt, hat meistens nichts falsch gemacht. Sie hat nur bisher an der zweiten Zeile gearbeitet.

Wenn du das Gefühl hast, dass bei deinem Hund mehrere Dinge zusammenhängen, die bisher getrennt behandelt wurden, also Ohren, Pfoten, Haut und Verdauung, dann lohnt es sich, einmal in Ruhe alles nebeneinanderzulegen. Was gefüttert wird, was schon versucht wurde, wann die Schübe kommen und was dazwischen passiert.

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Quellen

  1. O’Neill DG, Volk AV, Soares T, Church DB, Brodbelt DC, Pegram C (2021): Frequency and predisposing factors for canine otitis externa in the UK, a primary veterinary care epidemiological view. Canine Medicine and Genetics 8(1). https://doi.org/10.1186/s40575-021-00106-1
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