Sachkunde für Hundehalter

Alle Infos, die du zur Vorbereitung brauchst!

Sachkundenachweis-NRW

Alle Infos zum Sachkundenachweis in Nordrhein-Westfalen

  1. Welcher Hundehalter benötigt einen Sachkundenachweis?
  2. Wer gilt als sachkundig und muss den Sachkundenachweis nicht mehr ablegen?
  3. Mindestalter für Sachkundeabnahme 
  4. Deine Vorbereitung auf die Sachkunde-Prüfung
  5. Antwortschablonen zum Überprüfen
  6. Was passiert, wenn ich die Prüfung nicht bestehe?
  7. Ist mein alter Sachkundenachweis bei einem weiteren Hund noch gültig?
  8. Wer stellt einen Sachkundenachweis aus?
  9. Ist ein neuer Sachkundenachweis nach einem Beißvorfall erforderlich?
  10. Rechtsgrundlagen

1. Welcher Hundehalter benötigt einen Sachkundenachweis?

In Nordrhein Westfalen, benötigst du einen Sachkundenachweis, wenn du

  • einen gefährlichen Hund,
  • einen Hund einer bestimmten Rasse oder
  • einen großen Hund

beim Ordnungsamt anmelden möchtest.

Die Details im Einzelnen, nach dem Landeshundegesetz NRW (LHundG NRW):

a.) Gefährliche Hunde:
Einen Sachkundenachweis muss jeder ablegen, der einen gefährlichen Hund nach § 3 LHundG NRW hält.

Dazu gehören folgende Rassen:

  • Pitbull Terrier, 
  • American Staffordshire Terrier, 
  • Staffordshire Bullterrier und 
  • Bullterrier und
  • deren Kreuzungen untereinander, sowie
  • deren Kreuzungen mit anderen Hunden.

Nach neuerer Rechtssprechung, kann im Einzelfall auch der Miniatur-Bullterrier zu den gefährlichen Hunden gehören.
Das ist dann der Fall, wenn das Gesamtbild von dem Rassestandard des VDH abweicht. 

Zum Rassestandard des Miniatur-Bullterriers gehört sowohl der kompakte Körperbau, als auch eine Widerristhöhe, von 35,5 cm, die der Hund nicht überschreiten darf.
Ob dein Miniatur-Bullterrier als kleiner Hund eingestuft wird oder als ein gefährlicher Hund nach §3 LHundG NRW, mußt du mit dem für dich zuständigen Ordnungsamt oder Veterinäramt klären.

Die Feststellung der Gefährlichkeit erfolgt durch das zuständige Ordnungsamt bzw. Veterinäramt, nach Begutachtung durch den amtlichen Tierarzt.

b.) Hunde einer bestimmten Rasse

Einen Sachkundenachweis muss derjenige ablegen, der einen Hund einer bestimmten Rasse nach § 10 LHundG NRW hält:

Dazu zählen folgende Rassen:

  • Alano,
  • American Bulldog,
  • Bullmastiff, Mastiff,
  • Dogo Argentino,
  • Fila Brasileiro,
  • Mastino Espanol,
  • Mastino Napoletano,
  • Rottweiler und
  • Tosa Inu
  • Außerdem Hunde dieser Rassen, aus Kreuzungen untereinander,
  • sowie deren Kreuzung mit anderen Hunden.

In gewissen Fällen zählt zu den Hunden bestimmter Rassen, auch die Old English Bulldog.
Hier entscheidet letztendlich der Phänotyp, also das äußere Erscheinungsbild des einzelnen Hundes.

Setze dich zur Abklärung bitte mit deinem zuständigen Ordnungsamt/Veterinäramt in Verbindung.

c.) Große Hunde

Einen Sachkundenachweis muss derjenige ablegen, der einen großen Hund nach § 11 LHundG NRW hält.

Große Hunde sind Hunde, die ausgewachsen eine Widerristhöhe (gemessen vom Boden bis zur Widerristhöhe) von mindestens 40 cm haben
und/oder mindestens 20 kg schwer sind.
Daher werden diese Hunde auch „40/20 Hunde“ genannt.
Ist dein Hund noch ein Welpe oder Junghund, mußt du von der voraussichtlichen Größe und dem Gewicht des später erwachsenen Hundes ausgehen.

Anmerkung zum Sachkundenachweis:
Der Sachkundenachweis bei gefährlichen Hunden (Punkt 1a) und bei Hunden bestimmter Rassen (Punkt 1b) wird rein personenbezogen betrachtet.
Das heißt für dich, jeder der mit deinem „gefährlichen“ Hund oder deinem Hund einer „bestimmten Rasse“, spazieren geht, muß einen gültigen Sachkundenachweis vorweisen. 

Anders ist es bei großen Hunden.
Hier muss nur du, als Halter, einen Sachkundenachweis ablegen.
Anschließend, liegt es in deiner Verantwortung, wer deinen Hund ebenfalls ausführt. 

Im Fall des Falles, haftest du für entstandene Schäden.
Hier empfehlen wir, dass jeder, der den großen Hund später ausführt, auch einen Sachkundenachweis ablegt. 

Achtung:
Egal ob du den Sachkundenachweis für einen großen Hund oder einen Hund einer bestimmten Rasse nachweisen mußt, die Prüfung ist die Gleiche!

2. Wer gilt als sachkundig und muss die Sachkunde-Prüfung daher nicht mehr ablegen?

Als sachkundig gemäß § 6 Abs. 1 LHundG NRW gelten: 

a) Tierärzte, sowie Inhaber einer Berufserlaubnis nach § 11 der Bundes-Tierärzteordnung.

b) Inhaber eines Jagdscheines oder Personen, die mit Erfolg die Jägerprüfung abgelegt haben.

c) Personen, die eine Erlaubnis nach § 11 Abs. 1 Nr. 3 Buchstabe a oder b des Tierschutzgesetzes zur Zucht, Haltung und/oder Handel mit Hunden besitzen.

d) Polizeihundeführerinnen und Polizeihundeführer.

e) Personen, die aufgrund einer Anerkennung nach § 10 Abs. 3 LHundG NRW berechtigt sind, Sachkundebescheinigungen zu erteilen (die mobile Hundeerziehung gehört dazu).

Als sachkundig zum Halten von großen Hunden gelten auch Personen, die vor Inkrafttreten des Landeshundegesetzes (also vor dem 01.01.2003) mehr als drei Jahre große Hunde gehalten haben
(also bei der Gemeinde/ Stadt zur Hundesteuer angemeldet waren), sofern es dabei zu keinen tierschutz- oder ordnungsbehördlich erfassten Vorkommnissen gekommen ist,
und dieses der zuständigen Behörde schriftlich versichert wurde.

Wer einmal den Sachkundenachweis bestanden hat, muss diesen nicht bei jedem neuen Hund der identischen Kategorie wiederholen.
Der Sachkundenachweis behält weiter seine Gültigkeit.

Würdest du jedoch einen gefährlichen Hund anmelden wollen und hattest bislang nur die Sachkunde für einen großen Hund, müsstest du die Sachkunde neu ablegen.
(geregelt in den VV zum LHundG NRW zu § 6 Nr. 6.2 dritter Absatz)

3. Mindestalter für das Ablegen der Sachkundeprüfung

Generell gilt: 

„Hunde bestimmter Rassen“ (§  10 LHundG NRW; siehe Rasseliste unter Punkt 1b) und
„gefährliche Hunde“ (§ 3 LHundG NRW; siehe Rasseliste unter Punkt 1a)
dürfen nur von Personen gehalten oder ausgeführt werden, die das 18. Lebensjahr vollendet haben. 

Anders ist es bei „großen Hunde“, nach § 11 LHundG NRW.

Hier wird von dem Grundsatz ausgegangen, dass nach § 2 LHundG NRW, die Hunde so zu führen sind, dass von diesen keine Gefahr für Leben oder Gesundheit von Menschen oder Tieren ausgeht. 

Das heißt, ein Kind oder Jugendlicher muss demnach körperlich in der Lage sein, den Hund auch wirklich halten zu können.
Im Gesetz steht nichts was dagegen spricht, dass ein Kind die Sachkundeprüfung ablegt.

4. Deine Vorbereitung auf die Sachkunde-Prüfung

Auf die Prüfung bereitest du dich in aller Ruhe zu Hause vor.

Die Fragen der Sachkunde-Prüfung beziehen sich auf sieben Themenkomplexe: 

  • Lerntheorie, Erziehung und Ausbildung
  • Haltung, Fütterung  und Pflege
  • Gesundheit, Ernährung und Fortpflanzung
  • Sozialverhalten und Kommunikation
  • Angst und Aggression
  • Rassenkenntnisse
  • Hunde und Recht

Zur Vorbereitung auf dein Sachkunde-Prüfung nutze die Fragen, unter diesem Link:

Fragebögen – Sachkunde. 

Hier findest du ca. 320 Fragen. 120 davon sind Wiederholungs-Fragen.

In der Prüfung erhältst du 30 Multiple-Choice-Fragen.
Um die Prüfung erfolgreich zu bestehen, mußt du insgesamt 20 Fragen richtig beantworten.
Hierbei ist es egal, ob du in der Antwort zu einer Frage, 2 Fehler machst.
Alle fehlerhaften Antworten zu einer Frage, zählen nur als ein Fehlerpunkt.

Hinweis: 

Bei der Beantwortung, können eine oder auch mehrere Antworten richtig sein.

Achtung:

Auch wenn dir manche Frage nicht logisch erscheint:
Lerne die als „richtig“ angesehene Antwort!

5. Die Lösungen zu deiner Kontrolle

Unter diesem Link, findest du zu den Fragebögen der Sachkunde, die entsprechenden Lösungsbögen:

Lösungsbögen – Sachkunde

Anmerkung zu Änderungen: 

Die Antwort auf folgende Frage hat sich geändert:  

Frage:
Wer wäre der beste Ansprechpartner, wenn es zu Problemen im Zusammenleben kommt:

A. Der Züchter oder ein anderer Halter derselben Rasse

B. Ein Tierarzt, der sich auf Verhalten spezialisiert hat

C. Ein anderer Hundebesitzer, der seinen eigenen Hund gut unter Kontrolle hat

D. Ein moderner und erfahrener Hundetrainer, der im Bereich Problemverhalten speziell geschult ist

Die Frage findest du auf den Bögen: 5, 13, 18, und 38

Bisher waren die Antworten B und D richtig.
Mit der Gesetzesänderung vom 1.8.2014, ist nur noch Antwort B richtig!

6. Was passiert, wenn du die Prüfung nicht bestehst?

Solltest du die Sachkundeprüfung nicht bestehen, kannst du diese wiederholen.
Die erneute Prüfung muss jedoch innerhalb von 2 Monaten erfolgen (geregelt in der DVO LHundG NRW § 1 Abs. 3). Anfallende Gebühren werden natürlich erneut fällig.

Bestehst du auch beim zweiten Mal die Sachkundeprüfung nicht, wird dies nach §1 Abs. 3 DVO LHundG NRW deinem zuständigen Ordnungsamt mitgeteilt.

7. Ist mein alter Sachkundenachweis bei einem weiteren Hund noch gültig?

Generell gilt: 

Damit dein alter Sachkundenachweis auch von einem anderen Ordnungsamt anerkannt wird, muss dein neuer Hund von dir entweder in die gleiche Kategorie oder in einer Kategorie darunter, fallen.

Hattest du zum Beispiel die Sachkunde bisher für einen „großen Hund“ und meldest nun einen Hund „einer bestimmten Rasse“ an, mußt du die Sachkunde erneut ablegen.
Geregelt ist dies in den Verwaltungsvorschriften zum LHundG NRW § 6 Nr. 6.2 dritter Absatz.  

Hast du deine Sachkundeprüfung in einem anderen Bundesland oder Kreis ablegt, dann gilt gemäß § 14 LHundG NRW, dass die Erlaubnisse, Befreiungen und Sachkundebescheinigungen,
die von zuständigen Stellen anderer Länder erteilt wurden, von der jetzt zuständigen Behörde anerkannt werden, wenn sie den in diesem Gesetz und auf Grund
dieses Gesetzes gestellten Anforderungen im Wesentlichen entsprechen. 

Ist dein Sachkundenachweis, also ähnlich dem, der bei dieser Behörde grundsätzlich anerkannt würde, dann sollte (!) diese neue Behörde, den alten Sachkundenachweis ebenfalls anerkennen.

Solltest du Schwierigkeiten bei der Anerkennung deines alten Sachkundenachweises bekommen, frage dein neues Ordnungsamt nach den Gründen der Ablehnung und verweise auf den § 14 des LHundG NRW.
Es bleibt trotzdem eine Ermessensentscheidung, deines für dich jetzt zuständigen  Ordnungsamtes.

8. Wer stellt einen Sachkundenachweis aus?

  • Bei gefährlichen Hunden (Rasseauflistung siehe ganz oben unter 1.a) musst du die Sachkundeprüfung bei einem amtlichen Tierarzt des Veterinäramtes abgelegen.
  • Bei Hunden bestimmter Rassen (Rasseliste siehe ganz oben unter 1.b) gibt es zwei Möglichkeiten:
    - Du kannst die Sachkundeprüfung bei einem amtlichen Tierarzt des Veterinäramtes ablegen.
    - Oder du legst die Prüfung bei einer anerkannten Stelle oder einem anerkannten Sachverständigen ab.

Bei „großen Hunden“ kannst du deinen Sachkundenachweis bei Tierärzten (die durch die Tierärztekammern benannt wurden) ablegen.
Bitte beachten Sie, dass Tierärzte einen abweichenden Fragenkatalog verwenden, der insgesamt 80 umfangreiche Fragen umfasst.
Alternativ hast du aber auch hier die Möglichkeit, den Sachkundenachweis für große Hunde bei einer anerkannten Stelle oder einem anerkannten Sachverständigen abzulegen.

9. Ist ein neuer Sachkundenachweis nach einem Beißvorfall erforderlich?

Wenn es zu einem Beißvorfall kommt und dieser wird dem Ordnungsamt bzw. Veterinäramt gemeldet, dann ist ist es möglich, dass der Hund als „gefährlicher Hund“ eingestuft wird. 

Grundlage hierfür kann eine Einschätzung des Veterinärtierarztes sein,

aber auch eine Verhaltensprüfung, die vom Hund nicht bestanden wurde.

Sollte das in deinem Fall so sein, verlangt das Ordnungsamt nicht nur einen erhöhten Hundesteuersatz, sondern auch den Sachkundenachweis für „gefährliche Hunde“.
Daher ist es auch möglich, dass du bisher für deinen Zwergschnauzer keinen Sachkundenachweis benötigt hast, jetzt aber einen Sachkundenachweis für „gefährliche Hunde“ ablegen mußt.

Den Sachkundenachweis für einen „gefährlichen Hund“, kannst du nur bei einem Veterinärtierarzt ablegen. 

10. Rechtsgrundlagen

Rechtsgrundlagen für die oben aufgeführten Fragen sind:

1. Das Landeshundegesetz NRW 

2. Die ordnungsbehördliche Verordnung zur Durchführung des Landeshundegesetzes NRW, kurz: DVO LHundG NRW

3. Verwaltungsvorschriften zum Landeshundegesetz NRW, kurz: VV LHundG NRW 

Alle Angaben ohne Gewähr!